Weihnachtsmarkt und andere Enttäuschungen

Um dem panamesischen Sonnenschein mal für ein paar Tage zu entfliehen, zieht es uns jedes Jahr zur Weihnachtszeit in die alte Heimat. Und der Erfurter Weihnachtsmarkt ist immer einen Besuch wert.

Wegen der historischen Szenerie … und dem Glühwein. In der Vergangenheit war die Thüringer Rostbratwurst immer noch ein kulinarisches Hochlicht, aber das ist leider vorbei. Aus hygienischen oder sonstigen Gründen, werden diese nur noch gebrüht auf den Rost gelegt und das ist dann wirklich keine Thüringer Rostbratwurst mehr.

Ich kann mich nur wundern, dass die Leute nicht wutschnaubend protestieren, sondern das trotzdem essen. Ohne mich.

Der Mietwagen für die Weihnachtszeit ist ein MB GLC. Nettes Auto mit einem Problem: die Heckklappe öffnet sich elektrisch … genau bis auf Kopfhöhe. Und nachdem ich an einem Tag mir drei Mal den Schädel angeschlagen habe, frage ich mich, was dieser elektrische Komfort nützt, wenn man das Ding dann trotzdem manuell in die Endposition bringen muss.

Hallo Mercedes, könnt ihr das bitte mal richtig machen? Mir brummt der Kopf schon wieder, wenn ich nur daran denke.

Autos Made in Germany

„In ein Google-Car ohne Lenkrad und Pedale würde ich mich im Leben nicht setzen“ unkt jemand aus dem Umfeld von Mercedes-Chef Zetsche (Quelle:Welt Online).

Wenn das wirklich so gesagt wurde, hat Zetsche wohl kaum die richtigen Leute um sich und die letztens vorgestellte Studie F015 war nur ein wenig ernst gemeintes Feigenblatt.

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Google, Apple, Uber, Amazon – alles branchenfremde Unternehmen denen Ambitionen mit autonom fahrenden Autos nachgesagt werden. Und Apple hat schon den Entwicklungschef von Mercedes USA abgeworben.

Nicht Motoren, Getriebe und Spaltmaße sind dabei entscheidend, sondern Sensoren und Software. Themen bei denen es mit Riesenschritten vorwärts geht.

Neben den Experimental-Seifenkisten von Google hat Tesla schon richtige Autos, die mit jedem Software-Upgrade smarter und zunehmend autonom werden.

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teaser@2xDas Thema ist ein schönes Beispiel für Obrigkeitshörigkeit. Da es irgendwo eine Uralt-Regel gibt, dass ein Auto jederzeit von einem Fahrer beherrscht werden muss, scheinen die deutschen Hersteller das als gottgegebene Randbedingung zu nehmen. Die innovativen Silicon-Valley-Firmen hingegen denken von Anfang an über völlig autonome Fahrzeuge nach. Das mit den Regeln kann man dann noch rechtzeitig regeln. Oder so wie Uber erstmal ignorieren.

Wie wäre es, beim Frühstück per Smartphone ein solches AUTOnom anzufordern, sich durch die Rush-hour ins Büro fahren zu lassen, dabei die Online-Zeitung zu lesen und vor der Tür auszusteigen, das AUTOnom einfach sich selbst zu überlassen? Die Dinger kennen den Weg, die bevorzugte Musik, fahren Stoßstange an Stoßstange, haben keine Launen, dafür eine Kaffeemaschine und machen keine Fehler. Paradiesisch. Und ein Gewinn an Lebensqualität.

Um es klarzustellen, ich bin absolut kein Freund von verordneten Elektrofahrzeug-Quoten und zugehörigen Subventionen, schon gar nicht mit dem idiotischen Hintergrund das Weltklima retten zu wollen. Humbug.

Aber ich bin ein großer Freund von technischem Fortschritt, der uns das Leben leichter macht. Und die Vorteile werden ganz schnell Käufer überzeugen, zuerst in der Oberklasse, dann immer weiter nach unten. Mit komfortabler Reichweite, schnellem Aufladen, und ohne Subvention. Egal, ob mit Benzin, Flüssiggas, Akkus, Brennstoffzelle oder allem zusammen.

Ich bin gespannt.

Wir treffen Willi aus Weimar

Gerade haben wir unser Mittagessen im Balboa Yacht Club eingenommen und fahren vom Parkplatz, da steht am Straßenrand ein großes Auto mit norddeutschem Kennzeichen. Der Besitzer schaut entspannt aus dem Fenster. Das wollen wir genauer wissen.

„Hurra Deutschland“ und schon steht er auf der Straße. Großes Hallo und in kurzer Zeit erfahren wir eine Menge. Willi stammt aus Weimar, war Mitglied der pazifistischen Schwerter-zu-Pflugschare-Bewegung und wurde deshalb in den 80ern aus der damaligen DDR ausgewiesen. Er hat dann in Norddeutschland gelebt und nun schon seit Jahren in Mexiko. Seine supernette mexikanische Ehefrau ist auch dabei. Und Hund und Katze. Das Auto ist ein umgebauter Mercedes-Krankenwagen, womit die beiden schon alles zwischen Alaska und Feuerland bereist haben. Abenteuerlich.

 

 

Willi gefällt Panama nicht so gut. Zu heiss, zu schwül, zu teuer – jedenfalls wenn man seine Haustiere über die Grenze bringt. Er erzählt mit Begeisterung von den bolivianischen Anden und einem Gebirge im Süden Kolumbiens. Die beiden haben unendlich viel gesehen und erlebt.

Wir empfehlen ihm in Bouquete vorbeizuschauen, was in der Nähe des Vulkan Baru in den panamesischen Bergen liegt und europäisches Frühlingsklima haben soll. Zu kalt für uns.

Willi muss ein paar Tage warten, bis die deutsche Botschaft in Panama City seinen abgelaufenen Pass ersetzt haben wird. Und dann geht es wieder heim nach Mexiko. Doch vorher werden wir die beiden nächste Woche am Strand von Santa Clara treffen und uns sicher gut unterhalten.

Die Welt ist ein Dorf.

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