Ein Fluss mit Geschichte: Rio Chagres

Es sieht nicht so aus, ich hoffe aber mal, dass dieser unscheinbare Staudamm gut bewacht ist:

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Das ist der Gatun-Staudamm unweit der Atlantikschleusen des Panamakanals. Wer den Welthandel massiv beeinträchtigen will, muss nur diesen Damm zerstören. Dann läuft das Wasser aus dem Lake Gatun und der Panamakanal fällt trocken.

Das ist keine Gefahr? Nun, im 2. Weltkrieg haben die Japaner nicht umsonst schon U-Boote extra für die Zerstörung des Panamakanals entworfen und gebaut. Siehe hier.

Die Gegend hat allerdings schon viel länger strategische Bedeutung.

Im 16. Jahrhundert wurde auf Anweisung des spanischen Königs Philipp II. an der nur 10 km entfernten Mündung des Rio Chagres in das Karibische Meer eine Festung namens San Lorenzo gebaut. Von dort aus fuhren die mit Inka-Gold beladenen spanischen Galeeren heim, nachdem die Schätze über Land von der Pazifikküste beim heutigen Panama City transportiert worden waren. (Das war zuvor hier genau falsch herum beschrieben, aber mein treuer Leser und Freund Carsten von Panamafantastico hat es bemerkt. Danke.)

 

 

 

Letztlich führte das zur Idee des Panamakanal, dessen Einfahrt heute nur wenige Kilometer entfernt liegt, Atlantik und Pazifik verbindet, statt Gold nun Erz und Container, Öl und Gas, Passagiere und vieles mehr befördert.

Und beim Ausflug vom Rio Chagres weiter zum Rio Indio, entlang der Costa Abajo westlich von Colon, kroch uns dann noch dieses Faultier direkt über den Weg:

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Keine gute Idee im Schneckentempo die Straße zu überqueren.

 

 

3 Passagen in 30 Minuten

Nur mal kurz am Kanal in Gamboa vorbeischauen, so wie wir das immer mal tun. Und am Freitag hatten wir dann innerhalb von nur 30 Minuten diese Passagen:

  • ein Flüssiggas-Tanker auf dem Weg von Asien nach Hause an die Golfküste
  • ein Viermaster, als Relikt aus vergangener Zeit
  • ein Hurtigruten-Schiff, auf halbem Weg zwischen Antarktis und Arktis.

 

 

Energy Highway

Dieses Bild zeigt den LNG Tanker KITA LNG bei der Durchfahrt unter der noch im Bau befindlichen Atlantikbrücke über die Panamakanal-Einfahrt und zeigt symbolisch neue Entwicklungen im Welthandel.

Gas im Überfluss dank hydraulic fracturing und der erweiterte Panamakanal sorgen dafür, dass Asien ausreichend und bezahlbare Energie bekommt.

Die Wirtschaftsmacht Japan hat keinerlei Öl- oder Gasvorkommen, sondern ist komplett auf Importe angewiesen. Flüssiggas von der US-Golfküste vermindert die Abhängigkeit von arabischen und russischen Lieferanten.

 

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Der Tanker hat Liquified Natural Gas, auf 25 kPa komprimiert und bei -162°C, nach Japan gebracht und ist auf dem Heimweg von Oita nach Beaumont-Port Arthur, Texas.  Mit seiner Breite 44 m bei einer Länge 294,2 m passt das Schiff nur durch die neuen Schleusen und ist auch genau dafür ausgelegt.

Details zu der im Bau befindlichen Brücke habe ich hier und hier gegeben.

 

 

Panamakanal Atlantik-Einfahrt

Es ist Faschingssonntag in Panama, ein Großereignis. Seit Freitagnachmittag sind zehntausende Autos und hunderttausende Passagiere auf dem Weg westwärts, aus der Hauptstadt in die närrische Provinz, vorzugsweise um Las Tablas.  Als Faschingsmuffel bleiben wir da meist zu Hause … oder agieren gegen den Strom.

