Energie – Segen und Fluch

Es sind nicht die großen Öltanker, die den Panamakanal in Richtung Asien passieren, aber seit Eröffnung der neuen Schleusen kann man immer wieder die gewaltigen LNG-Tanker beobachten. Manchmal scheinen sie überdimensionale Ostereier zu befördern. In jedem Fall sorgt ihr Inhalt dafür, dass in Asien nicht die Lichter ausgehen, die Autos stehenbleiben, die Montagebänder anhalten und die Chipfabriken ihre Belegschaft nach Hause schicken.

Quelle: ACP

Gerade eben, in diesem Monat, ist die US-Erdölindustrie entlang der Golfküste zum Netto-Exporteur geworden. Gerade dort wird ja nicht nur texanischen Rohöl verschifft, sondern auch Rohöl aus anderen Ländern in großen Raffinerien veredelt. Wer die Highways rund um Houston befährt, bekommt schnell einen Eindruck vom Umfang.

Mit dem massiven Anstieg der Fördermengen im Permian Basin in West-Texas kommt man mit dem Transport, lagern, verarbeiten und verschiffen von Rohöl, Erdgas, Kondensat sowie verarbeiteten Produkten kaum hinterher. Es braucht an allen Ecken neue Infrastruktur.

Diese Situation führt zu Problemen und so brennen seit Tagen in Deer Park, südöstlich von Houston, Tanks der Intercontinental Terminals Co.

Die Rauchwolke ist problematisch für Anwohner und zieht weit über das Land.

Quelle: houstonchronicle.com
Quelle: Google Earth

Hut ab vor den Leuten, die bei einem solchen Ereignis in der ersten Reihe stehen, das Feuer bekämpfen, die Anwohner betreuen und am Ende alles wieder aufbauen.

Panama in 2019 – oder 2019 in Panama?

Neues Jahr, neues Glück – hier ist ein kleiner Ausblick:

Der Panamakanal hat letztes Jahr seine Einnahmen um 9% gesteigert und Fitch hat das gute Rating der Betreibergesellschaft bestätigt.

Ebenso bezeichnet Fitch den Status der panamesischen Banken als stabil.

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Im Mai finden nationale Wahlen statt und jedermann scheint erleichtert, weil es unter Präsident Varela wirtschaftlich nicht so prickelnd lief. Der Ausblick für 2019 liegt jetzt bei 5%, nach 4,4% im Vorjahr.

Hunderttausende Besucher werden zur Weltjugendwoche Ende Januar erwartet, darunter der Papst. Ein Höhepunkt für die katholische Bevölkerung, ein Grund der Hauptstadt fernzubleiben für alle anderen.

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Benzin wird ab Freitag noch billiger: Alle Sorten unter 60 Cent. Und keine Fahrverbote in Sicht.

Air Europa fliegt ab Juni von Madrid mit Boeing 787 wöchentlich 5x direkt nach Panama City. Das bringt 20% mehr Kapazität auf der Europa/Panama-Strecke – gut für die Preise.

Isla Contadora bekommt eine Meerwasser-Entsalzungsanlage, was das Wasserproblem am Ende der Trockenzeit löst.

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Und dann kommen auch dieses Jahr wieder einige interessante Leute nach Panama, um es zu erkunden oder schon entschieden haben, künftig unter Palmen und weit weg von Europa leben zu wollen.

Bienvenido.

 

 

 

 

 

Panamakanal mit Rekordeinnahmen

Den Rekordbetrag von 1,7 Mrd. USD hat die Panamakanal-Behörde (ACP) für das abgelaufene Geschäftsjahr an die Staatskasse überwiesen. Nicht schlecht für ein Land mit gerade mal 4 Mio. Einwohnern.

Der Ausblick ist positiv, weil man nach Kanalerweiterung nun auf 1200 ha ein neues Logistikzentrum entwickeln will, für Trocken- und Gefriergut, Ro-Ro- und LNG-Terminal u.v.m.

