Das Recht des Volkes …

„Als die Abriegelungen in ganz Amerika begannen, taten die Texaner das, was die Texaner am besten können. Sie leerten die Regale aller Schusswaffenläden des Staates.“

So beginnt ein interessanter Artikel des Spectator darüber was mancherorts passiert, wenn der Staat die Freiheit seiner Bürger einzuschränken beginnt.

In Deutschland sind es Hygiene- und Grundgesetzdemos, wo Bürger ihren Unmut ausdrücken und in Panama passiert – nichts.

Wir haben hier einen sehr erfreulichen Rückgang bei Neuinfizierten und Intensivpatienten, aber die Gesundheitspolitiker führen ein strenges Regiment.

Ab heute darf ich zu meiner festgelegten Ausgangszeit, also dienstags, donnerstags und samstags von 11 Uhr bis 13 Uhr ausser Einkaufen auch noch allein um den Block spazieren. Meine Frau hat natürlich andere Ausgangstage. Lächerlich.

Und wenn ich bisher einiges Verständnis für die Politik im Land hatte, kann ich solches Mikromanagement nur noch als groben Unfug bezeichnen. Zum Glück können wir hier im Ressort außerhalb solcher Regeln agieren, bei Bedarf zum Strand wandern und auch im Meer baden. Aber eben illegal, sozusagen.

Die bewaffneten texanischen Milizen haben zwischenzeitlich den Tatoo-Shop von Jamie Williams und den Salon von Shelley Luther vor der Staatsmacht beschützt, die entgegen den Regeln geöffnet und damit sogar Änderungen der Politik befördert hatten.

Will ich bewaffnete Milizen hier in Panama haben? Eher nicht.

In Deutschland? Grundgesetz hochhalten scheint eher kontraproduktiv zu sein.

Quelle: bmi-bund.de

Bin ich ein Waffennarr? Kein bisschen, auch wenn ich eine AK-47 immer noch mit geschlossenen Augen auseinandernehmen und zusammensetzen kann.

Aber ernsthaft: ich habe heute mal das Dokument des Herrn Kohn aus dem BMI quergelesen. Beeindruckend professionelle Arbeit und deutlicher Beleg dafür, dass es in der Ministerialbürokratie qualifizierte und pflichtbewusste Leute gibt, an der Spitze der Ministerien und anderswo längst nur noch unqualifizierte Laiendarsteller sitzen, die im Ernstfall einer Bedrohung nichts anderes beherrschen als CYA – den eigenen Arsch zu retten.

Das sollte den Bürgern Angst machen.

Deutschland hatte mit Corona bisher viel Glück, und das ist gut so. Ein ziemlich gut aufgestelltes Gesundheitssystem und keine hunderttausende einreisender Chinesen. Ob es auch gelingt, die nachfolgende ökonomische und soziale Krise halbwegs erfolgreich zu bewältigen, hoffe ich.

Mit Rückblick auf Euro, Klima, Migration und Energie bin ich alles andere als optimistisch. Man meinte eben andere Prioritäten setzen zu müssen: Radwege, Gendersprech und Unisex-Toiletten sind nur wenige Beispiele.

Der Berichterstatter aus Texas war sich auch nicht sicher, ob das mit den Milizen weiter gutgeht. Ziemlich zufrieden konstatierte er aber, dass er in Houston schon wieder im Straßencafe Margarita schlürfen konnte, anders als seine Kollegen in NYC und Washington D.C.

Quelle: liquor.com

Corona-Monatsbilanz April

Am 7. April hatte ich zum Thema Corona in Panama geschrieben, „dass wir … bei knapp unter 8.000 Fällen am Monatsende landen … sollte eher besser werden, wenn der Trend anhält.“

Die heutige Pressekonferenz hat für den letzen Tag des Monats 6.532 Infektionsfälle gemeldet, 188 Patienten sind verstorben und in Intensivpflege befinden sich derzeit 86 Patienten. Das ist ziemlich erfreulich und aufgrund dieser Entwicklung sollte das kommende dann auch das letzte Wochenende mit Ausgangssperre sein. Offizielle Verlautbarungen gibt es dazu aber noch nicht.

