Panama am 25. März 2020

Wenn ich im Titel schreibe „Panama“ dann ist gemeint, dass die Zahlen sich auf das ganze Land beziehen. Die Eindrücke von der Situation auf der Straße beziehen sich nur auf die Region um Rio Hato, wo wir leben und uns bewegen. Es bedeutet, dass es in Wohngebieten der Hauptstadt nicht so friedlich sein muss wie hier.

Heute ist der erste Tag der landesweiten ganztägigen Ausgangssperre. Unsere vorgeschriebene Zeit zum Einkaufen geht von 11 bis 13 Uhr. Wir haben beschlossen, nur einmal pro Woche einkaufen zu gehen und deshalb heute nur eine kleine Inspektionsrunde gedreht: der große Super99, der lokale Fischmarkt und ein kleineres Lebensmittelgeschäft. Alles geöffnet, keine Schlangen, friedlich. Über den Umfang des Sortiments werden wir am Freiag Bescheid wissen, wenn wir einkaufen gehen.

Die aktuellen Zahlen liegen heute bei 558 Infektionsfällen, 8 Toten und 2 Genesenen. In Intensivpflege befinden sich 19 Personen.

Das sind weniger Infektionsfälle, als meine eigene Hochrechnung auf Basis der Zahlen seit dem 20. März ermittelt hatte. Wäre gut, wenn dieser Trend anhalten würde.

Quelle: Panama America

Panama am 23. März 2020

Wer Familie oder Freunde in Panama hat oder selbst das Land als potentielles Auswanderungsziel in Betracht zieht, wird genau wissen wollen, wie es dort aussieht und wie die Lage sich entwickelt.

Wir, die wir hier leben, schauen erst recht mit Spannung darauf, wie unsere neue Heimat mit dieser Herausforderung umgeht.

Gleich zu den Fakten: Panama meldet heute 345 bestätigte Infektionsfälle, 5 Tote und eine genesene Person. Das ist seit dem 20.3. eine durchschnittliche tägliche Steigerungsrate von ca. 30%, was aber angesichts der kurzen Zeit noch nicht relevant sein kann.

Seit einer Woche sind Flüge aus Europa und Asien gestoppt, seit dem Wochenende haben ausländische Touristen und auch viele Residenten das Land verlassen.

Restaurants, Bars, Strände sind ebenso geschlossen, wie Unternehmen, die nicht für die Versorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen wichtig sind. Ebenso wurde ein Cordon Sanitaire um die Hauptstadt eingerichtet.

Ab morgen gilt zunächst landesweit eine Ausgangssperre von 17 Uhr bis 5 Uhr und es wurde schon bekanntgegeben, wie Lebensmitteleinkäufe während einer totalen Ausgangssperre ablaufen sollen.

Zwischenbilanz: Bis jetzt sieht das alles geordnet und professionell aus. Wir hoffen, dass die Maßnahmen greifen und die Zahlen nicht aus dem Ruder laufen. Gemessen werden muss der Erfolg in Panama City und angrenzenden Orten (San Miguelito, Arraijan, La Chorrera), wo sich die Hälfte der Bevölkerung des Landes ballt.

Wir haben am heutigen Sonnentag wieder eine Runde gedreht: über Rio Hato und Anton in die Berge bis El Valle, über die Panamericana zurück nach Hause. Ruhig, friedlich, tranquilo eben.

Coronavirus – zwei Welten

Inzwischen sind weltweit so viele Menschen am Coronavirus gestorben, dass ich darüber und über passende Medizin keine Scherze mehr machen mag. Also ganz im Ernst:

Heute früh habe ich online ca. 10 Minuten einer Pressekonferenz des Gesundheitsministers Spahn (erst Banklehre, dann Parteikarriere, begleitend Politik- und Jurastudium) zugehört.

Auf eine konkrete Frage nach Bereitstellung von Test- und Schutzmaterial schilderte er ausführlich und in aller Ernsthaftigkeit, dass sich nunmehr das Bundesgesundheitsministerium direkt in die Beschaffung solcher Materialien eingeschaltet habe. Ja und?, war meine Reaktion.

