High Noon

Es ist der erste Weihnachtsfeiertag, gegen Mittag, und wir haben soeben vom Aussichtspunkt Am Tannenwäldchen auf Erfurt geschaut.

Als ich mit dem Auto rückwärts vom Parkplatz auf die Strasse rolle, hupt es laut.

Ein anderer Wagen ist auf der Seebachstrasse bergauf gekommen und die Hauptstrasse biegt da rechts ab. Genau an der Parkplatzausfahrt vorbei, wo ich gerade im Weg bin.

Da stehen sich nun zwei schwarze Mercedes mitten auf der Kreuzung seitlich gegenüber, die Fenster surren nach unten und …

„Frohe Weihnachten“ ruft der, der eben noch lautstark gehupt hat.

„Frohe Weihnachten“ rufe und winke ich zurück. Wir müssen beide laut lachen, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen.

Wenn es doch im deutschen Strassenverkehr immer so entspannt zugehen würde …

Verkehrsrecht wird immer besser – in Deutschland

Das Leben kann so einfach sein. Wenn ich hier per Laserpistole gemessen werden, habe ich genau zwei Möglichkeiten:

Ein Ticket kriegen und bezahlen oder mit dem Polizisten ein nettes Gespräch haben und nichts bis wenig zahlen, ohne Ticket. In Deutschland bekommt man da eine Zahlungsaufforderung mit Fotobeweis. Rechtsschutz vorausgesetzt kann man einen Anwalt dagegen vorgehen lassen, vor Gericht ziehen und ist damit immer mal wieder auch erfolgreich.

Als ob das nicht kompliziert genug wäre, gibt es öfter mal was Neues:

Wenn einem ein Verkehrsverstoß zur Last gelegt wird, man aber kurz vorher erst an das Steuer gewechselt ist, muss man die aktuelle Situation, wie Geschwindigkeitsbegrenzung oder Überholverbot, überhaupt nicht gekannt haben.

Für den abgelösten Fahrer besteht keine Pflicht, das zu kommunizieren. („Ich sag nix, fahr‘ dich doch ruhig tot.“)

Auch wenn das jetzt vielen Fahrern helfen wird, ist es legalisierter Schwachsinn.

Heute kam es dann noch besser: Es besteht ja ein striktes Handyverbot am Lenkrad. Wenn man nun aber gerade an der Ampel steht und eine vorhandene Start-Stopp-Schaltung den Motor kurzzeitig ausgeschaltet hat, darf in genau diesem Moment auch telefoniert werden. Was für eine verbraucherfreundliche Regelung.

Wenn sich ein Kabarettist diese beiden Beispiele ausgedacht und auf der Bühne präsentiert hätte, hätte niemand gelacht, weil es so an den Haaren herbeigezogen erscheint. Wir sehen also, dass deutsche Gerichte manchmal mehr Humor haben als man erwartet.

P.S. Vor einiger Zeit hatte ich mich in diesem Blog über die Umweltzonen in Städten amüsiert. Jetzt ist es amtlich: Umweltzonen haben keinerlei Effekt. Der ganze Aufwand ist völlig umsonst gewesen.

Immerhin noch ein besseres Ergebnis als die sog. Energiewende, denn die hat sich trotz Milliardeneinsatz nicht neutral ausgewirkt, sondern zur Erhöhung des CO2-Ausstoßes geführt. Das Gegenteil war eigentlich das Ziel, glaube ich.

Egal, mehr CO2 ist gut für den deutschen Wald.

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Globaler Knotenpunkt Panama

Diese Google-Earth-Perspektive von Panama City zeigt den wahrscheinlich wichtigsten Knotenpunkt der Welt:

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Türkis ist der Panamakanal, der Atlantik und Pazifik verbindet und derzeit mit zusätzlichen breiteren Schleusen auf doppelte Kapazität erweitert wird

Rot ist die Panamericana, eine Straßenverbindung durch ganz Nord- und Südamerika

Grün sind wichtige Breitbandkabel, die in Panama zusammenlaufen

Weiß ist der Panama Canal Railway, die Eisenbahn, die vor dem Kanal fertig war

Gelb ist der Anflug auf RWY36 des Flughafens Marcos A. Gelabert. (MPMG)

Grau ist die Kanaltour, die Airliner gern nehmen, wenn sie Tocumen International Airport anfliegen, 10 km von hier.

Das blaue Feld ist der Puerto Balboa, ein geschäftiger Containerumschlagplatz an der Kanaleinfahrt.

Nicht markiert ganz unten links schließt sich die Sonderwirtschaftszone Panama Pacifico an, wieder mit eigenem Flugplatz.

Demnächst wir eine Schnellbahn von der City über den Kanal in Richtung westliche Vororte führen, um die Zufahrt zur Stadt während der Hauptverkehrszeit zu entlasten.

