Zurück in Panama

Tocumen International Airport am Montag abend, dem 14. September 2020: Die KLM-Maschine aus Amsterdam landet planmäßig und ca. 100 Passagiere steigen aus. Alle haben vorher einen offiziellen Fragebogen ausgefüllt, über Abflugort, mögliche Symptome, Adresse in Panama und Telefonnummer.

Empfangen werden wir von medizinischem Personal, das uns in einen abgetrennten Bereich dirigiert, wo jeder einen weiteren Fragebogen in die Hand gedrückt bekommt. Inhaltlich ähnlich, verschiedene Versionen, in Spanisch und inhaltlich konfus. Alle versuchen, das so schnell wie möglich auszufüllen, um nach Hause zu kommen. Nach Komplettierung wird es vom Personal auf Vollständigkeit überprüft, der Inhalt teilweise auf einen weiteren kleinen gelben Zettel übertragen, den wir dann bei der Immigration vorzeigen müssen.

Freunde holen uns ab, die gerade ihren ersten Tag mit Ausgang genossen haben, wir kommen nach 20 Stunden Reisezeit zu Hause an und sind froh. Keine weiteren Tests, keine sonstigen Instruktionen oder gar Restriktionen.

Am Dienstag fahren wir einkaufen, um den Kühlschrank aufzufüllen und am Mittwoch nachmittag klingelt das Telefon.

Irgendjemand von der Gesundheitsbehörde erklärt uns, das wir ab sofort einer strikten 14-tägigen Quarantäne unterliegen würden. Meine Frage, ob es denn unter den Mitreisenden einen Infektionsfall gegeben habe, wird klar verneint, dies sei das normale Protokoll. Auf meine Rückfrage, wie wir uns denn versorgen sollen, verspricht er, uns am Folgetag, also heute zu informieren. Ortszeit 16:00. Kein Anruf.

Natürlich macht das keinen Sinn. Wir kommen aus Deutschland, einer Region, die pro Kopf nur 15% der Infektionswerte hat, wie Panama. Uns in Daheim-Quarantäne zu schicken, schützt uns, nicht die Bewohner Panamas. Außerdem sind wir mit einem Negativtest eingereist. Was soll der Quatsch?

Also telefonieren wir erstmal mit Anwalt und sachkundigen Freunden. Die Gesetzeslage ist so, dass man tatsächlich nach Einreise, egal woher, für 14 Tage in heimische Quarantäne muss. Das wird im Polizeicomputer hinterlegt, so dass bei jeder Straßenkontrolle der Beamte sofort sieht, falls jemand dagegen verstößt.

Die Folge: Vorführung beim örtlichen Friedensrichter und eine erhebliche Geldstrafe. Das braucht kein Mensch und unser Spanisch ist definitiv nicht geeignet, dort eine eindrucksvolle Verteidigungsrede zu halten.

Unschönes Ende eines schönen Ausflugs. Mehr dazu im nächsten Post.

Die positive Nachricht: am 28.9. soll der Spuk vorbei sein, das Land wieder öffnen für Tourismus. Ohne Quarantäne.

Nachtrag: Wir hätten den kleinen gelben Zettel lesen sollen. Er sagt deutlich, dass wir uns zu Hause für 14 Tage in Quarantäne zu begeben haben und dass die Einhaltung von den Gesundheitsbehörden kontrolliert wird

#LangbesserlebigkeitDu bist Ü40 oder nahe dran? Dann unbedingt hier meinen „100-Jahre-Plan“ gratis abrufen.

Situationsbericht

Seit Montag, dem 1. Juni, hatte Panama die wochenlange Ausgangssperre gelockert und man konnte endlich wieder ganztägig zu zweit im Auto spazieren fahren oder Wege erledigen. Zwischen den Provinzen sollten allerdings sanitäre Kontrollpunkte bestehen bleiben.

Sanitärkontrolle

Das mussten wir ausprobieren. Also machen wir uns am Dienstag auf den Weg in Richtung Panama City und wollten unseren bevorzugten Supermarkt besuchen: Riba Smith oder Rübenschmidt, wie ich ihn liebevoll ins Deutsche übersetze. Gibt genug Supermärkte, die nicht 80 km entfernt sind, aber es gibt dort eine große Auswahl an besseren Produkten.