Für touristische Zwecke plant man neben dem Kreuzfahrt-Terminal eine Seilbahn, die hoch über den Schleusen von Cocoli und Miraflores schweben soll, als perfekte Ergänzung zu den Ausblicken welche die Kanalbrücke #4 an der Pazifikeinfahrt in einigen Jahren bieten wird. 

Quelle: prensa.com

Momentan bereitet sich Panama auf die Weltjugendwoche inklusive Papst-Besuch Ende Januar vor und im Mai wird dann ein neuer Präsident gewählt.

Es wird spannend 

 

Ein Fluss mit Geschichte: Rio Chagres

Es sieht nicht so aus, ich hoffe aber mal, dass dieser unscheinbare Staudamm gut bewacht ist:

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Das ist der Gatun-Staudamm unweit der Atlantikschleusen des Panamakanals. Wer den Welthandel massiv beeinträchtigen will, muss nur diesen Damm zerstören. Dann läuft das Wasser aus dem Lake Gatun und der Panamakanal fällt trocken.

Das ist keine Gefahr? Nun, im 2. Weltkrieg haben die Japaner nicht umsonst schon U-Boote extra für die Zerstörung des Panamakanals entworfen und gebaut. Siehe hier.

Die Gegend hat allerdings schon viel länger strategische Bedeutung.

Im 16. Jahrhundert wurde auf Anweisung des spanischen Königs Philipp II. an der nur 10 km entfernten Mündung des Rio Chagres in das Karibische Meer eine Festung namens San Lorenzo gebaut. Von dort aus fuhren die mit Inka-Gold beladenen spanischen Galeeren heim, nachdem die Schätze über Land von der Pazifikküste beim heutigen Panama City transportiert worden waren. (Das war zuvor hier genau falsch herum beschrieben, aber mein treuer Leser und Freund Carsten von Panamafantastico hat es bemerkt. Danke.)

 

 

 

Letztlich führte das zur Idee des Panamakanal, dessen Einfahrt heute nur wenige Kilometer entfernt liegt, Atlantik und Pazifik verbindet, statt Gold nun Erz und Container, Öl und Gas, Passagiere und vieles mehr befördert.

Und beim Ausflug vom Rio Chagres weiter zum Rio Indio, entlang der Costa Abajo westlich von Colon, kroch uns dann noch dieses Faultier direkt über den Weg:

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Keine gute Idee im Schneckentempo die Straße zu überqueren.

 

 

3 Passagen in 30 Minuten

Nur mal kurz am Kanal in Gamboa vorbeischauen, so wie wir das immer mal tun. Und am Freitag hatten wir dann innerhalb von nur 30 Minuten diese Passagen:

  • ein Flüssiggas-Tanker auf dem Weg von Asien nach Hause an die Golfküste
  • ein Viermaster, als Relikt aus vergangener Zeit
  • ein Hurtigruten-Schiff, auf halbem Weg zwischen Antarktis und Arktis.

 

 

Energy Highway

Dieses Bild zeigt den LNG Tanker KITA LNG bei der Durchfahrt unter der noch im Bau befindlichen Atlantikbrücke über die Panamakanal-Einfahrt und zeigt symbolisch neue Entwicklungen im Welthandel.

Gas im Überfluss dank hydraulic fracturing und der erweiterte Panamakanal sorgen dafür, dass Asien ausreichend und bezahlbare Energie bekommt.

Die Wirtschaftsmacht Japan hat keinerlei Öl- oder Gasvorkommen, sondern ist komplett auf Importe angewiesen. Flüssiggas von der US-Golfküste vermindert die Abhängigkeit von arabischen und russischen Lieferanten.

 

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Der Tanker hat Liquified Natural Gas, auf 25 kPa komprimiert und bei -162°C, nach Japan gebracht und ist auf dem Heimweg von Oita nach Beaumont-Port Arthur, Texas.  Mit seiner Breite 44 m bei einer Länge 294,2 m passt das Schiff nur durch die neuen Schleusen und ist auch genau dafür ausgelegt.

