Ein Flughafen entsteht

„Hauptstadtflughafen – das Protokoll des Scheiterns“, so ein Artikel in der Welt Online von heute.

Schauen wir uns mal an, wie es auch gehen kann:

Panama will seine Touristenzahlen weiter steigern, nachdem man schon Costa Rica überholt hat und damit wohl das Reiseziel Nummer 1 in Mittelamerika geworden ist. Entlang der Pazifikküste sind attraktive Ressorts aufgereiht, ohne dass es eng wird oder wirkt. Um den in Tocumen anreisenden Nordamerikanern oder Europäern nach ihrer Ankunft nicht noch eine zweistündige Busfahrt zuzumuten, wird der bestehende und bisher ziemlich bedeutungslose Flugplatz in Rio Hato zum Internationalen Flughafen ausgebaut.

So sah er in 2010 aus:

Luftbild MPRH 2010

Luftbild MPRH 2010

Ende 2011 begannen die Arbeiten und sollen zum Jahresende 2012 abgeschlossen sein. So wie dort gearbeitet wird, ist das auch anzunehmen. Dann wird es sicher noch einige Monate dauern, bis Abnahme und Zulassung erfolgt sind. Ich gehe davon aus, dass im Sommer 2013 dort der Flugverkehr aufgenommen wird.

Die folgenden Bilder zeigen eine aktuelle Luftaufnahme sowie die fast fertiggestellte Tunnelstruktur, welche die vielbefahrene Panamericana unter dem Flugplatz hindurchführen wird.

Wer also ab Mitte 2013 Panama besuchen will, wird mit seinem Ferienflieger schon in Rio Hato landen, in unmittelbarer Nähe vieler Strandresorts.

Bienvenidos.

Unwetter über Panama

Nein, es gibt keine Hurricanes oder Tornados hier.

Was nicht heisst, dass es keine Unwetter gibt. Der gestrige Sonntag war ein gutes Beispiel. Das Satellitenbild vom Nachmittag zeigt ein großes Unwettergebiet vor der Pazifikküste, das sich über mehrere hundert Kilometer erstreckt. Die Karibikküste im Norden des Landes ist nahezu wolkenfrei.

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Am Boden sieht das dann etwa so aus.

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Die schlechte Bildqualität ist der Dunkelheit geschuldet. Die zahlreichen Blitze am Himmel kommen nie synchron zur Aufnahme.

Die Meldungen dazu:

– Mehr als 20 Bäume in Panama City entwurzelt.

– Landebahnbeleuchtung am Flughafen Tocumen teilweise ausgefallen.

– Zehn Flüge zum Flughafen Panama Pacifico umgeleitetet, weitere nach Cartagena in Kolumbien.

In der Regenzeit, von März bis November, fängt der Tag meist sonnig an. Über dem Gebirge bauen sich dann Gewitterwolken auf, die sich ausbreiten. Am späten Nachmittag oder Abend kommt es dann zu heftigen Gewittern, über Land oder draußen auf dem Pazifik. Und es kühlt deutlich ab – auf 24 oder 25°C. Der tropische Thermostat in Aktion.

Making of … an airport

Bis Ende 1989 war der Flugplatz Rio Hato, 110 km westlich von Panama City, ein Militärflughafen. Er spielte eine Rolle bei der Operation Just Cause, als der panamesische Diktator Noriega von den USA seines Amtes enthoben wurde. Unweit des Flugplatzes befindet sich am Strand noch die Ruine einer Noriega-Villa.

Seitdem dient der Flughafen zivilen Zwecken. Bis vor kurzem wurde vom Tower der Flugverkehr entlang der Pazifikküste zwischen Panama City und Santiago koordiniert. Auch war der Platz ein beliebtes Ziel für Flugtraining. Die ursprüngliche Länge beträgt 2.400 Meter, mit einer Besonderheit: Der Panamerican Highway oder die Carreteria Panamericana teilt die Piste in zwei Teile.

Wahrscheinlich konnte man in den Achtzigern noch den Verkehr einfach anhalten, wenn ein Flugzeug landete. Heute ist dort natürlich viel mehr Verkehr und die Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt kommen mit den 1300 Meter Piste aus, die sich südlich des Highways befinden. Die nördliche Hälfte der Piste war aufgegeben, diente ab und zu als Autorennstrecke.

Luftbild MPRH 2010

Luftbild MPRH 2010

Der Platz trägt den Namen Aeropuerto Cap. Scarlet Martinez und das Kürzel MPRH, was für Mittelamerika, Panama, und Rio Hato steht, Name der nächstgelegenen kleinen Stadt.

Im unmittelbaren Umkreis von MPRH befinden sich mit Decameron, Playa Blanca, Royalton und Buenaventura schon 4 Strandressorts. Ein Großteil der Gäste für deren All-inclusive Hotels kommt aus Kanada, den USA und Südamerika. Die Charterflüge landen bis heute in Tocumen, am östlichen Stadtrand von Panama City, was nach den mehrstündigen Flügen noch eine mehr als 2-stündige Busfahrt zu den Ressorts mit sich bringt.

Schon in 2009 kamen erste Gerüchte auf, dass man in der Provinz einen Flugplatz für diese Charterflüge bauen wollte, was die Urlauber näher an ihre Ziele bringen und die touristische Erschließung weiterer Destinationen, wie der Halbinsel Azuero, befördern würde.

Nach allerlei Hin und Her fiel die Entscheidung, den bestehenden Flugplatz von Rio Hato komplett um- und auszubauen. Nach dem symbolischen Spatenstich im August 2011 dauerte es noch einige Monate bevor nun die Arbeiten voll im Gange sind. Spannend war die Frage, wie man mit der Panamericana umgehen würde.

Meine Einschätzung war, dass man den nördlichen Teil verlängern und nutzen würde, dabei die Straße unbeeinflusst bliebe und die Maschinen nicht zu niedrig über das Decameron Resort anfliegen müssten. Das war falsch. Die Piste wird nun in ihrer vollen ursprünglichen Länge ausgebaut, die  Panamericana  unter die Piste verlegt. Schon Ende 2012 soll der neue Platz in Betrieb gehen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Der Fortgang der Bauarbeiten allerdings ist beeindruckend. Die Piste wird derzeit komplett aufgebrochen, eine Umleitung für die Straße wurde geschaffen, und der Aushub für die Unterführung hat begonnen.

Hier ein aktuelles Video von der Durchfahrt durch die Baustelle aus beiden Richtungen:

 

Nachdem wir in Deutschland über Jahre den Bau der Autobahnen A71/73, verfolgen konnten, ist es natürlich spannend, jetzt den Bau eines Internationalen Flughafens aus nächster Nähe zu sehen.

Der Ausbau Rio Hato ist eines von vielen aktuellen Infrastrukturprojekten in Panama, mit dem Kanalausbau an erster Stelle, der Metro in Panama City und vielen anderen.

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