Von Panama nach … Ecuador (Teil 3)

Die Sonne scheint, die Menschen flanieren am Sonntag nachmittag durch ihre Stadt – wir sind in Cuenca. 

Unsere Freundin Peggy, die seit 2 Jahren hier lebt, hat uns aufgelesen und führt uns nun durch ihre temporäre Heimat, die eigentlich Santa Ana de Quatro Rios de Cuenca heißt und als europäischste Stadt in Ecuador bezeichnet wird. Sie wird aufgrund ihrer historischen Architektur auch als UNESCO Welterbe geführt. Auf 2600 m gelegen hat Cuenca selbst laut Wikipedia ungefähr 400.000 Einwohner, unter Einschluss der umliegenden Region sind es 700.000. 

Bevor wir uns weiter mit Cuenca befassen, zunächst ein Bild, das zeigt, was da alles an unserem Weg lag:

Quelle: http://www.hideawayreport.com

Den Cayambe haben wir vom Äquatormonument aus gesehen. Am Fuß des Antisana haben wir in den Thermalquellen gebadet, den Chimborazo haben wir auf dem Weg von und nach Riobamba gesehen, dem Tungurahua sind wir bis auf 8 km nahe gekommen. Der Cotopaxi hat sich all die Tage versteckt, für El Altar und Sangay hatten wir leider keine Zeit, aber dafür haben wir ja den Quilotoa Kratersee besucht. Alles gut. 

Cuenca ist eine moderne und sehr schöne Stadt. Wir trinken unseren Nachmittagskaffee direkt an der Kathedrale und zum Abendessen steigen wir auf den Turi, einen Aussichtspunkt, der uns die Stadt in voller Ausdehnung zeigt. Und dazu bestellen wir natürlich Canelazo, die Anden-Variante des deutschen Grog, hergestellt aus Rohrzuckerschnaps, Rohrzucker und in Wasser aufgekochtem Zimt. Köstlich und gut für die kalten Nächte im Hochgebirge – oder sonstwo. 

Die Zeit vergeht schnell und wir bedanken uns bei Peggy, die uns wirklich sehr gut betreut hat. Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück verlassen wir Cuenca gegen 9 Uhr und wollen mal sehen, wie weit wir kommen. 

Anders als befürchtet, ist auch am Montagfrüh nicht viel Verkehr in Richtung Riobamba/Quito und es ist besseres Wetter, als am Vortag. Wir halten ziemlich oft an und machen auch einen Abstecher zur bekannten  Inka-Stätte Ingapirca. Dort kommt man allerdings nur mit Führer hinein und es ist gerade kein Englisch-sprechender vor Ort. Schade.

Chimborazo-Massiv

Wir schaffen es in aller Ruhe bis Latacunga, wo wir im gleichen Hotel absteigen wie schon 2 Tage vorher. Am nächsten Morgen haben wir alle Zeit der Welt, um nach Quito zu gelangen, geben unser Auto ab und heben planmäßig um 15:10 Uhr mit Copa Airlines in Richtung Panama ab.

Kurze Zusammenfassung:

Ecuador ist unbedingt eine Reise wert und auch für viele Nordamerikaner wegen der niedrigen Lebenshaltungskosten schon zweite Heimat geworden. 

Meine regelmäßige Frage an Einheimische, wie das Leben in Ecuador so sei, wird überwiegend mit tranquilo beantwortet. Ruhig, friedlich, entspannt. Und das in einem Land wo der Präsident Lenin Moreno heißt. Allerdings haben die Ecuadorianer derzeit das Beispiel Venezuela vor Augen, wo ja das jüngste sozialistische Experiment gründlich in die Hose gegangen ist. Überall in Quito sieht man derzeit venezolanische Migranten Müll durchsuchen, betteln oder mit kleinen Kunststückchen an der Straßenkreuzung ein paar Münzen verdienen. Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts.  

Die indigene Bevölkerung im Land lebt ziemlich ärmlich, von eigener Landwirtschaft und Tierhaltung im Familienbetrieb.

Quelle: suzannestengl.com

Im Gegensatz dazu sieht man überall im Land ausgedehnte Gewächshausanlagen. Ecuador exportiert Gemüse und Blumen in alle Welt. Jeden Tag landen und starten deshalb die großen Frachtmaschinen, u.a. von Cargolux und Qatar Airways, auf Quitos modernen Flughafen. 

Die Landschaft ist eindrucksvoll und man braucht natürlich mehr Zeit, als wir sie uns genommen haben.  Nicht besucht haben wir die Pazifikküste und die Galapagos-Inseln. Letztere sind eine eigene Reise wert.

  

 

Von Panama nach … Ecuador (Teil 2)

Wir kommen aus Amazonien (wie das schon klingt!) und die Straße führt ansteigend zwischen Berghängen am Fluss entlang, durch Tunnels und vorbei an Wasserkraftwerken.

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Kurz hinter Baños geht es rechts ran, Zeit für eine kleine Schweinerei am Straßenrand.

 

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Nun mit frischer Kraft in Richtung Riobamba. Und dann finden wir auf 2800 m eine Aussichtsplattform, genau gegenüber dem seit 1999 aktiven Vulkan Tungurahua und nur 8 km vom Krater entfernt. Der Tungurahua ist 5023 m hoch und man sieht erkaltete Lavaflüsse an seinen Abhängen. Furchtlos sind dort aber auch Felder und sogar Gewächshäuser angelegt, immer die geografischen Gegebenheiten ausnutzend.

 

tunguruaha1tunguruhafrei

 

Am späten Nachmittag erreichen wir 200 km südlich von Quito die historische Stadt Riobamba, gelegen auf 2.750 m und mit insgesamt 225.000 Einwohnern, einschließlich Umland. Bemerkenswert sind immer die zentralen Plätze mit Kathedralen, Verwaltungsgebäuden und Denkmälern aus der Zeit der spanischen Kolonisation im 16. Jahrhundert.

 

 

Am nächsten Tag geht es auf der E-35 über 250 km von Riobamba nach Cuenca.  Die Strecke ist gut ausgebaut, eine nicht endende kurvenreiche Berg- und Talfahrt, mit vielen tollen Ausblicken und glücklicherweise wenig Verkehr. Stattdessen sind wir zwischen 2500 und über 3000 m meist über, aber immer mal wieder auch in den Wolken. Unser 180-PS Chevrolet Captiva Sport ist für die Strecke ziemlich gut geeignet.

 

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Kurz vor Cuenca wird die Straße 4-spurig, mit 90 km/h und vollautomatischen Blitzanlagen.

Es ist Sonntag, sonnig und in Cuenca wartet unsere Freundin Peggy darauf, uns ihre Stadt zu zeigen.

Dazu mehr im nächsten Post.

Von Panama nach … Ecuador (Teil 1)

7 Tage Höhentraining sollten es sein – und wo geht das besser und näher, als in den ecuadorianischen Anden? Also geplant und gebucht und los.

Wir wollen 7 Tage zwischen Quito und Cuenca unterwegs sein, einige aber ganz bestimmt nicht alle Touristenattraktionen aufsuchen.

 

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Der Flieger braucht nur 90 Minuten bis Quito und schon ist man in einer anderen Welt. Leider, oder zum Glück, befindet sich der Flughafen seit 6 Jahren nicht mehr mitten in der Stadt. Das wäre ein grandioser Anflug geworden.

Quito hat 4 Mio. Einwohner und liegt auf ca. 3000m über NN. Da wird langsam die Luft dünn. Wir kommen mittags an, checken in unser wunderschönes Airbnb Appartment ein und fahren sofort per Uber zum TeleferiQo, eine Seilbahn, die uns auf 4100m bringt und einen großartigen Überblick beschert. Quito ist eine moderne Großstadt.

 

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Hier oben merken wir allerdings leichtes Schwindelgefühl und auch etwas Kurzatmigkeit. Kein bißchen dramtisch, aber spürbar. Unser Blutbild ist ja auf Meeresspiegel-Niveau eingestellt und jetzt haben wir uns innerhalb weniger Stunden deutlich verändert. Also trinken wir einen Coca-Tee, wie die Andenbewohner das auch tun.

Auf dem Rückweg zum Quartier durchqueren wir die historische Altstadt. Dafür muss man sich einmal mehr Zeit nehmen.

Am nächsten Tag geht es zum Äquator-Monument und erst hinterher merken wir den Betrug: Es liegt 240 Meter südlich statt exakt auf dem Äquator!

 

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Das erfahren wir aber erst, nachdem wir es angemessen zelebriert haben. In Wirklichkeit haben wir also nicht auf dem Äquator gestanden und ihn auf unserer Tour auch nicht überquert. Außer im Flugzeug, was nicht wirklich zählt. Ärgerlich. Regressansprüche werden geprüft.

Am nächsten Tag Allrad-Mietauto abholen und direkt ins Vulkan-gespeiste Thermalbad von Papallacta. Es liegt auf 3300 m Höhe am Fuß des Antisana Vulkans, der 5704 m hoch ist und 1802 die letzte Eruption hatte. Aber ganz offensichtlich brennt das Feuer im Berg noch.

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Die Anlage ist sehr ordentlich mit mehreren Becken, Umkleideräumen, Duschen und WCs sowie einem guten Restaurant. Ein komfortables Spa befindet sich gleich nebenan. Als wir in das erste Becken steigen, gibt es gleich nützliche Hinweise in deutscher Sprache. Alexandra und Ansgar machen hier gerade Pause auf ihrer 1-Jahrestour von Mexiko nach Patagonien. Wie konnten wir den Defender auf dem Parkplatz übersehen?

 

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Am nächsten Morgen geht es in Richtung Süden zum Kratersee Quilotoa und das wird einer der eindrucksvollsten Ausblicke der Reise.

 

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Wir stehen wieder auf 4000m und blicken hinab auf den Kratersee. Die Reise hat sich schon gelohnt.

Zurück nach und Übernachtung in Latacunga. Der Cotopaxi bleibt allerdings in den Wolken.

Am nächsten Tag steht Riobamba im Plan, aber das ist nur eine kurze Strecke. Was liegt da noch am Weg?

Irgendwie stoße ich in Google Earth auf einen Ort namens Shell, östlich von unserer Strecke und schon unten in Amazonien.  Was ist das denn?

Ich lerne, dass in 1937 die Shell Company dort Erkundungsbohrungen nach Erdöl geplant und zuerst einen Flugplatz gebaut hat, den Aeropuerto Rio Amazonas. Und da die Amazonasgegend ohnehin irgendwann mal besucht werden muß, warum nicht jetzt und warum nicht dort? Ich habe ein Faible für Orte, die derart mit Historie verbunden sind.

Also von Latacunga auf knapp 3000 m am Rio Pastaza entlang hinunter nach Shell auf 1050 m. Der Flugplatz wird vom Militär genutzt, aber kein Problem herumzuwandern.

 

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Was ich mich allerdings frage ist, wie Shell das dort zu fördernde Erdöl abtransportieren wollte. Pipeline über die Anden nach Guyaquil? Oder 2500 km durch den Dschungel nach Surinam, was damals holländische Kolonie war? Letztlich stellte sich die Frage nicht, weil im arabischen Raum leicht erschließbare Quellen erschlossen wurden.

Wir fahren wieder bergauf in Richtung Riobamba, auf 2750 m. Extremismus pur.

Mehr Tourberichterstattung im nächsten Post.

 

Ein Fluss mit Geschichte: Rio Chagres

Es sieht nicht so aus, ich hoffe aber mal, dass dieser unscheinbare Staudamm gut bewacht ist:

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Das ist der Gatun-Staudamm unweit der Atlantikschleusen des Panamakanals. Wer den Welthandel massiv beeinträchtigen will, muss nur diesen Damm zerstören. Dann läuft das Wasser aus dem Lake Gatun und der Panamakanal fällt trocken.

Das ist keine Gefahr? Nun, im 2. Weltkrieg haben die Japaner nicht umsonst schon U-Boote extra für die Zerstörung des Panamakanals entworfen und gebaut. Siehe hier.

Die Gegend hat allerdings schon viel länger strategische Bedeutung.

Im 16. Jahrhundert wurde auf Anweisung des spanischen Königs Philipp II. an der nur 10 km entfernten Mündung des Rio Chagres in das Karibische Meer eine Festung namens San Lorenzo gebaut. Von dort aus fuhren die mit Inka-Gold beladenen spanischen Galeeren heim, nachdem die Schätze über Land von der Pazifikküste beim heutigen Panama City transportiert worden waren. (Das war zuvor hier genau falsch herum beschrieben, aber mein treuer Leser und Freund Carsten von Panamafantastico hat es bemerkt. Danke.)

 

 

 

Letztlich führte das zur Idee des Panamakanal, dessen Einfahrt heute nur wenige Kilometer entfernt liegt, Atlantik und Pazifik verbindet, statt Gold nun Erz und Container, Öl und Gas, Passagiere und vieles mehr befördert.

Und beim Ausflug vom Rio Chagres weiter zum Rio Indio, entlang der Costa Abajo westlich von Colon, kroch uns dann noch dieses Faultier direkt über den Weg:

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Keine gute Idee im Schneckentempo die Straße zu überqueren.

 

 

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