Details zu der im Bau befindlichen Brücke habe ich hier und hier gegeben.

 

 

Panamakanal Atlantik-Einfahrt

Es ist Faschingssonntag in Panama, ein Großereignis. Seit Freitagnachmittag sind zehntausende Autos und hunderttausende Passagiere auf dem Weg westwärts, aus der Hauptstadt in die närrische Provinz, vorzugsweise um Las Tablas.  Als Faschingsmuffel bleiben wir da meist zu Hause … oder agieren gegen den Strom.

Für diesen Sonntag haben wir beschlossen, mal wieder in Richtung Colon zu fahren, den Betrieb der Agua-Clara-Schleuse und den Fortgang der Arbeiten an der Atlantikbrücke zu erkunden. Und verkehrstechnisch sollte das funktionieren, da alle immer in die andere Richtung wollen.

Sonntag früh um 9 Uhr, nach kurzem Frühstück geht es auf die Inter-Americana in Richtung Feuerland. Und es passt: die Gegenrichtung ist voll und immer wieder kommt es zu Staus, wohingegen wir freie Fahrt haben. Über die Centenario-Brücke geht es zum Corridor Norte und von dort auf die Schnellstraße nach Colon, also Richtung Norden. Und auch da ist kaum Verkehr, ganz anders als an Wochentagen.

Wir steuern direkt das Besucherzentrum der Agua-Clara-Schleuse an und sehen schon von weitem, dass da ein großer Fisch im Netz ist: die Caribbean Princess, ein Kreuzfahrtschiff mit 209 m Länge, unglaublichen 19 Decks und bis zu 3.142 Passagieren an Bord.

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Kaum hat die Prinzessin die „Badewanne“ (lies: Schleusenkammer) verlassen, wird das „Badewasser“ sogleich für den nächsten Transit genutzt. Die Ever Liberal der Evergreen Reederei liegt schon bereit und wird nun von drei Schleppern sorgfältig in die Schleuse bugsiert.

Mit knapp 335 m Länge und 46 m Breite und 8.432 TEU (20-Fuß-Container-Äquivalent) ist auch das ein Schiff, welches nur durch die neuen Schleusen passieren kann. Es ist auf dem Weg von Asien nach Savannah /Georgia an der US-Atlantikküste.

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Sieht so aus, als ob wir für unseren heutigen Besuch genau den richtigen Zeitpunkt erwischt haben. Wir verlassen das Besucherzentrum und beschließen zum Fort Sherman zu fahren, auch das eine ehemalige US-Militäreinrichtung zum Schutz des Kanals.

Unterwegs gelingt dieses Bild von einem Autotransporter, der Glovis Chorus, auf dem Weg nach Santo Domingo, bei der Durchfahrt unter der halbfertigen Atlantikbrücke. Den Baufortschritt kann man gut hier sehen, als ich diese Baustelle im August 2017 überflogen hatte.

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Auf dem Weg nach Fort Sherman müssen wir dieses Mal noch die Fähre nehmen, um die Kanaleinfahrt zu passieren. Die dortige Shelter Bay Marina (Video) ist ziemlich voll ausgelastet und wir betrachten das Treiben von der Terrasse des Restaurants „The Dock“. Die Speisekarte sieht verlockend aus und während meine Frau sich mit Fish & Chips zufrieden gibt, entscheide ich mich für Seebarsch mit reichlich Knoblauch- und Shrimpsauce, sowie das obligatorische Glas Weißwein. Superlecker.

Wir beschließen, beim nächsten Besuch eine Übernachtung zu buchen, die Gegend und die Colon Free Zone mal ausführlich zu erkunden.

Die 200 km lange Heimfahrt verläuft wiederum unspektakulär, allerdings mit einer Menge Verkehr – in der Gegenrichtung.

Ein wirklich cooler Faschingssonntag.

 

Photos (C) besserpanama.com

 

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