Für diesen Sonntag haben wir beschlossen, mal wieder in Richtung Colon zu fahren, den Betrieb der Agua-Clara-Schleuse und den Fortgang der Arbeiten an der Atlantikbrücke zu erkunden. Und verkehrstechnisch sollte das funktionieren, da alle immer in die andere Richtung wollen.

Sonntag früh um 9 Uhr, nach kurzem Frühstück geht es auf die Inter-Americana in Richtung Feuerland. Und es passt: die Gegenrichtung ist voll und immer wieder kommt es zu Staus, wohingegen wir freie Fahrt haben. Über die Centenario-Brücke geht es zum Corridor Norte und von dort auf die Schnellstraße nach Colon, also Richtung Norden. Und auch da ist kaum Verkehr, ganz anders als an Wochentagen.

Wir steuern direkt das Besucherzentrum der Agua-Clara-Schleuse an und sehen schon von weitem, dass da ein großer Fisch im Netz ist: die Caribbean Princess, ein Kreuzfahrtschiff mit 209 m Länge, unglaublichen 19 Decks und bis zu 3.142 Passagieren an Bord.

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Kaum hat die Prinzessin die „Badewanne“ (lies: Schleusenkammer) verlassen, wird das „Badewasser“ sogleich für den nächsten Transit genutzt. Die Ever Liberal der Evergreen Reederei liegt schon bereit und wird nun von drei Schleppern sorgfältig in die Schleuse bugsiert.

Mit knapp 335 m Länge und 46 m Breite und 8.432 TEU (20-Fuß-Container-Äquivalent) ist auch das ein Schiff, welches nur durch die neuen Schleusen passieren kann. Es ist auf dem Weg von Asien nach Savannah /Georgia an der US-Atlantikküste.

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Sieht so aus, als ob wir für unseren heutigen Besuch genau den richtigen Zeitpunkt erwischt haben. Wir verlassen das Besucherzentrum und beschließen zum Fort Sherman zu fahren, auch das eine ehemalige US-Militäreinrichtung zum Schutz des Kanals.

Unterwegs gelingt dieses Bild von einem Autotransporter, der Glovis Chorus, auf dem Weg nach Santo Domingo, bei der Durchfahrt unter der halbfertigen Atlantikbrücke. Den Baufortschritt kann man gut hier sehen, als ich diese Baustelle im August 2017 überflogen hatte.

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Auf dem Weg nach Fort Sherman müssen wir dieses Mal noch die Fähre nehmen, um die Kanaleinfahrt zu passieren. Die dortige Shelter Bay Marina (Video) ist ziemlich voll ausgelastet und wir betrachten das Treiben von der Terrasse des Restaurants „The Dock“. Die Speisekarte sieht verlockend aus und während meine Frau sich mit Fish & Chips zufrieden gibt, entscheide ich mich für Seebarsch mit reichlich Knoblauch- und Shrimpsauce, sowie das obligatorische Glas Weißwein. Superlecker.

Wir beschließen, beim nächsten Besuch eine Übernachtung zu buchen, die Gegend und die Colon Free Zone mal ausführlich zu erkunden.

Die 200 km lange Heimfahrt verläuft wiederum unspektakulär, allerdings mit einer Menge Verkehr – in der Gegenrichtung.

Ein wirklich cooler Faschingssonntag.

 

Photos (C) besserpanama.com

 

Gestern im Panamakanal …

Auf dem Rückweg aus der Hauptstadt gab es gestern gleich 2 ungewöhnliche Objekte zu beobachten: Eines davon, in der Miraflores-Schleuse und nicht zu übersehen, war die Norwegian Star, ein Kreuzfahrtschiff für bis zu 2.348 Passagiere.

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Quelle: ncl.com

In 2018 pendelt dieser Cruiser zwischen Miami und Los Angeles, via Cartagena (Kolumbien), durch den Panama Kanal, Puntarenas (Costa Rica), San Juan del Sur (Guatemala), Puerto Quetzal, Acapulco und Cabo San Lucas (alle Mexico).

Eine tolle Route mit wunderschönen Etappenorten. Dauer 14 Tage und ab nur USD 1.200 pro Person.