In unsere Richtung ist freie Fahrt, Richtung heimwärts mehr Verkehr, aber das hatte sich dann aufgelöst. Vor dem Supermarkt ca. 20 Personen, mit Abstand und Maske natürlich. Am Eingang Temperaturmessung, Desinfektionsmatte und Alkoholgel, nur für die Hände. Es geht trotzdem zügig vorwärts, alles eingekauft und in Ruhe nach Hause gefahren.

Antizyklisches Fahren

Ende des Jahres werden wir einen großen Rübenschmidt auch in Coronado haben, also nur noch 30 Minuten von Zuhause entfernt.

Unterwegs besuchen wir noch Freunde in Chame und es gibt fast nur ein Thema.

Weil es so schön war und weil schönes Wetter ist, machen wir die gleiche Tour nochmal am Donnerstag. Gibt nicht mehr viel einzukaufen, nach nur 2 Tagen, und wir fahren für ein schnelles Mittagessen bei NacionSushi vorbei, mit hervorragender asiatischer Küche und viel Auswahl. Alle Restauants sind in dieser Phase, dem Bloque 2, noch geschlossen, bieten aber Abholung und Hauslieferung an. Wir bekommen am Eingang die normale und sehr umfangreiche Karte, wählen und bestellen. Dann werden im Auto die Vordersitze ganz nach vorn gefahren, Musik eingestellt, auf den Hintersitzen die Mittelkonsole als Tisch heruntergeklappt und nach zehn Minuten kommt der Anruf in Whatsapp: Essen fertig. Wir haben Salat und Sashimi bestellt und alles schmeckt sehr gut. Allerdings haben wir den sonst obligatorischen Wein vergessen.

Wir fahren zurück und hoffen, dass auch heute der Stau in unserer Richtung sich aufgelöst oder zumindest verkleinert hat. Falsch.

Mittendrin statt nur dabei

Nach 10 Minuten freier Fahrt sind wir schon am Stauende angekommen und 4 (vier) Stunden später erreichen wir den 10 km entfernten Kontrollpunkt. Die Kontrolle besteht aus „wohin?“ und einem lässigen Winken, weiterzufahren. Vielen Dank, das war es wirklich wert. Ausser uns stehen Tausende Fahrzeuge im Stau, überwiegend schwer beladene LKW und Service-Trucks, die sicher Besseres zu tun hätten.

Wenn ich anfangs für die strengen Maßnahmen noch viel Verständnis hatte, lässt das jetzt deutlich nach. Dazu kommt, dass seit fast zwei Wochen die Fallzahlen nicht nachvollziehbar ansteigen. Von durchschnittlich 120 pro Tag und über Wochen, sind es auf einmal 250 und das dann jeden Tag. Inzwischen sind es ebenso sprunghaft um die 500 geworden. Damit kann man keine seriöse Statistik betreiben und ich habe dafür auch keine halbwegs plausible Erklärung gefunden.

Gestern abend hat nun die Gesundheitsministerin verkündet, dass in 2 Schwerpunktprovinzen die Ausgangssperre ab Montag wieder verschärft wird. Es betrifft die Hauptstadtregion Panama selbst und Panama Oeste.

Quelle: wikipedia.org

Wir selbst in der Provinz Cocle behalten unsere Freizügigkeit. Die 3-ha-Salzwasser-Lagune im Ressort und die Pools der Apartmenthäuser gehen wieder in Betrieb.

Einkaufen in Costa Verde wird eher ausfallen, was uns nach der Erfahrung am Donnerstag derzeit nicht fehlen wird. Coronado, das 30 Minuten ostwärts, also in Richtung Feuerland, gelegene Unterzentrum mit 4 großen Supermärkten, gehört zu Panama Oeste (West). Wir werden für besondere Fälle also nach Penonome ausweichen, das Zentrum der Provinz Cocle und 30 Minuten westwärts gelegen, also Richtung Alaska.

Du bist Ü40 oder nahe dran? Dann unbedingt hier meinen „100-Jahre-Plan“ gratis downloaden.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Die Coronastatistik Panama sieht vernünftig aus und es gibt einen Plan zur Wiedereröffnung des Landes. Die Etappen sind bis auf eine noch nicht terminiert und man kann nur hoffen, dass diese schüchternen ersten Schritte nicht gleich zu einer Verschlechterung und damit zum Zurückrudern führen.