70 km nördlich, an der Atlantik-Einfahrt des Kanals liegt die Colon Free Zone, nach Hongkong der zweitgrößte Freihafen der Welt.

Noch Fragen, warum wir hier seit Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum von fast 10% haben?

Panama von oben …

Panama ist knapp 700 km lang und hat nur eine durchgehende Straßenverbindung, die Panamericana. Der Expressbus aus der Hauptstadt Panama City braucht bis in das westliche Zentrum David 7 Stunden. Zwischen den Küsten gibt es faktisch nur 2 nutzbare Verbindungsstraßen.

Kein Wunder, dass das Flugzeug in Panama eine große Rolle als Verkehrsmittel spielt: Von Panama City aus führen regelmäßige Verbindungen nach David, nach Bocas del Toro an der westlichen und nach El Provenir an der östlichen Karibikküste. Ebenso wird Contadora im Las Perlas Archipel im Golf von Panama regelmäßig angeflogen.

Insgesamt gibt es derzeit 55 asphaltierte und 63 unbefestigte Landepisten. Am hauptstädtischen Flugplatz Marcos. A. Gelabert (MPMG) herrscht reger Betrieb. Neben der Inlandsfluggesellschaft Air Panama ist hier der Großteil der General Aviation, der Allgemeinen Luftfahrt beheimatet. Business Jets, kleinere Turbopropmaschinen, die Masse der 4- und 6-sitzigen Flugzeuge mit ein oder 2 Triebwerken, Hubschrauber jeder Größe und auch 2-sitzige Sportmaschinen, wie ich eine habe.

Der Anflug auf MPMG führt führt meist vom Pazifik her über die Kanaleinfahrt mit Ausblick auf die Wolkenkratzer der City. Als ich gestern nach Jahresdurchsicht von MPMG abflog, entstand gegen 16 Uhr dieses Bild:

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Kurz zuvor war der Chef der Wartungsfirma mit seiner neuerworbenen Cessna Citation, einem 6-sitzigen Jet gelandet.

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Der Rückflug gen Westen ließ die Landschaft in einem speziellen Licht erscheinen.

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Und natürlich musste ich die Gelegenheit nutzen, den Baufortschritt am neuen International Airport Rio Hato zu dokumentieren. Am gleichen Tag wurde die Tunnelröhre unter der Landebahn in Richtung Westen geöffnet, in wenigen Tagen wird auch die Gegenrichtung unter die Erde verlegt sein, der Runway komplettiert. In spätestens 6 Monaten werden hier Charterflieger landen und ganzjährig Urlauber aus Nord- und Südamerika in die Strandresorts am Pazifik bringen.

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Ich drehe auf Gegenkurs und lande 15 Minuten später in Chame, wo die HP-1708 in einem Hangar untergebracht ist.

Vollgas im Panama-Kanal

OK, nur ein  kurzes Stück, dafür aber teilweise selbst gesteuert.

Wir sind auf Einladung unserer Freunde Gerald und Kiki heute in die City gefahren und treffen uns bei Motores Britannicos, einer Firma, die Vertriebs- und Reparturpartner für die Seadoo-Palette ist.

ATV, Jetski und Boote mit Jetantrieb. Auf uns wartet ein Seadoo 230 SE, ein über 7 Meter langes Boot für bis zu 12 Personen, zwei Maschinen und 430 PS Antriebsleistung.

www.seadoo.com

Der Betrieb liegt am Panamakanal, zwischen dem Containerhafen Balboa und der Miraflores-Schleuse. Das Boot steht auf dem Trailer und wir fahren zur Diablo-Rampe, die nur einige Minuten entfernt ist.

Als wir das Boot zu Wasser lassen, taucht vor uns im Kanal die ZIM Beijing auf, ein riesiges vollbeladenes Containerschiff, das soeben die Miraflores-Schleuse passiert und den Pazifik erreicht hat.

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Wir lassen ihr Vorfahrt, drehen noch eine Weile vor der Rampe und warten auch noch ab, bis der Lotse von Bord geht und mit dem Lotsenboot davonfährt.

Jetzt ist es soweit. Gas geben und hinter dem Dampfer her in Richtung der Puente de Las Americas. Wir holen auf, sind gemeinsam unter der Brücke und dann fahren wir davon.

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Über diese Brücke sind wir schon oft gefahren, selbst geflogen und heute auch am Steuer eines schnellen Bootes durchgefahren. Phantastisch.

Nachdem wir die „Beijing“ hinter uns haben geht es mit fast voller Fahrt in der Fahrrinne des Kanals nach Süden. Dieses Boot schafft über 50 Knoten, was ich aber selbst nicht ausprobieren will, als Anfänger. Stattdessen ein paar Manöver, Kurvenfahren, volle Drehung und Abbremsen aus voller Fahrt. Sehr gut zu handhaben.

