Unerwünschte Nebenwirkungen

Die Coronastatistik Panama sieht vernünftig aus und es gibt einen Plan zur Wiedereröffnung des Landes. Die Etappen sind bis auf eine noch nicht terminiert und man kann nur hoffen, dass diese schüchternen ersten Schritte nicht gleich zu einer Verschlechterung und damit zum Zurückrudern führen.

Gestern wurde ja ein wichtiger erster Schritt gemacht: es darf wieder Alkohol gekauft werden. Neues Wort: Ich gehe alkoholen©

In einigen Regionen machen die Bürgermeister nicht mit und bleiben beim sog. Trockengesetz, was einige unserer Freunde, die in und um Coronado wohnen, dann auch weiter auf dem Trockenen sitzen lässt. Tut mir echt leid, aber besser ihr als wir.

In unserer Provinz sind die betreffenden Supermarktregale wieder frei und man kann nach Herzenslust auswählen, alles da. Allerdings darf man nur ein Sixpack oder eine Flasche von was auch immer kaufen. Zum Glück haben wir jeden Tag zwei Stunden Einkaufszeit und da kann schon mal mehr als ein Laden aufgesucht werden.

Im Sinne der Nichtverbreitung des Virus ist diese Mengenbeschränkung allerdings reines Gift. Wir hatten beschlossen, nur einmal pro Woche einzukaufen und damit die potentiellen Virenquellen, Supermarkt und seine Besucher, weitgehend zu meiden.

Die nun ausgesprochene Alkoholeinkaufsmengenlimitierung (AEKML) macht unsere Vorbildliche Virenvermeidungsstrategie (VVVMS) nun schlagartig obsolet, denn natürlich muss jetzt jeden Tag Alkohol eingekauft und die Vorräte wieder aufgefüllt werden. Ob die Strategen im Gesundheitsminsterium das bedacht haben? Mit unerwünschten Nebenwirkungen sollte man sich dort doch auskennen.

Beim Schlangestehen vor dem Supermarkt stolperte ich auf Twitter über einen Link zu Spiegel Online, den ich seit ca. 15 Jahren nicht mehr freiwillig lese. Der Artikel setzte sich irgendwie kritisch mit F4F auseinander, glaube ich. Mir reichte schon die Einleitung:

Quelle: spiegel.de

Einleitend entschuldigt sich der Herr Blome gleich mal. Also in etwa: „ich werde jetzt was gegen die Klimahysterie sagen, aber ich möchte trotzdem einer von den Guten bleiben.“

Übrigens gibt es ja inzwischen auch schon Coronaleugner. Wirklich schlimm da drüben.

Dann kommt es knallhart:

  1. Erderwärmung ist ein Fakt.
  2. menschengemacht

Ich glaube das schon mal fast genau so von Frau Dr. Merkel gehört zu haben – was es nicht besser macht.

Das Bild zeigt 4.540 Jahre globale Temperaturentwicklung. Muss man das kommentieren? Haben Journalisten, wie Herr Blohme, die jeden Quatsch nachplappern, in ihrer Schulzeit auch pausenlos für oder gegen irgend etwas protestiert, statt Unterricht?

Es gibt außer den historischen Aufzeichnungen (s.o.) inzwischen unzählige wissenschaftliche Arbeiten aus neuerer Zeit, die gravierende Fehler der bisherigen Klimamodelle aufzeigen und deren Erkenntnisse in die nächste Modellgeneration einfließen werden. Die EU muss sich deshalb beeilen, ihren Green Deal noch rechtzeitig unter Dach und Fach zu bekommen.

Man kann nur hoffen, dass die Coronakrise die dafür geplanten Mittel aufbraucht.

Schwarzer Freitag

Sehr geehrter Herr Präsident Cortizo.

Als ein Resident, der seit mehr als 11 Jahren gut und gern in Panama lebt, verfolge ich mit großem Interesse den Umgang Ihrer Regierung mit dieser durch den Covid-19-Virus ausgelösten Krise.

Das frühzeitige Agieren, der Einsatz des medizinischen Personals in den Hospitälern und der Sicherheitsorgane auf den Straßen, die tägliche Information der Öffentlichkeit per Videokonferenz und über soziale Medien, die Stundung von Bankverbindlichkeiten – all das ist respektabel. Die Ergebnisse bleiben auch nicht aus und bestätigen die Wirksamkeit der Maßnahmen. Gut gemacht.