Gestern wurde ja ein wichtiger erster Schritt gemacht: es darf wieder Alkohol gekauft werden. Neues Wort: Ich gehe alkoholen©

In einigen Regionen machen die Bürgermeister nicht mit und bleiben beim sog. Trockengesetz, was einige unserer Freunde, die in und um Coronado wohnen, dann auch weiter auf dem Trockenen sitzen lässt. Tut mir echt leid, aber besser ihr als wir.

In unserer Provinz sind die betreffenden Supermarktregale wieder frei und man kann nach Herzenslust auswählen, alles da. Allerdings darf man nur ein Sixpack oder eine Flasche von was auch immer kaufen. Zum Glück haben wir jeden Tag zwei Stunden Einkaufszeit und da kann schon mal mehr als ein Laden aufgesucht werden.

Im Sinne der Nichtverbreitung des Virus ist diese Mengenbeschränkung allerdings reines Gift. Wir hatten beschlossen, nur einmal pro Woche einzukaufen und damit die potentiellen Virenquellen, Supermarkt und seine Besucher, weitgehend zu meiden.

Die nun ausgesprochene Alkoholeinkaufsmengenlimitierung (AEKML) macht unsere Vorbildliche Virenvermeidungsstrategie (VVVMS) nun schlagartig obsolet, denn natürlich muss jetzt jeden Tag Alkohol eingekauft und die Vorräte wieder aufgefüllt werden. Ob die Strategen im Gesundheitsminsterium das bedacht haben? Mit unerwünschten Nebenwirkungen sollte man sich dort doch auskennen.

Beim Schlangestehen vor dem Supermarkt stolperte ich auf Twitter über einen Link zu Spiegel Online, den ich seit ca. 15 Jahren nicht mehr freiwillig lese. Der Artikel setzte sich irgendwie kritisch mit F4F auseinander, glaube ich. Mir reichte schon die Einleitung:

Quelle: spiegel.de

Einleitend entschuldigt sich der Herr Blome gleich mal. Also in etwa: „ich werde jetzt was gegen die Klimahysterie sagen, aber ich möchte trotzdem einer von den Guten bleiben.“

Übrigens gibt es ja inzwischen auch schon Coronaleugner. Wirklich schlimm da drüben.

Dann kommt es knallhart:

  1. Erderwärmung ist ein Fakt.
  2. menschengemacht

Ich glaube das schon mal fast genau so von Frau Dr. Merkel gehört zu haben – was es nicht besser macht.

Das Bild zeigt 4.540 Jahre globale Temperaturentwicklung. Muss man das kommentieren? Haben Journalisten, wie Herr Blohme, die jeden Quatsch nachplappern, in ihrer Schulzeit auch pausenlos für oder gegen irgend etwas protestiert, statt Unterricht?

Es gibt außer den historischen Aufzeichnungen (s.o.) inzwischen unzählige wissenschaftliche Arbeiten aus neuerer Zeit, die gravierende Fehler der bisherigen Klimamodelle aufzeigen und deren Erkenntnisse in die nächste Modellgeneration einfließen werden. Die EU muss sich deshalb beeilen, ihren Green Deal noch rechtzeitig unter Dach und Fach zu bekommen.

Man kann nur hoffen, dass die Coronakrise die dafür geplanten Mittel aufbraucht.

Schwarzer Freitag

Sehr geehrter Herr Präsident Cortizo.

Als ein Resident, der seit mehr als 11 Jahren gut und gern in Panama lebt, verfolge ich mit großem Interesse den Umgang Ihrer Regierung mit dieser durch den Covid-19-Virus ausgelösten Krise.

Das frühzeitige Agieren, der Einsatz des medizinischen Personals in den Hospitälern und der Sicherheitsorgane auf den Straßen, die tägliche Information der Öffentlichkeit per Videokonferenz und über soziale Medien, die Stundung von Bankverbindlichkeiten – all das ist respektabel. Die Ergebnisse bleiben auch nicht aus und bestätigen die Wirksamkeit der Maßnahmen. Gut gemacht.

Folgerichtig wurden in dieser Woche die ersten Lockerungen des Quarantäneregimes angekündigt. Erster Schritt sollte die Wiederaufnahme des Verkaufs von Alkohol am heutigen Freitag sein und natürlich haben das viele Menschen als ersten Schritt auf dem Weg zur Normalisierung verstanden und begrüßt. Möglicherweise wäre die Freigabe der Strände besser gewesen, aber es muss ja auch an die Staatsfinanzen gedacht werden.