Dann fasste einer der Journalisten nach, weil die eigentliche Frage ja offensichtlich nicht beantwortet war. Spahn hob nun an, den gleichen Sachverhalt nochmals auszuführen. Er schien nicht zu verstehen, dass es für seine nichtssagende Auskunft keine stehenden Ovationen gab. Mir hat das dann gereicht und man kann sich über solche Vorbereitung nur wundern.

Von Spahn direkt zu Bannon, der seit 37 Tagen einen WarRoom Pandemic betreibt. Dort wird das Thema vom Tag 1 an als das behandelt, was es ist: eine weltweite Pandemie deren gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen noch nicht abzusehen sind.

Täglich berichten dort Journalisten aus den betroffenen oder benachbarten Gebieten, werden Experten zugeschaltet, die den letzten Stand in Sachen Epidemologie und praktische Maßnahmen für den Einzelnen wie auch Politikempfehlungen geben.

Hier kommen Leute zu Wort, die an der Spitze ihrer Fachgebiete stehen und genau wissen, wovon sie reden. Eine knappe Stunde voll komprimierter Information und nicht das laienhafte Gelaber eines Karrierepolitikers.

Logischerweise wird dieser Podcast auch auf einer Vielzahl Kanäle global Welt gestreamt und verzeichnete allein heute 3.5 Millionen Downloads.

Man darf gespannt sein, wie sich das alles noch entwickeln wird.

Panama und CoronaVirus

Mitten in meinen Fokus auf #Langbesserlebigkeit platzt die Corona-Epi/Pandemie. Was bedeutet das generell und speziell hier in Panama?

Als wir am 9. Februar, mit Lufthansa von Frankfurt kommend, in Tocumen ankamen, stand an jedem Gate medizinisches Personal in kompletter Schutzbekleidung und prüfte die Körpertemperatur aller Einreisenden. Panama City als Luftkreuz oder Hub of the Americas kommt da eine besondere Verantwortung zu, die auch sichtbar wahrgenommen wird.

Ist das übertriebene Vorsicht, angesichts der seinerzeit noch niedrigen Fallzahlen? Eher nicht, wie eine Meldung der TaiwanNews zeigt.

Hier die offiziellen Zahlen, von links nachweislich Infizierte, Verdachtsfälle, Geheilte und rechts Todesfälle:

Und dann gab es eine kurzzeitige Einblendung dieser Zahlen:

Sieht so aus, als ob die Kommunistische Partei Chinas alles im Griff hat, statistisch gesehen.

In Lateinamerika gab es bis vor wenigen Tagen keine Verdachtsfälle, inzwischen meldet allerdings Brasilien erste Positivtests.

Was bedeutet es wirtschaftlich? Quellen melden, dass derzeit nur 12% (!) der üblichen Mengen an Rohöl aus dem Persischen Golf auf dem Weg nach China sind und Containerschiffe die chinesischen Häfen kaum halbvoll verlassen – alles deutliche Zeichen eingeschränkter Wirtschaftstätigkeit und Vorzeichen für ein massives Einbrechen des Wirtschaftswachtums.

Da China zur Werkbank der Welt geworden war, kann das nicht ohne Auswirkungen auf die Weltwirtschaft bleiben und bestätigt indirekt das Vorhaben der Trump-Administration industrielle Fertigungskapazitäten aus China zurück in die USA zu holen. Was wird die deutsche Presse dazu sagen?

Der Panamakanal ist immer auch ein Barometer der Weltwirtschaft und damit kommt die Krise dann auch hier an.

Quelle: globaltrademag.com

Ich kann mir vorstellen, dass die Einnahmen in 2020 um 20% geringer ausfallen und damit auch eine Budgetlücke hinterlassen werden.

Allerdings gibt es auch gute Nachrichten:

Hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer des Virus und wir haben ausreichend Gegenmittel gebunkert.

Quelle: engagementlabs.com
%d Bloggern gefällt das: