Freiheit – mal anders betrachtet

Fast auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass in Berlin die Mauer fiel und für 16 Mio. Deutsche ein neues Leben begann. Ich schaue mir derzeit eine Vielzahl TV-Dokumentationen zu diesem Thema an, mit Gänsehaut. Wie hat dieses Ereignis doch die Welt verändert …

Mein Thema heute hat nur auf den ersten Blick damit nichts zu tun:

Ich habe gerade das Blogposting eines in Panama lebenden US-Bürgers gelesen. Er fragt ernsthaft, ob er für seinen in Panama geborenen Sohn einer panamesischen Mutter, der von Geburt einen panamesischen Pass besitzt, auch einen US Pass beantragen sollte, der ihm rechtmäßig zusteht.

uspassport

Vor 25 Jahren war ein US-Pass die Eintrittskarte zur Welt, ein Türöffner bei Firmen und Banken im Ausland. Ein Pass der dem Besitzer automatisch Reputation und Respekt verlieh.

Das hat sich radikal geändert, aber weniger wegen der Außen- und Militärpolitik meiner amerikanischen Freunde, sondern wegen der US-internen Steuerpolitik.

US-Bürger sind steuerpflichtig mit ihrem Welteinkommen, egal wo sie residieren. Das bedeutet, der US-Pass verpflichtet zur jährlichen Steuererklärung gegenüber Uncle Sam, auch wenn man schon ein halbes oder ganzes Leben lang nicht mehr in den USA wohnt. Was früher jedoch, bei Nichtbefolgung, eine Art Ordnungswidrigkeit war, ist inzwischen hochkriminell. Normalbürger in einer Reihe mit Drogendealern, Geldwäschern und Terrorfinanzierern.

Mit dem Patriot Act von 2001, als Konsequenz aus 9/11, wurde das Bankgeheimnis abgeschafft.

Ab 2006 wurden unter dem Foreign Bank Account Report (FBAR) ausländische Banken attackiert. USB, BNP und andere zahlten Millliardenstrafen und gaben ihre Kundenlisten preis.

Einige hundert gingen ins Gefängnis, viele tausend erstatteten Selbstanzeige und zahlten, um dem zu entgehen. Der Staat nahm Milliarden mehr ein, aber um welchen Preis?

Inzwischen ist per Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) jeder ausländische Bankangestellte faktisch zum Dienstleister der Finanzbehörde IRS  geworden – und alle amerikanische Staatsbürger zu unerwünschten Personen bei ausländischen Banken, ebenso wie ihre Ehepartner und Kinder, egal wo auf der Welt.

Ich will nicht falsch verstanden werden: Natürlich hat jedes Land seine Steuergesetze und muss sich um deren Durchsetzung kümmern. Im beschriebenen Fall führt die hysterische Kriminalisierung aber dazu, dass die persönliche Freiheit der US-Bürger massiv eingeschränkt wird.

Und ein Staat, der seine Bürger zuerst als potentielle Staatsfeinde, Terroristen oder Steuerhinterzieher ansieht und so behandelt, hat schon verloren. Das haben wir vor 25 Jahren gelernt.

Über jaypacific
Verbringe dein Leben in einer ewigen Glückseligkeit der Vorfreude, etwas zu erhoffen, zu erwarten, zu planen oder zu erträumen. ... Könnte von mir sein, ist aber von Kai Krause in "Das Wissen von morgen"

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