Energie – Segen und Fluch

Es sind nicht die großen Öltanker, die den Panamakanal in Richtung Asien passieren, aber seit Eröffnung der neuen Schleusen kann man immer wieder die gewaltigen LNG-Tanker beobachten. Manchmal scheinen sie überdimensionale Ostereier zu befördern. In jedem Fall sorgt ihr Inhalt dafür, dass in Asien nicht die Lichter ausgehen, die Autos stehenbleiben, die Montagebänder anhalten und die Chipfabriken ihre Belegschaft nach Hause schicken.

Quelle: ACP

Gerade eben, in diesem Monat, ist die US-Erdölindustrie entlang der Golfküste zum Netto-Exporteur geworden. Gerade dort wird ja nicht nur texanisches Rohöl verschifft, sondern auch Rohöl aus anderen Ländern in großen Raffinerien veredelt. Wer die Highways rund um Houston befährt, bekommt schnell einen Eindruck vom Umfang.

Mit dem massiven Anstieg der Fördermengen im Permian Basin in West-Texas kommt man mit dem Transport, lagern, verarbeiten und verschiffen von Rohöl, Erdgas, Kondensat sowie verarbeiteten Produkten kaum hinterher. Es braucht an allen Ecken neue Infrastruktur.

Diese Situation führt zu Problemen und so brennen seit Tagen in Deer Park, südöstlich von Houston, Tanks der Intercontinental Terminals Co.

Die Rauchwolke ist problematisch für Anwohner und zieht weit über das Land.

Quelle: houstonchronicle.com
Quelle: Google Earth

Hut ab vor den Leuten, die bei einem solchen Ereignis in der ersten Reihe stehen, das Feuer bekämpfen, die Anwohner betreuen und am Ende alles wieder aufbauen.

San Francisco verklagt Ölfirmen, Benzin in Panama 12 Cent teurer

Im Großraum Houston, entlang der texanischen Golfküste, waren 20 Raffinerien wegen Hurricane Harvey ganz oder teilweise außer Betrieb. Die Auswirkungen merken wir bis Panama, wo 95er Benzin jetzt fast 90 Cent kostet, ein deutlicher Preissprung von 75 Cent.

3 Wochen nach der Katastrophe sind laut Houston Chronicle 15 davon schon wieder in Betrieb. Wir können also davon ausgehen, dass sich die hiesigen Benzinpreise bald wieder normalisieren.

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Exxon Raffinerie in Baytown, Texas. (Quelle: houstonchronicle.com)

 

In diesem Zusammenhang gab es heute eine weitere interessante Zeitungsmeldung:

San Francisco and Oakland sue top five oil and gas companies over costs of climate change

Companies knew for decades that their products caused climate change and posed ‚catastrophic‘ risk, but misled the public and continued to make enormous profits

Die Städte San Francisco und Oakland in Kalifornien verklagen die 5 größten Ölfirmen (Chevron, ConocoPhilips, Exxon Mobil, BP und Shell). Man will erreichen, dass diese Firmen die sich aus dem Klimawandel für die Städte ergebenden Kosten für Wälle, Deiche und sonstige Infrastrukturmaßnahmen zum Schutz vor dem Anstieg des Meeresspiegels derzeit und in Zukunft übernehmen müssen.

Begründung: Diese Firmen haben lange von der Gefährlichkeit des Klimawandels gewusst, trotzdem Erdöl und Erdgas aggressiv gefördert, angepriesen und diese Produkte in großen Mengen verkauft.

Eigentlich sollten die Chefs der verklagten Firmen schon morgen eine gemeinsame Erklärung herausgeben und wie folgt argumentieren:

„Liebe BürgerX und PolitikerX von San Francisco und Oakland.

Mit Bedauern haben wir eure Klage zur Kenntnis genommen. Obwohl wir sie für völlig unsubstantiiert oder präziser gesagt für Bullshit halten, wollen wir eurem Willen nachkommen und alles tun, um künftige Schäden vorsorglich und möglichst vollständig zu verhindern.

Wir stellen deshalb ab sofort alle Lieferungen von Erdöl- und erdöl/gas-basierten Produkten in eure Region komplett ein und werden dafür Sorge tragen, dass keiner unserer Vertragspartner in Treibstoff-, Chemie-, Pharma-, Textil- und anderen Industrien diese unsere goodwill-Aktion unterlaufen und damit weitere Schäden verursachen kann.

Wir wünschen euch eine wunderschöne karbonfreie Zukunft.“  

 

Wir testen Boeing’s 787 Dreamliner

Alle Jahre wieder … zieht es uns über die Weihnachtsfeiertage nach Good old Germany. Weihnachten geht nur in Familie.

Condor hat sich mit der unsäglichen Handhabung unseres Kofferdiebstahls selbst disqualifiziert. Wir suchen also einen anderen Carrier, der uns von Panama nach Deutschland bringt und wollen dabei unbedingt ein Fluggerät ausprobieren, das wir noch nicht kennen.

