Monster im Kanal

Natürlich sind Monsterschiffe gemeint, so wie diese beiden, die soeben die Cocoli-Schleuse in Richtung Pazifik passieren:

Keines von beiden kann aufgrund seiner Abmessungen die alten Schleusen passieren. Aber auch für diese gibt es noch genug Verkehr, wie die Momentaufnahme zeigt:


In wenigen Tagen jährt sich die Erweiterung des Kanals zum ersten Mal und man darf gespannt sein, wie viel neues Geschäft das gebracht hat.

Transit durch den erweiterten Panamakanal

Nur noch 20 Tage sind es bis zur offiziellen Eröffnung der neuen Kanalschleusen und unsere panamesischen Freunde sind schon ganz aufgeregt und stolz.

„Wirst du an der Feier teilnehmen?“ ist eine häufige Frage und in der Tat ist das ja durchaus ein Jahrhundert-Ereignis: Eine Infrastruktur-Einrichtung, die schon mehr als hundert Jahre reibungslos der Weltwirtschaft dient, schon mehr als 1 Million Passagen hatte, wird fit gemacht für die nächsten 100 Jahre.

Hier gibt die Panamakanal-Behörde schon mal einen Eindruck, wie das Ganze aussieht und funktionieren wird. Sehenswert.

Und wer dabei sein will: Lufthansa fliegt non-stop nach Panama City. Die Hotels der Hauptstadt haben Überkapazitäten und ohnehin ziemlich moderate Preise, bei guter Qualität.

Und eine kleine Offshore-Firma könnten Sie bei der Gelegenheit ja auch gleich gründen … Hahaha.

Der Panamakanal wird breiter

Gestern hat die Kanalbehörde den ersten regulären Transit durch die neugebauten dritten Schleusen für den 26.6. dieses Jahres angekündigt.

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Gatun locks. Quelle: ACP

 

Damit werden z.B. Containerschiffe mit bis zu 13.200 Containern (!) passieren können, dreimal mehr als bisher. Die Werften der Welt bauen bereits Frachter der Post-Panamax-Klasse, die genau für die Abmessungen der neuen Schleusen ausgelegt sind. Die Häfen an der US-Golf- und Ostküste verbessern ihre Logistik, um mit der Kapazitätserweiterung Schritt halten zu können.

Der Bau hat 8 Jahre gedauert und ca. 6 Mrd. US-$ gekostet. Zur Eröffnungsfeier werden Staatsgäste aus 70 Ländern erwartet und Panama wird es als Festtag begehen.

Wird der Panamakanal so weitere hundert Jahre eine zentrale Rolle im Welthandel spielen? Die Weichen dafür sind gestellt.

Wer dabei sein will: Lufthansa fliegt 5 mal pro Woche direkt von Frankfurt nach Panama City und die Hotels der Stadt haben Überkapazitäten, locken mit Niedrigpreisen.

Kanalerweiterung verzögert

Im Oktober 2006 wurde der Beschluss zur Erweiterung des Panamakanals in einem Referendum bestätigt. Im Dezember 2006 standen die geplanten Mittel in Höhe von 5,25 Mrd. USD zur Verfügung.

Die Ausschreibung der Leistungen gewann ein Konsortium GUPC, zusammengesetzt aus spanischen, italienischen und panamesichen Firmen. Zweck des Ausbaus ist es, die Durchfahrt größerer Schiffe zu ermöglichen, damit die Kapazität des Kanals zu verdopeln und den Frischwasserverbrauch bei der Schleusung zu reduzieren. Die Kanalerweiterung hat weltweite Auswirkungen.

Werften bekommen Aufträge für eine neue Kategorie von Schiffen, die exakt die Größe der neuen Schleusen nutzen.   Hafenanlagen werden erweitert, um solche Schiffe mit größerer Kapazität auch in angemessener Zeit entladen zu können.   Straßen und Schienenanschlüsse werden erweitert, um mit dem Anstieg der Fracht Schritt zu halten.

Ein wichtiger Faktor ist auch die US-Energierevolution, die den Export von Flüssiggas massiv steigern wird, wo große LNG-Tanker dann den Weg von der Golf- oder Atlantikküste nach Asien durch den Panamakanal nehmen können.

Ursprünglich sollte das Projekt zum 100. Jahrestag der Kanaleröffnung in 1914 fertiggestellt werden. Rein zufällig hätte das auch der regierenden Cambio Democratico gut gepasst, da im Mai dieses Jahres Präsidentschaftswahlen stattfinden. Die CD hat unter Präsident Martinelli erhebliche Mittel in die Infrastrukturentwicklung des Landes gesteckt und sichtbare Erfolge erzielt. Die Eröffnung der Kanalerweiterung wäre das Sahnehäubchen on top gewesen, musste aber in das Jahr 2015 verschoben werden.

Schon lange war von den Wettbewerbern geäußert worden, dass das GUPC Konsortium einen unhaltbaren Preis geboten hätte. Und prompt tauchten schon 2012 Meldungen auf, dass unzureichende Betonqualität zu Verzögerungen führen würde. Ende 2013 gab es dann ein überraschendes Ultimatum der GUPC an die Kanalbehörde APC als Auftraggeber: Man forderte die Zahlung von Mehraufwand in Höhe von 1,6 Mrd. USD bis Ende Januar und drohte bei Nichtzahlung die Arbeiten einzustellen. Als Begründung wird nun angegeben, dass geologische Daten inkorrekt waren und damit ungeplanter Mehraufwand bei den Erschließungsarbeiten unvermeidbar.