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Inzwischen ist das Containerschiff an uns vorbei und nimmt wohl Kurs auf Asien. Wir fahren zurück, die Vorstellung des Seadoo 230 ist beendet und hat uns sehr gut gefallen.

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Wir haben noch eine Menge Fragen und bekommen sachkundige Auskunft. Vielen Dank an Jan und Stefan, und natürlich an unsere beiden Freunde.

New York Times setzt Panama auf Platz 1

Plätze die man in 2012 besuchen muss – die New York Times empfiehlt an erster Stelle Panama.

Das im Oktober 2011 ratifizierte Freihandelsabkommen wird die ohnehin guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Panama weiter verbessern, den Zustrom von Menschen und Investitionen in  das kleine, aufstrebende Land befördern.

Die NYT nennt den Kanal als Hauptziel, der ja derzeit noch im Originalzustand ist, bis 2014 wesentlich erweitert sein wird.

http://www.youtube.com/watch?v=qO75qnN7nxg

Neben dieser Multimilliarden-Investition gibt es weitere bemerkenswerte Meilensteine. So die Ansiedlung großer Hotelketten: Trump hat sein erstes Haus in Mittelamerika hier eröffnet, ein Sheraton steht neuerdings nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch 100 km entfernt am Pazifikstrand.  Das erste Waldorf Astoria in Lateinamerika eröffnet im Juli 2012. In 2013 öffnet ein naturwissenschaftliches Museum, designed von Paul Gehry und im gleichen Jahr nimmt ein neuer internationaler Flughafen, 110 km von Panama City entfernt, den Betrieb auf. In der Hauptstadt wird derzeit parallel an einer U-Bahn und einem Hochstraßensystem gearbeitet.

Und wie kommt man eigentlich von Deutschland nach Panama? Reine Flugzeit um die 11 oder 12 Stunden, mehrere Möglichkeiten:

Condor fliegt mehrmals pro Woche von Frankfurt, mit einer Stunde Zwischenstop in Santo Domingo oder San Jose, Costa Rica.

KLM mehrmals pro Woche direkt von Amsterdam, mit Zubringer von Frankfurt.

United/Continental täglich via Newark/USA, sowie weitere Verbindungen über Atlanta, Chicago, Miami, Houston etc.

Über Madrid mit Iberia ist eine weitere Möglichkeit.

Autoverkehr in Panama

Kaum ist 2011 vorbei, erhalten wir endlich unser 2011er Kennzeichen. Gültig noch bis März und dann gibt es das von 2012, möglicherweise.

Das System funktioniert wohl wie folgt: Jedes zugelassene Auto muss jedes Jahr zu einer Inspektion und erhält dann ein neues Schild, gleiche Registriernummer. Unser Toyota FJ Cruiser wurde im Februar 2009 erstmals zugelassen. Mit der schicken Registrierung 855999.

855999

Autokennzeichen in Panama

In 2010 wussten wir noch nicht ob und was zu tun. Kein Problem, in 2010 gab es aus logistischen Gründen auch keine Schilder. So begannen wir uns im Sommer 2011 zu kümmern. Die Inspektion reduzierte sich auf ein Foto, was eigentlich ganz clever ist. So muss das Fahrzeug vorgeführt werden und auf dem Foto sieht man zumindest den groben Zustand.

Es dauerte mehr als 6 Monate und jeweils zeitlich befristete Verlängerungen der Registrierung, bis wir heute das neue Schild in Empfang nahmen.  Grund sich aufzuregen? No, it’s Panama.

Die Autoflotte ist bunt gemischt. Alt und neu, klein und groß, Japaner, Amis, Deutsche. Überwiegend SUV und Pickup. Ein Graus für umweltbesorgte Deutsche, nicht für uns. Der FJ Cruiser bringt uns mit 6 Zylindermaschine, 240 PS und Geländeuntersetzung auf  jeden Berg und an jeden Strand. Und viele schleppen am Wochenende Hänger mit ATV, Boot oder Jetski hinter sich her. Panama – ein Freizeitparadies.

Der Fahrstil ist im allgemeinen verhalten, aber eben südländisch. Du kannst dir alles erlauben, musst aber auch mit allem rechnen. Die meisten Unfälle sind wohl eher dem technischen Zustand der Fahrzeuge und den Fähigkeiten der Fahrer als dem Rasen zuzuordnen. Wenn man auf der Panamericana von einem tropischern Regen überrascht wird, ist es nur Sache von Minuten, bis man das erste Fahrzeug im Graben sieht. Zuverlässig.

Um zur Stoßzeit in der City aus einer Nebenstraße auf die mehrspurig vollbesetzte Hauptstraße zu kommen, gibt es eine einfache Verfahrensweise:  Ganz langsam in die Hauptstraße reinbewegen, bis man dich reinlässt. Funktioniert.

Wir sind bisher bei 60.000 km ohne Unfall oder andere Ausfälle über die Runden gekommen. Bleibt hoffentlich so.

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