Gestern nun wurde bekannt, dass ein Verband der Bürgermeister des Landes Einspruch gegen das Ende der Prohibition eingelegt hat – und genau da beginnt das Problem.

Die epidemologisch/gesundheitspolitische Situation kann nicht mehr als Begründung von Maßnahmen herangezogen werden, die die persönliche Freiheit erheblich eingeschränkt haben und von den Bürgern über Wochen diszipliniert befolgt worden sind. Stattdessen greifen nun nicht legitimierte Personen ein, um in ihrem Rechtsraum auch ohne gesetzliche Grundlage willkürliche Einschränkungen durchzusetzen.

Leider hat die Präsidentschaft daraufhin ihre Cojones verloren und „vergessen“, ein Dekret herauszugeben,, so dass die für heute angekündigte Erleichterung „leider“ nicht in Kraft treten konnte.

Das, Herr Präsident, war kein Zeichen von Stärke.

Seit Beginn der Quarantäne vor 6 Wochen gibt es viele Stimmen, insbesondere auch unter Expats, die meinen, dass Panama mit diesen drastischen Maßnahmen zum Polizeistaat mutiert ist, kein Ziel mehr für Immigration und Investition. Diese Meinung teile ich ausdrücklich nicht, aber der jetzt eingeschlagene Kurs wird solche Argumentation bestärken.

Das Problem hat noch eine Facette: In meinem Blog für deutschsprachige Panama-Interessenten beschreibe ich das panamesische Volk stets als im guten Sinn katholisch, familienfreundlich und gutmütig.

Der Begründung der Bürgermeister muss ich nun aber entnehmen, dass hiesige Ehemänner unter Einfluss von Alkohol dazu neigen, ihre Frauen zu verprügeln und schon deswegen die Abgabe alkoholischer Getränke eingeschränkt sein sollte.

Wirklich? Ist dies das Bild, das die Welt von Panama haben soll?

Ich glaube nicht.

Viel Erfolg bei der baldigen Rückkehr zur Normalität.

besserpanama.com

Panama am 30. März 2020

Mit erfreulicher Regelmäßigkeit unterbieten die offiziellen Zahlen meine auf dem bisherigen Verlauf basierenden Projektionen. Für heute hatte ich 1.086 Infektionsfälle erwartet und bin wieder unterboten worden.

Quelle: panamaamerica.com.pa

Wir sind jetzt bei einem täglichen Anstieg von unter 10% angekommen und das innerhalb relativ kurzer Zeit, was eine Verdoppelung der Fallzahlen alle 7 Tage bedeuten würde. Aber ich gehe mal davon aus, dass zwar langsam, aber stetig die Zunahme weiter gedrosselt werden kann.

Ein Blick in die Tagespresse und die Twitter-Aktivitäten von Regierung und Polizei zeigt, dass es eine Anzahl Verstöße gegen das Ausgangsverbot und vereinzelt auch Einbrüche in Minisuper gibt. Alles im Rahmen bisher.

Mal ganz ehrlich: wir selbst, unsere Familie und Freunde fragen sich natürlich, ob man eine solche Krise nicht besser „zu Hause“ in Deutschland verbringt. Möglichkeiten der Heimreise gab es ausreichend.

Andererseits betrachten wir dieses Land nun schon im zwölften Jahr als unsere neue Heimat. Da reißt man nicht einfach bei der ersten Krise aus, sondern hat über die Zeit auch ein Grundvertrauen in die Menschen, das Gesundheitssystem und die staatliche Verwaltung gewonnen. Und das entspricht bisher unseren Erwartungen.

Wer also Panama als Auswanderunsgziel auf dem Radar hatte, muss nicht neu planen. Ich bin sicher, dass das Land diese Krise gut überstehen und mit noch mehr Selbstvertrauen daraus hervorgehen wird.

Breaking news: Ab 1.4. weitere Verschärfung der Quarantäne, wobei Frauen am Montag, Mittwoch und Freitag, Männer am Dienstag, Donnerstag und Samstag zum Einkaufen gehen dürfen. Sonntags darf niemand auf die Straße.

Eigentlich müsste entlastend das Alkoholverbot gelockert werden …

%d Bloggern gefällt das: