Überall Neuland

„Die Amerikaner haben eine neue Methode erfunden“ sagte Frau Widmann, Volkswirtin der Deka-Bank heute bei n-tv.

Ich will mal etwas nachhelfen mit diesem Bild:

explodingtorpedo

Quelle: USPTO

Schon 1866 wurden Bohrlöcher mit Explosivstoffen behandelt und damit die Fördermenge dramatisch gesteigert. Diese „neue Methode“ ist seit 150 Jahren patentiert. Mehr zur Historie hier.

Mit 3D-Radar wird inzwischen treffsicher erkundet und mit horizontal drilling derzeit bis 40 km horizontal gebohrt.  High-Tech vom Feinsten.

Dank dieser „neuen Methode“ passieren den Panamakanal heute 100% der LPG Tanker, die bis voriges Jahr um Kap Horn nach Asien fahren mussten.


Und heute habe ich gelesen, dass die Abu Dhabi National Oil Company einen ersten Tanker mit 2 Mio. Barrel Rohöl in Texas bestellt hat. Das ist etwa so, wie Bier nach Pilsen bringen.

Während hydraulic fracturing den Welt-Energiemarkt umkrempelt, wird der Methode in Deutschland bei jeglicher Erwähnung immer noch das Wort „umstritten“ vorangestellt. Wie ignorant.

Verboten!

Das Handelsblatt meldet heute, dass in der Bundesregierung ein Verbot von Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, erwogen wird. Das ist dann, soweit ich weiß, nach Gentechnik, Kernenergie, Stammzellen ein weiteres Feld auf dem sich Deutschland in Forschung und Anwendung aus ideologischen Gründen Selbstbeschränkung auferlegt. Was kommt als nächstes?

Roboter und selbstfahrende Autos, Drohnen, Nanotechnologie, künstliche Intelligenz? Wie weit die Technikfeindlichkeit schon Alltag ist, hat man ja schön bei Google Streetview sehen können.

Niemand sagt, dass man neuen Technologien gegenüber unkritisch sein soll. Die Vogel-Strauss-Methode ändert aber nichts daran, dass die Welt sich ändert, ob wir wollen oder nicht. Mitgestalten ist die einzige Option für ein entwickeltes Land.

Lansam aber nahezu unvermeidlich wächst in Deutschland eine Generation in Angst heran. Angst vor Klima, Angst vor Gentechnik, Angst vor Google – Angst vor Fortschritt und Veränderung.

Das oben erwähnte Fracking macht die USA zunehmend unabhängig vom Öl-/Gasimport, macht sie gelassener und verändert spürbar die geopolitische Lage. So werden demnächst die Europäer sich selbst Gedanken um ihre Energieversorgung machen müssen, egal ob aus dem Nahen Osten oder aus Russland, was beides derzeit keine stabilen Partner sind. Und Windmühlen, ein Konzept aus dem Mittelalter, werden dabei kaum hilfreich sein.

Im Silicon Valley denken die Leute „big“, wollen die Welt verändern, während es in Deutschland um Verzicht geht, um Energie sparen, Müll trennen, vegetarisch essen und Kleinwagen fahren. Welche von beiden Strömungen wird wohl unsere Welt von morgen gestalten? Die Angsthasen und Bedenkenträger? Hoffentlich nicht.

Wer also nicht in einem luftdicht gedämmten Haus vegetieren will, sollte mal erwägen in die Tropen zu ziehen.

Wo man ganzjährig draußen lebt, immer frisches Essen auf dem Tisch hat, sich nicht für seinen SUV und diverse Freizeitfahrzeuge am Strand rechtfertigen muss, wo die Menschen immer besser und nicht in verordneter Selbstbeschränkung leben wollen.

Besser leben in Panama. Hier nochmal der Film.

P.S. Und wo glücklicherweise niemand auf die eigenartige Idee kommt, viele Kilometer weit draußen im Meer Windmühlen aufzustellen, mit Dieselgeneratoren am Drehen zu halten, damit sie nicht einrosten. Und seine Bürger dafür zahlen zu lassen.

Die Energie-Schere

Für eine funktionierende Volkswirtschaft sind bezahlbare Energiekosten von größter Bedeutung. Sie zählen zu den harten Standortfaktoren und entscheiden maßgeblich mit über Neuansiedlungen und Erweiterungen.

Die heutige WELT ONLINE bringt zwei Artikel die den Unterschied nicht deutlicher machen könnten:

Deutschland und der Ausblick:

Nicht umsonst sind in Deutschland viele Unternehmen von diversen Öko-Aufschlägen befreit, was natürlich zur Verteuerung für die Privathaushalte und die nicht-befreiten Unternehmen führt. Es beginnt der übliche Affentanz der Subventionen: Eine nicht durchdachte Regelung führt zu unerwünschten Resultaten und Nebenwirkungen die man durch weitere Regelungen neutralisieren muss, die aber wiederum andere unerwünschte Ergebnisse und Nebenwirkungen zeitigen, die man wiederum … ABM für Bürokraten.

Unternehmen können das Land verlassen. Wer sich als Privatmann die Kosten nicht mehr leisten kann, bekommt eben eine weitere Stütze vom wohlhabenden Staat. Easy.

Nordamerika und der Ausblick:

Ich habe bewusst Nordamerika genannt, weil es zwischen USA und Kanada faktische eine Symbiose gibt, die gut funktioniert. Kanada trägt mit seinen Vorräten an Ölsanden und die USA mit ihren Raffinieriekapazitäten massgeblich bei, beide Länder de facto autark zu machen. Hydraulic fracturing und horizontal drilling sind Technologien die zwar nicht neu, aber inzwischen zur Reife entwickelt sind und angesichts der hohen Rohölpreise profitabel eingesetzt werden können.

Die IEA nennt es „eine Zeitenwende für den globalen Energiemarkt“ … und meint nicht den deutschen Salto mortale in Sachen Energie.

Die peak-oil Philosophen werden schon panisch, ebenso wie die Umweltaktivisten, die billige Energie für Teufelszeug halten und auch den ärmsten Ländern der Erde mit Photovoltaik und Windmühlen die teuerste Energie bringen wollen. Sonne und Wind schicken ja angeblich keine Rechnung.

Der passendere Spruch ist wohl eher: There’s no free lunch.

So werden die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Gute Aussichten für Deutschland?

Oder doch eher Zeit für … Panamana?

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