1. Advent in Panama

Winterliche Temperaturen in Deutschland, Kontrastprogramm in Panama. Und Montag als extra Feiertag, Tag der Unabhängigkeit von Spanien. Schon lange her.

In der Nacht vom Freitag zum Samstag läuft in unserer Nachbarschaft ein Techno-Event am Strand. Ende 4:30 Samstag früh. Und das soll am Samstag abend weitergehen. Nicht mit uns. Da wir irgendwann am Wochenende sowieso nach Las Perlas fliegen wollen, packen wir schon Samstag mittag ein, fahren nach Punta Chame.

Punta Chame Aerial

Wir quartieren uns bei George in Punta Chame Villas ein und beginnen die Spitze der Halbinsel am Strand zu umwandern. Es ist 17 Uhr, nicht mehr so heiß. Wasserstand geht Richtung Ebbe, die Kitesurfer machen Feierabend und es sind eine Menge Pelikane unterwegs.

Pun

Nach 2 km wollen wir schon den Strand verlassen, da kommt etwas größeres aus dem Wasser. Eine Wasserschildkröte und sie quält sich langsam aber zielstrebig den Strand hinauf. Wir sind total überrascht. Sie will offensichtlich ihre Eier ablegen und wir dachten, dass das nur nachts stattfindet. Nach ca. 50 m, da wo trockener Sand anfängt, beginnt sie zu buddeln, überlegt es sich nochmals und kriecht 5 m weiter. Dort geht es dann richtig zur Sache, mit Vorder- und Hinterflossen wird der Sand ausgehoben. Immer ein paar Mal, dann verschnaufen. Sie ist offensichtlich fix und fertig, und auch nicht in ihrem Element. Wir schauen eine Weile zu, drehen ein Video, aber lassen sie dann ungestört.

Turtle

Abendessen, eine Flasche Wein allein auf der Terasse, mit Blick auf den Pazifik, die Sterne und die Lichter von Panama City in der Ferne. Nachtruhe, ohne Technokonzert.

Sonntag morgen sind wir früh auf, fahren zum Flugplatz von Chame und fliegen bei schönem Wetter hinaus auf den Pazifik. Kleiner Umweg wegen sich auftürmender Kumuluswolken und dann landen wir sanft auf Contadora (MPRA). Wir wollen eigentlich auf Isla Viveros, hatten aber für heute niemand wegen Landeerlaubnis auf diesem privaten Airstrip erreicht. Auf Contadora wartet schon die Fähre nach Viveros und das sind nur noch 20 Minuten bis dorthin.

Auf Viveros geht es erstmal zum Mittagessen am Nordstrand, dann zwei Stunden baden in einer lauschigen Bucht. Und Fotos machen.

Golden Sand Beach

Gegen 14.30 legt die Fähre wieder ab und bringt uns zurück zur Isla Contadora. Wir trinken Kaffee und wollen uns auf den Weg machen. Eine andere Maschine steht neben unserer und als ich den Piloten in Englisch begrüße, erkennt er meine Herkunft und antwortet in Deutsch. Dirk hat viele Jahre in Venezuela gewohnt und ist wegen Chavez & Co. nach Panama gekommen. Wir unterhalten uns eine Weile und beschließen in Kontakt zu bleiben.

Jetzt ist aber Zeit nach Hause zu fliegen. In unserer Richtung haben sich große Wolken aufgetürmt. Wir nehmen erstmal Kurs Panama City und auf halber Strecke bekommen wir die Information, dass an unserem eigentlichen Ziel Chame schwerer Regen niedergeht. Das war’s dann für heute. Auch nach Rio Hato müssten wir durch das Unwettergebiet, keine Option. Also bleibt nur der Marcus A. Gelabert Flugplatz (MPMG) im Nordwesten der Hauptstadt. Wir schweben über die Brücke der Amerikas ein, mit Blick auf Downtown Panama City.

Amador_city

IMG_6951

Am Aeroclub können wir parken, nehmen ein Taxi zu unserem Lieblingshotel in der City, das Country Inn & Suites direkt an der Kanaleinfahrt. Klar kriegen wir ein Zimmer mit Kanalblick. Und Montag morgen um 7 Uhr zieht majestätisch die Celebrity Infinity vorbei, in den Kanal. Ein Kreuzfahrtschiff für mehr als 2.000 Passagiere, auf dem Weg von San Diego nach Fort Lauderdale. Ziemlich beeindruckendes Bild.

Celebrity Infinity

Frühstück, Taxi zum Flugplatz und Abflug nach Chame. Beim Überfliegen des Panamakanals sehen wir die Celebrity Infinity nochmal von oben, vor der Einfahrt zur Miraflores-Schleuse. Dahinter kann man gut die Baustelle der neuen Schleusen erkennen.

CelebX Infinity Miraflores

Zwanzig Minuten später landen wir in Chame.

Ein erlebnisreicher 1. Advent geht zu Ende.

Kanalerweiterung 6 Monate hinter Plan

Bekanntermaßen ist Panama dabei mit einem Aufwand von 5,25 Mrd. USD den fast 100 Jahre alten Kanal zu erweitern. Dazu werden neue Schleusensysteme parallel zu den bestehenden gebaut, um mehr und größere Schiffe passieren zu lassen. Weitere Engstellen im Kanal werden ebenfalls erweitert. Die Website der Kanalverwaltung zeigt Livebilder vom aktuellen Verkehr im Kanal, und auch vom Erweiterungsprojekt: www.pancanal.com

Derzeit können Schiffe von bis zu 294 Meter Länge und 32 Meter Breite den Kanal passieren. Pro Tag können maximal 35 Schiffe die Passage absolvieren, was oft zu Wartezeiten draussen auf Reede führt. Nach Erweiterung sollen es 50 Schiffe sein. Als wir letzte Woche per Fähre vom Las Perlas Archipel zurückkamen, lagen mehr 20 Schiffe in der Pazifikeinfahrt vor Anker.

Die neuen Schleusen sind für Schiffe geeignet, die bis zu 25% länger und 50% breiter sind. Kaum zu glauben, wenn man sieht, was für Dickschiffe da heute schon durchfahren. Die Werften der Welt bauen längst an diesen neuen Post-Panamax-Schiffen.

Aktuelle Meldungen sprechen davon, dass die Eröffnung nicht wie geplant im Oktober 2014, sondern erst im April 2015 stattfinden wird. www.constructiondigital.com

Zu dumm, weil das eigentlich mit der 100-Jahr-Feier der Eröffnung in 1914 zusammen gefeiert werden sollte. Und unschön für Präsident Martinelli, dessen Cambio Democratico das natürlich gut für die dann gerade anstehenden Präsidentschaftswahlen hätte gebrauchen können.

Egal, die Erweiterung dieses Jahrhundert-Projekts bedeutet für Panama eine Ausweitung der Staatseinnahmen, für den Welthandel eine weitere Verbesserung.

Übrigens gibt es für Öltanker, die definitv nicht durch die Schleusen passen, die Trans-Panama-Pipeline, mit einer Länge von 130 km und einer täglichen Förderkapazität von  860.000 Barrel.

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