Unter dem Motto PanamaSolidario werden in sozialen Schwerpunkten und abgelegenen Gebieten seit einiger Zeit Lebensmittel verteilt und Schecks ausgegeben. Von Betroffenen wurden in den letzten Tagen an einigen Stellen aber auch Straßensperren errichtet, um Aufmerksamkeit und notwendige Hilfe zu bekommen.

Neben der staatlichen Unterstützung finden sich auch immer wieder Unternehmen und Privatpersonen, die in unterschiedlicher Weise helfen. Gut so.

Im starken Kontrast dazu berichtet die Presse von Fällen, wo selbst Regierunsmitglieder profitieren, wenn benötigte Geräte und Materialien ohne Ausschreibung und massiv überteuert beschafft werden. Ich bin gespannt, wie der Präsident mit solchen Herausforderungen umgeht.

Es ist höchste Zeit, dass wieder Normalität einkehrt, Kinder in die Schulen und Erwachsene an die Arbeit gehen können, Geld in die Familienkassen kommt.

… und wir wieder am Strand Corona trinken können.

Nachtrag: nachdem ich weiter oben von korrupten Regierungsmitgliedern geschrieben und das Posting schon online gestellt hatte, habe ich am Rande die makellos frisierte und immer-noch-Bundesministerin Giffey in einer Talkshow-Runde sitzen sehen. Die Dame also, zu deren Promotionsarbeit es massive und fundierte Plagiatsvorwürfe gibt, deren Ehemann wegen Betrugs aus dem Beamtenverhältnis entfernt wurde …

Stabile Entwicklung?

Der Präsident der Republik Panama hat heute in einer Pressekonferenz gesagt, dass man noch lange nicht über den Berg sei und gemeint, dass es manchen Leuten wohl an gesundem Menschenverstand fehlt. Er erwähnte zwei markante Verstöße gegen das Ausgangsverbot am Wochenende: eine Rooftop-Party Jugendlicher und eine Hochzeitsfeier, mit allem was dazu gehört. Beide wurden von der Polizei aufgelöst.

Wir sind derzeit bei einem 3-Tage-Durchschnitt von 8% täglichem Zuwachs an Neuinfektionen angekommen. Meine Projektion ergibt, dass wir damit bei knapp unter 8.000 Fällen am Monatsende landen. Das sah anfangs viel schlechter aus und sollte eher besser werden, wenn der Trend anhält. Zu den guten Nachrichten gehört auch, dass per heute 69 Genesene gemeldet wurden. Hier sind die Zahlen der letzten 3 Tage:

Ich denke, wir sehen jetzt das Resultat der schon 2 Wochen andauernden und bereits verschärften Ausgangssperre, die nicht lustig ist, aber wirkt. Wer das als Angriff auf seine persönliche Freiheit betrachtet, sollte nochmal kurz nachdenken. Von Ecuador lese ich, dass dort Leichen auf den Straßen liegen, weil man mit dem Abtransport nicht nachkommt. Genau eine solche Situation werden wir in Panama wohl nicht erleben.

Gesundheitsministerium und Polizei, neben anderen, informieren den ganzen Tag via Twitter. Dazu gehört auch, dass letztere nicht nur für Ordnung sorgen und Verstöße ahnden, sondern auch Lebensmittelpakete in sozial schwache und abgelegene Siedlungen liefern.

Ein Zeitungsartikel von heute beschrieb, wie Tiere die Ausgangssperre nutzen, um die Stadt zu bevölkern. Eine Freundin hat auf dem Weg zum Supermarkt dann das hier gesehen, mitten in der Hauptstadt!

Quelle: Manuela Maria Jähne-List

Panama am 30. März 2020

Mit erfreulicher Regelmäßigkeit unterbieten die offiziellen Zahlen meine auf dem bisherigen Verlauf basierenden Projektionen. Für heute hatte ich 1.086 Infektionsfälle erwartet und bin wieder unterboten worden.

Quelle: panamaamerica.com.pa

Wir sind jetzt bei einem täglichen Anstieg von unter 10% angekommen und das innerhalb relativ kurzer Zeit, was eine Verdoppelung der Fallzahlen alle 7 Tage bedeuten würde. Aber ich gehe mal davon aus, dass zwar langsam, aber stetig die Zunahme weiter gedrosselt werden kann.