Davon gibt es eigentlich nur zwei, nämlich den Airbus A 380 und Boeing’s 787 Dreamliner. Beide fliegen zwischen Houston und Frankfurt, der Airbus bei Lufthansa und die Boeing bei United. Unsere Wahl fällt auf letztere.

Beim Online-Check-in am Vortag stellen wir fest, dass unsere Premium Economy auf der Langstrecke gegen normale Economy-Plätze getauscht worden sind. Das geht nicht und führt zu einem längeren Telefonat mit der Gesellschaft. Korrigieren können wir es dann beim Einchecken.

Beim Einsteigen sieht der Flieger aus, wie jeder andere wide-body auch. Was uns allerdings sofort nicht gefällt, ist die 3-3-3 Bestuhlung. Wir sind von der 767 gewohnt zu zweit einen Fenster- und Gangplatz in 2-4-2 Bestuhlung zu belegen, wo man seine Ruhe und mit Dritten nichts zu tun hat. Jetzt haben wir am Gang einen anderen Fluggast sitzen, der meist  dann schläft, wenn einer von uns sich die Füße vertreten will. Ziemlich lästig.

Der Sitzabstand nach vorn ist in Premium Economy mehr als ausreichend. Das kann aber nicht wettmachen, dass der Seitenabstand viel zu schmal ist. Das ist eine Zumutung auf der Langstrecke. Für den Sitzkomfort gibt es deshalb einen dicken Minuspunkt.

Die Verpflegung ist bei den US-Airlines seit Jahren lausig. Zumindest gibt es alkoholische Getränke zum Essen in der Premium gratis. Während des Großteils des Fluges ist vom Servicepersonal nicht viel zu sehen. Fazit: Schwach und ein Minuspunkt.  

Die größeren Fenster sind angenehm und die elektrische Verdunkelung eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Ein Sonnentag wird damit zur Vollmondnacht. Keine völlige Dunkelheit, aber auch keine Mitflieger mehr, die mal eben die Blende aufreißen, wenn alle anderen geschlossen sind und die „Paxe“ schlafen wollen. Den größten Teil des Fluges behält das System die Macht über die Fensterverdunklung und verhindert solche Experimente. Fazit: Gute Lösung und Pluspunkt.

Die Auswahl an Filmen und Musik ist umfänglich. Bild und besonders Tonqualität sind aber unterirdisch. Keine Ahnung wie man eine moderne Maschine so lieblos ausstatten kann.  Schlecht gemacht, dicker Minuspunkt. Da muss man besser sein eigenes Tablet dabei haben.

Als besonderen Vorteil stellt man für die 787 heraus, dass aufgrund der Carbonbauweise der Luftdruck und die Luftfeuchtigkeit in der Kabine höher eingestellt sind, als bei anderen Typen. Nach nur 2 Flügen ist das natürlich schwer zu verifizieren. Bezüglich Luftfeuchtigkeit scheint es aber zu stimmen. Nase und Augen trocknen nicht so aus, wie ich das schon oft erlebt habe. Auch die bessere Verträglichkeit durch den höheren Luftdruck scheint zu stimmen. Wir waren heute morgen nach fast 11 Stunden auf dem Rückflug sowie Anschlussflug von 3 1/2 Stunden und nach nur 5 Stunden Schlaf ziemlich fit. Also Pluspunkt für den Dreamliner.

Die folgenden zwei Screenshots zeigen ein sehr eigenartiges Bild: Die Anzeige der Flugdaten kennt offensichtlich nur Gegenwind (head wind), keinen Rückenwind (tail wind):

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Was uns im oberen Bild statt mit üblichen 850 km/h mit heftigen 1114 km/h über den Nordatlantik schiebt und die Reisezeit angenehm verkürzt, kann aber kein Gegenwind sein. Es ist der Jetstream in Richtung Osten.

Anders als das was uns im unteren Bild von 850 km/h auf unter 700 km/h abbremst und dafür sorgt,dass man von FRA nach IAH mehr als 10 Stunden unterwegs ist. Das ist er, der gemeine Gegenwind, auch head wind genannt.

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Tatsächlich kam auf der Anzeige immer nur Gegenwind vor. Ich hoffe, dass zumindest im Cockpit korrekte Information vorlag.

Frankfurt Airport hatte beim Hinflug Wolkenuntergrenze Null und erst im Moment des Aufsetzens war die Piste zu sehen. Vor nicht allzu vielen Jahren hätte solches Wetter unweigerlich zum Schließen des Platzes geführt. Beeindruckend was heute geht.

In Houston beim Heimflug war die Sicht völlig OK, aber die Landung war krachbumm, nicht halb so dezent, wie in Frankfurt.

Sind Computer etwa schon die besseren Piloten?

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