Folgerichtig wurden in dieser Woche die ersten Lockerungen des Quarantäneregimes angekündigt. Erster Schritt sollte die Wiederaufnahme des Verkaufs von Alkohol am heutigen Freitag sein und natürlich haben das viele Menschen als ersten Schritt auf dem Weg zur Normalisierung verstanden und begrüßt. Möglicherweise wäre die Freigabe der Strände besser gewesen, aber es muss ja auch an die Staatsfinanzen gedacht werden.

Gestern nun wurde bekannt, dass ein Verband der Bürgermeister des Landes Einspruch gegen das Ende der Prohibition eingelegt hat – und genau da beginnt das Problem.

Die epidemologisch/gesundheitspolitische Situation kann nicht mehr als Begründung von Maßnahmen herangezogen werden, die die persönliche Freiheit erheblich eingeschränkt haben und von den Bürgern über Wochen diszipliniert befolgt worden sind. Stattdessen greifen nun nicht legitimierte Personen ein, um in ihrem Rechtsraum auch ohne gesetzliche Grundlage willkürliche Einschränkungen durchzusetzen.

Leider hat die Präsidentschaft daraufhin ihre Cojones verloren und „vergessen“, ein Dekret herauszugeben,, so dass die für heute angekündigte Erleichterung „leider“ nicht in Kraft treten konnte.

Das, Herr Präsident, war kein Zeichen von Stärke.

Seit Beginn der Quarantäne vor 6 Wochen gibt es viele Stimmen, insbesondere auch unter Expats, die meinen, dass Panama mit diesen drastischen Maßnahmen zum Polizeistaat mutiert ist, kein Ziel mehr für Immigration und Investition. Diese Meinung teile ich ausdrücklich nicht, aber der jetzt eingeschlagene Kurs wird solche Argumentation bestärken.

Das Problem hat noch eine Facette: In meinem Blog für deutschsprachige Panama-Interessenten beschreibe ich das panamesische Volk stets als im guten Sinn katholisch, familienfreundlich und gutmütig.

Der Begründung der Bürgermeister muss ich nun aber entnehmen, dass hiesige Ehemänner unter Einfluss von Alkohol dazu neigen, ihre Frauen zu verprügeln und schon deswegen die Abgabe alkoholischer Getränke eingeschränkt sein sollte.

Wirklich? Ist dies das Bild, das die Welt von Panama haben soll?

Ich glaube nicht.

Viel Erfolg bei der baldigen Rückkehr zur Normalität.

besserpanama.com

Panama am 30. März 2020

Mit erfreulicher Regelmäßigkeit unterbieten die offiziellen Zahlen meine auf dem bisherigen Verlauf basierenden Projektionen. Für heute hatte ich 1.086 Infektionsfälle erwartet und bin wieder unterboten worden.

Quelle: panamaamerica.com.pa

Wir sind jetzt bei einem täglichen Anstieg von unter 10% angekommen und das innerhalb relativ kurzer Zeit, was eine Verdoppelung der Fallzahlen alle 7 Tage bedeuten würde. Aber ich gehe mal davon aus, dass zwar langsam, aber stetig die Zunahme weiter gedrosselt werden kann.

Ein Blick in die Tagespresse und die Twitter-Aktivitäten von Regierung und Polizei zeigt, dass es eine Anzahl Verstöße gegen das Ausgangsverbot und vereinzelt auch Einbrüche in Minisuper gibt. Alles im Rahmen bisher.

Mal ganz ehrlich: wir selbst, unsere Familie und Freunde fragen sich natürlich, ob man eine solche Krise nicht besser „zu Hause“ in Deutschland verbringt. Möglichkeiten der Heimreise gab es ausreichend.

Andererseits betrachten wir dieses Land nun schon im zwölften Jahr als unsere neue Heimat. Da reißt man nicht einfach bei der ersten Krise aus, sondern hat über die Zeit auch ein Grundvertrauen in die Menschen, das Gesundheitssystem und die staatliche Verwaltung gewonnen. Und das entspricht bisher unseren Erwartungen.

Wer also Panama als Auswanderunsgziel auf dem Radar hatte, muss nicht neu planen. Ich bin sicher, dass das Land diese Krise gut überstehen und mit noch mehr Selbstvertrauen daraus hervorgehen wird.

Breaking news: Ab 1.4. weitere Verschärfung der Quarantäne, wobei Frauen am Montag, Mittwoch und Freitag, Männer am Dienstag, Donnerstag und Samstag zum Einkaufen gehen dürfen. Sonntags darf niemand auf die Straße.

Eigentlich müsste entlastend das Alkoholverbot gelockert werden …

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