Nur 10 Minuten später beim Überqueren der Centenario-Brücke sichten wir ein U-Boot unterwegs in Richtung Pazifik, eingerahmt von 4 Begleitbooten. Ganz bestimmt ein nicht alltägliches Bild, aber wir hatten keine Gelegenheit zum Anhalten und Fotografieren.

Dieses Bild ist vom April 2017 und zeigt die USS Dallas, ein größeres, nuklear-angetriebenes Boot bei der Passage.

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Quelle: diaadia.com.pa

Langeweile im Tropenparadies? Nicht die Spur.

 

 

Atlantikbrücke Panamakanal

Ein weiteres bedeutendes Infrastruktur-Projekt nimmt Gestalt an: nur 3 Kilometer vor den Kanalschleusen auf der Atlantikseite entsteht gerade eine neue spektakuläre Brücke. 530 Meter Spannweite, 212 Meter hohe Pylonen und 75 Meter Durchfahrthöhe, völlig ausreichend auch für die Schiffe der Neopanamax-Klasse.

Begonnen hat die französische VINCI Gruppe im Januar 2013 und die Bauzeit war auf 3,5 Jahre veranschlagt. Ich habe sie heute, nach 4,5 Jahren, mal inspiziert:

 

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(C) 2017 Panaviacion Corp.

Wenn diese Brücke fertiggestellt ist, wird das nicht nur das Tor zum Kanal, sondern auch zu 250 km bisher völlig unerschlossene Karibikküste bis nach Bocas del Toro an der Grenze zu Costa Rica sein. Das bedeutet Ansiedlungs- und Tourismusentwicklung für die nächsten 20 Jahre und darüber hinaus.

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(C) 2017 Panaviacion Corp.

In den Bildern sieht man außer der Brückenbaustelle die Atlantikschleusen, rechts die alten, links die neuen mit ihren riesigen Wassersparbecken. Dahinter schließt sich der Lake Gatun an, der Wasserweg zum Pazifik.

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(C) 2017 Panaviacion Corp.

Und für alle Luftfahrt-Interessenten hier noch die Streckenführung:

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Screenshot Foreflight

Start war um 1335 UTC in Scarlett Martinez (MPSM), dann hoch zur Karibikküste (VUMAN als Navigationspunkt), nach Osten drehen und an der Küste entlang bis Colon, von da in Richtung Pazifik, über den Navigationspunkt SAMSU und von dort zum Flugplatz in Chame (MP24).  Beim Fliegen nach Sichtflugregeln, sind die Navigationspunkte nur zur groben Orientierung gedacht, zumal man ja gelegentlich Wolken ausweichen muss. Ab MPSM wurden diese auf 4500 ft überflogen, zur Karibik hin und ab VUMAN konnte dann auf 2500 ft weitergeflogen werden. Die Fotos wurden also aus ca. 850 Meter Höhe aufgenommen. Landung in Chame gegen 1505 UTC.

 

Überall Neuland

„Die Amerikaner haben eine neue Methode erfunden“ sagte Frau Widmann, Volkswirtin der Deka-Bank heute bei n-tv.

Ich will mal etwas nachhelfen mit diesem Bild:

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Quelle: USPTO

Schon 1866 wurden Bohrlöcher mit Explosivstoffen behandelt und damit die Fördermenge dramatisch gesteigert. Diese „neue Methode“ ist seit 150 Jahren patentiert. Mehr zur Historie hier.

Mit 3D-Radar wird inzwischen treffsicher erkundet und mit horizontal drilling derzeit bis 40 km horizontal gebohrt.  High-Tech vom Feinsten.

Dank dieser „neuen Methode“ passieren den Panamakanal heute 100% der LPG Tanker, die bis voriges Jahr um Kap Horn nach Asien fahren mussten.


Und heute habe ich gelesen, dass die Abu Dhabi National Oil Company einen ersten Tanker mit 2 Mio. Barrel Rohöl in Texas bestellt hat. Das ist etwa so, wie Bier nach Pilsen bringen.

Während hydraulic fracturing den Welt-Energiemarkt umkrempelt, wird der Methode in Deutschland bei jeglicher Erwähnung immer noch das Wort „umstritten“ vorangestellt. Wie ignorant.

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