Motivation Auswandern

Ein Youtube-Interview zum Thema Perpetual Traveller und die sehr kontroversen Kommentare veranlassen mich, die Motivation zum Auswandern nochmal anzusprechen.

Perpetual Traveller war ursprünglich eine Steuervermeidungsstrategie wohlhabender Leute. Das Internet hat nun dazu geführt, dass auch immer mehr Normalos in aller Welt ihren Lebensunterhalt nicht mehr von 9 bis 5 verdienen müssen, sondern das zu einer Zeit ihrer Wahl und an fast jedem Ort tun können. Globalisierung in Aktion und ein Schritt hin zu mehr persönlicher Freiheit.

Und wer so erstmal Freiheit gekostet hat, will mehr davon, will möglichst viel Ballast abwerfen. Ein leicht nachvollziehbares Bedürfnis, angesichts fortschreitender Bürokratisierung, Bevormundung, Gesetzlosigkeit und Steuerverschwendung vielerorts. Und nicht länger ist Bürokratie ja ein Garant für funktionierende Strukturen und Prozesse.

Wer auswandert will nicht Steuern minimieren, sondern sein Glück maximieren, sein Leben optimieren. Das bedeutet für die meisten ohne Ballast, ohne Druck in einer freundlichen Umgebung leben.

Und da gehen die Ansichten weit auseinander. Jeder hat unterschiedliche Sichtweisen darauf was Glück für ihn und die Seinen bedeutet und wie man das umsetzt. Diese Sichtweisen ändern sich, mit den Jahren und mit den Umständen.

Der eine will sein Heimatland um keinen Preis verlassen. Ein anderer sucht eine neue Heimat, ohne seine Herkunft abzulegen. Und ein Dritter sieht sich als Weltbürger für den Grenzen nur soziale Konstrukte sind … oder so ähnlich.

Ganz daneben sind dabei Äußerungen wie „Der hat seine Ausbildung hier bekommen und die Infrastruktur genutzt, da kann man nicht einfach abhauen“.

Doch, kann man. Und immer mehr Leute die ich hier treffe sind der Meinung, dass ihr Herkunftsstaat seine Verpflichtungen gegenüber den Bürgern nicht einhält.

Das eingangs erwähnte Video enthält ziemlich am Ende noch einen Spruch, den ich hier sinngemäß bringen muss.

„Jedes Land hat seine Stärken. Deutschland zum Beispiel ist stark darin, großzügig Sozialleistungen an Menschen zu verteilen, die nie Beiträge geleistet haben.“ 

Köstlich, oder?

 

 

 

 

Auswandern ist Freiheit

Die Heimat verlassen geschah früher meist nicht freiwillig. Verfolgung und Not waren die Treiber, selten pure Abenteuerlust. Wer auswanderte, sagte seiner Heimat, seiner Familie und seinen Freunden Lebewohl. Das ist vorbei.

Luftverkehr und Internet haben alles geändert. Nirgendwo ist man weiter als 24 Stunden entfernt, in Echtzeit kommunikativ verbunden und kann überall seinen Lebensunterhalt verdienen. Heute wandert aus, wer die Chancen der Globalisierung erkannt hat und aus den unendlich vielen Optionen sein persönliches Optimum auswählen will.

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum – das war nie einfacher.

Auswandern ist heute eine Herausforderung, die anzunehmen sich lohnt: Neue Länder, neue Kulturen, neue Sprachen, neue Freunde, neue Ideen. Eine neue Welt erschließen, ohne geliebte Bindungen aufgeben zu müssen. Viel zu gewinnen und nichts zu verlieren.

Auswandern ist eine positive Entscheidung: Man geht nicht etwa weil etwas schlecht ist, sondern weil es anderswo besser ist. Das bedeutet, über die eigenen Erwartungen im Leben nachzudenken und Prioritäten zuzuordnen. Dann bleibt zu ermitteln, ob man diese Vorstellungen anderswo besser realisieren kann.

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Salzwasser-Lagune in Playa Blanca, Panama

Ausflüchte es nicht zu tun, gibt es immer wieder. Man hat gerade

  • einen neuen Partner
  • schulpflichtige Kinder
  • die Eigentumswohnung
  • die pflegebedürftigen Eltern.

Aber es gibt für alles Lösungen, wenn man wirklich entschlossen ist:

  • Partner: mit Erkundungsreisen überzeugen
  • Kinder: wachsen mehrsprachig auf und lernen die Welt kennen
  • Eigentum: verkaufen und für Startkapital nutzen
  • Eltern: es gibt definitiv bessere Plätze als ein deutsches Pflegeheim.

Klar wird man in anderen Ländern mit anderen Regeln konfrontiert. Da lohnt es zu hinterfragen, ob man wirklich alles so haben muss, wie aus Deutschland gewohnt.

Beispiel Krankenversicherung. Wir haben eine gewählt, die nur stationäre Aufenthalte zahlt, mit Selbstbeteiligung, weltweit gültig, selbst in den USA mit ihren exorbitanten Kosten. Jeder Arztbesuch und jede Medizin muss selbst bezahlt werden.

Völlig ungewohnt für einen deutschen all-inklusive Kassenkunden. Dafür kostet der Jahresbeitrag für 2 Personen weniger als wir in Deutschland gemeinsam in 2 Monaten als Beitrag zu leisten hätten. Die Umstellung lohnt sich also.

Und sollten sich in der neuen Heimat die Bedingungen unerwartet verschlechtern, wird man ein neues und besseres Ziel finden, statt mit eingezogenem Kopf zurückzugehen. Wer es einmal geschafft hat, schafft es überall.

In den letzten Tagen waren die Zeitungen ja voll von Meldungen über US-VIPs, die im Fall des Trump-Sieges auswandern wollten. Inzwischen rudern die ersten schon wieder zurück und auch hier in Panama werden wir deswegen keine Immigrationswelle erleben.

Freiheit – mal anders betrachtet

Fast auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass in Berlin die Mauer fiel und für 16 Mio. Deutsche ein neues Leben begann. Ich schaue mir derzeit eine Vielzahl TV-Dokumentationen zu diesem Thema an, mit Gänsehaut. Wie hat dieses Ereignis doch die Welt verändert …

Mein Thema heute hat nur auf den ersten Blick damit nichts zu tun:

Ich habe gerade das Blogposting eines in Panama lebenden US-Bürgers gelesen. Er fragt ernsthaft, ob er für seinen in Panama geborenen Sohn einer panamesischen Mutter, der von Geburt einen panamesischen Pass besitzt, auch einen US Pass beantragen sollte, der ihm rechtmäßig zusteht.

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Vor 25 Jahren war ein US-Pass die Eintrittskarte zur Welt, ein Türöffner bei Firmen und Banken im Ausland. Ein Pass der dem Besitzer automatisch Reputation und Respekt verlieh.

Das hat sich radikal geändert, aber weniger wegen der Außen- und Militärpolitik meiner amerikanischen Freunde, sondern wegen der US-internen Steuerpolitik.

US-Bürger sind steuerpflichtig mit ihrem Welteinkommen, egal wo sie residieren. Das bedeutet, der US-Pass verpflichtet zur jährlichen Steuererklärung gegenüber Uncle Sam, auch wenn man schon ein halbes oder ganzes Leben lang nicht mehr in den USA wohnt. Was früher jedoch, bei Nichtbefolgung, eine Art Ordnungswidrigkeit war, ist inzwischen hochkriminell. Normalbürger in einer Reihe mit Drogendealern, Geldwäschern und Terrorfinanzierern.

Mit dem Patriot Act von 2001, als Konsequenz aus 9/11, wurde das Bankgeheimnis abgeschafft.

Ab 2006 wurden unter dem Foreign Bank Account Report (FBAR) ausländische Banken attackiert. USB, BNP und andere zahlten Millliardenstrafen und gaben ihre Kundenlisten preis.

Einige hundert gingen ins Gefängnis, viele tausend erstatteten Selbstanzeige und zahlten, um dem zu entgehen. Der Staat nahm Milliarden mehr ein, aber um welchen Preis?

Inzwischen ist per Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) jeder ausländische Bankangestellte faktisch zum Dienstleister der Finanzbehörde IRS  geworden – und alle amerikanische Staatsbürger zu unerwünschten Personen bei ausländischen Banken, ebenso wie ihre Ehepartner und Kinder, egal wo auf der Welt.

Ich will nicht falsch verstanden werden: Natürlich hat jedes Land seine Steuergesetze und muss sich um deren Durchsetzung kümmern. Im beschriebenen Fall führt die hysterische Kriminalisierung aber dazu, dass die persönliche Freiheit der US-Bürger massiv eingeschränkt wird.

Und ein Staat, der seine Bürger zuerst als potentielle Staatsfeinde, Terroristen oder Steuerhinterzieher ansieht und so behandelt, hat schon verloren. Das haben wir vor 25 Jahren gelernt.

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