Ein Blick in die Tagespresse und die Twitter-Aktivitäten von Regierung und Polizei zeigt, dass es eine Anzahl Verstöße gegen das Ausgangsverbot und vereinzelt auch Einbrüche in Minisuper gibt. Alles im Rahmen bisher.

Mal ganz ehrlich: wir selbst, unsere Familie und Freunde fragen sich natürlich, ob man eine solche Krise nicht besser „zu Hause“ in Deutschland verbringt. Möglichkeiten der Heimreise gab es ausreichend.

Andererseits betrachten wir dieses Land nun schon im zwölften Jahr als unsere neue Heimat. Da reißt man nicht einfach bei der ersten Krise aus, sondern hat über die Zeit auch ein Grundvertrauen in die Menschen, das Gesundheitssystem und die staatliche Verwaltung gewonnen. Und das entspricht bisher unseren Erwartungen.

Wer also Panama als Auswanderunsgziel auf dem Radar hatte, muss nicht neu planen. Ich bin sicher, dass das Land diese Krise gut überstehen und mit noch mehr Selbstvertrauen daraus hervorgehen wird.

Breaking news: Ab 1.4. weitere Verschärfung der Quarantäne, wobei Frauen am Montag, Mittwoch und Freitag, Männer am Dienstag, Donnerstag und Samstag zum Einkaufen gehen dürfen. Sonntags darf niemand auf die Straße.

Eigentlich müsste entlastend das Alkoholverbot gelockert werden …

Panama am 26. März 2020

So eintönig kann Ausgangssperre sein. Jeden Morgen das gleiche Bild.

Gut dass wir uns heute nochmal die Spielregeln der Ausgangssperre angeschaut haben. Da steht nämlich, dass während der Einkaufszeiten nur eine Person pro Familie unterwegs sein kann.

Unser gestriger Ausflug war schon ein Verstoß gegen diese Regeln und für morgen hatten wir geplant, gemeinsam quietschvergnügt die 40 km nach Coronado zu fahren, weil wir dort 4 Supermärkte zur Auswahl hätten. Allein macht das aber keinen Spaß. Also Einkauf morgen mittag im hiesigen Super99 und im Fischmarkt.

Die aktuellen Zahlen liegen heute bei insgesamt 674 Infektionsfällen, 9 leider Verstorbenen und 2 Genesenen. In Intensivpflege befinden sich heute 23 Personen.

Das sind wiederum weniger Infektionsfälle, als meine gestern schon nach unten korrigierte Hochrechnung auf Basis der Zahlen seit dem 20. März ermittelt hatte. Die erste Prognose ging per 31.3. noch von über 3.000 Infektionsfällen aus, jetzt sieht es aber nach weniger als 2.000 aus.

Das wäre gut und wenn es so weitergeht kann man vielleicht schon wieder erste Verabredungen a la Schwejk treffen:

„Nach dem Krieg um sechs.“

Panama am 25. März 2020

Wenn ich im Titel schreibe „Panama“ dann ist gemeint, dass die Zahlen sich auf das ganze Land beziehen. Die Eindrücke von der Situation auf der Straße beziehen sich nur auf die Region um Rio Hato, wo wir leben und uns bewegen. Es bedeutet, dass es in Wohngebieten der Hauptstadt nicht so friedlich sein muss wie hier.

Heute ist der erste Tag der landesweiten ganztägigen Ausgangssperre. Unsere vorgeschriebene Zeit zum Einkaufen geht von 11 bis 13 Uhr. Wir haben beschlossen, nur einmal pro Woche einkaufen zu gehen und deshalb heute nur eine kleine Inspektionsrunde gedreht: der große Super99, der lokale Fischmarkt und ein kleineres Lebensmittelgeschäft. Alles geöffnet, keine Schlangen, friedlich. Über den Umfang des Sortiments werden wir am Freiag Bescheid wissen, wenn wir einkaufen gehen.

Die aktuellen Zahlen liegen heute bei 558 Infektionsfällen, 8 Toten und 2 Genesenen. In Intensivpflege befinden sich 19 Personen.

Das sind weniger Infektionsfälle, als meine eigene Hochrechnung auf Basis der Zahlen seit dem 20. März ermittelt hatte. Wäre gut, wenn dieser Trend anhalten würde.

Quelle: Panama America

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