Natürlich ließ sich die ACP nicht erpressen und seit das Ultimatum dieser Tage abgelaufen ist, wird der Ton schärfer. Absehbar ist, dass die Kanalbehörde den Vertrag kündigt, die Restarbeiten von ca. 30% neu vergeben und das GUPC Konsortium auf Schadenersatz verklagen wird. Wiederholt hat die Kanalbehörde bekräftigt, die Fertigstellung 2015 in jedem Fall sicherzustellen.

Hier geht es zur offiziellen Website der Kanalbehörde: www.pancanal.com

Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Panamakanal in HD

gibt es auf Youtube. Zweimal ca. 45 Minuten, allerdings in Englisch.

Absolut sehenswert und informativ.

Megastrukturen

Erweiterung

Kanalerweiterung beeinflußt Welthandel

Seit am 15. August 1914 die SS Ancon als erstes Schiff den Panamakanal durchquert hat, sind ihr mehr als 1 Million Schiffe gefolgt und haben 5% des Welthandels bewegt. Die heutigen Panamax-Schiffe können bis zu 5 Tausend 20-Fuß-Container transportieren. In 2011 waren es 6,6 Mio. Container.

Wenn in 2014 sozusagen die dritte Spur eröffnet wird, wird das die Kapazität des Kanals mehr als verdoppeln. Die schon dafür im Bau befindlichen Schiffe werden dann 13.200 Container befördern können, oder das doppelte Trockengewicht bei Schüttgütern. Diese neuen Schiffe werden wesentlich breiter, damit sicherer sein und bis zu 16% weniger Treibstoff verbrauchen.

Klingt wenig spektakulär, ist es aber: Es beeinflusst Häfen und Verladestationen an der US-Atlantikküste, Highways in Texas, Kohlereviere in Kolumbien, Sojafarmer in Brasilien, Flüssiggas-Produzenten auf Trinidad & Tobago, US-Agrarexporteure, Werften in Südkorea … nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Das kleine Panama mit nicht mehr als 3,5 Mio. Einwohnern hat mit der Kanalerweiterung ein kühnes und weitreichendes Projekt begonnen, und die Aussichten sind exzellent. Bis 2025 will man damit jährlich bis zu $4 Mrd. einnehmen. Und Panama will zunehmend Umschlagplatz und Endmontage für Güter sowie Dienstleister für die Werftindustrie werden.

Schon heute ist die Freihandelszone in Colon die zweitgrößte in der Welt. Schon heute hat Panama als Hub für fünf große Glasfaser-Kabel die beste Interkonnektivität nach den USA, und schon heute fliegt die panamesische Fluggesellschaft Copa 29 Länder an, mehr als jede andere Airline der Region.

Es ist spannend, solche bedeutenden Entwicklungen aus der Nähe zu verfolgen. Es ist spannend in einem Land zu leben, das Visionen hat und sie auch umsetzt.

(Quelle)

Konkurrenz für Panama-Kanal?

Innerhalb von 10 Jahren und mit Kosten von 30 Mrd. US-Dollar will Nikaragua einen 200 km langen Kanal durch das Land bauen und damit die zweite Wasserstraße, die in Mittelamerika Atlantik und Pazifik verbindet. Ein Kanal durch Nikaragua soll ohne aufwändige Schleusenbauten auskommen, verläuft durch den Nikaragua-See und will die Durchfahrt für noch größere Schiffe ermöglichen.

Nikaraguas Parlament hat grünes Licht gegeben und Präsident Ortega die Bildung einer Kanalbaubehörde initiiert. Finanzierungszusagen gibt es aus Russland, China, Japan, Brasilien, Südkorea und insbesondere Venezuela.

Der Plan ist mehr als hundert Jahre alt. Nur durch einen Trick haben die Befürworter der Panama-Route seinerzeit die Entscheidung des Kongresses für Panama statt Nikaragua erreicht: Jedem Kongressabgeordneten wurde vor der Abstimmung eine nikaraguanische Briefmarke mit dem Bild eines rauchenden Vulkans zugeschickt, um zu suggerieren, dass dies eine Bedrohung für die Nikaragua-Variante sein würde. Das Ergebnis ist bekannt.

Wenn ein riesiges Infrastrukturprojekt heute mit 10 Jahren Dauer und 30 Mrd. Koste angekündigt wird, wissen wir mittlerweile alle, was passiert: Es dauert eher 20 Jahre und kostet mindestens 60 Mrd. US-Dollar. Dazu kommt, dass Nikaragua nach Haiti das zweitärmste Land der Region ist, noch ein Fakt, der Fachleute an der Durchführbarkeit zweifeln lässt. Andererseits würde ein solches Projekt natürlich erheblich zur Entwicklung des Landes beitragen.

Der Chef der panamesischen Kanalbehörde sieht der Konkurrenz gelassen entgegen. Noch bevor der Bau dort beginnt, wird Panama u.a. in Folge der Erweiterung seines Kanals zu einem der reichsten Länder Lateinamerikas aufgestiegen sein.

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