Inselparadies aus der Luft

Wie beim Auto, gilt auch beim Flugzeug, dass die „Kisten“ bewegt werden wollen. Und da mein Light Sport Aircraft (LSA) corona-bedingt länger als ein Jahr im Hangar stand, dauerte es einige Monate, kostete viele Stunden und auch ein paar Tausend Dollar, um es wieder flugtauglich zu machen.

Nach einigen Erprobungstouren über Land, ging es vorgestern endlich mal wieder auf Inselkurs: der Las Perlas Archipel, dessen nächstliegende Insel Pedro Gonzalez mit ihrem Flugplatz (MPFE) von meinem Heimatflugplatz Chame (MPCM) nur 47 Seemeilen, also 87 km entfernt ist.

Maschine ist mit 18 Gallonen Superbenzin 95 betankt (82 Liter), wird per Checkliste vorbereitet, dann bei Panama Radio ein Flugplan aufgegeben:

Rufzeichen HP1708L von MPCM nach MPCM, via MPFE, BOMAK, MPRA. Reiseflughöhe ist 4.500 Fuß (1.370 Meter), Geschwindigkeit 90 Knoten (167 km/h), Flugzeit 2 Stunden, Reichweite 3 Stunden.

Es ist 10 Uhr Ortszeit und los geht es. Steigen über Coronado, und einen Meeresabschnitt, in dem vor 2 Wochen eine Piper mit 5 Personen im Wasser notlanden musste. Drei der fünf kamen aus der Maschine, mit 2 weiteren ging sie unter und ist bis heute nicht gefunden, nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Unter anderem wegen solcher Vorkommnisse, wie Maschinenausfall, wird bei Flügen über dem Ozean in einmotorigenMaschinen stets eine Schwimmweste getragen.

Nach ca 20 Minuten tauchen die Inseln im Dunst auf, vorher habe ich schon einen Containerfrachter und ein Kreuzfahrtschiff überflogen, die via Panamakanal aus dem Atlantik kamen.

Und dann tauche ich ein in die Inselwelt …

Man kann so oft über diesen Archipel fliegen, wie man will. Der Gezeitenwechsel, der bis zu 6 Meter beträgt, die Sonneneinstrahlung zu unterschiedlichen Tageszeiten, ergeben immer wieder neue faszinierende Bilder und schillernde Farben.

Willkommen auf der Sonnenseite.

Im Viereck hoch über Panama

Seit 3 Wochen stand meine FlightDesign CTLS mit der Registrierung HP-1708L faul im Hangar und gestern war es wieder mal Zeit ihn (oder sie) auszuführen. Nicht einfach Rundflug über den Las Perlas Archipel oder rund um Azuero, sondern mal diszipliniert nach Plan fliegen. Hier ist er:

plan_osuni

Plan machen ist einfach, umsetzen nach Sichtflugregeln in der panamesischen Regenzeit nicht ganz so.  Und beim Blick in den Himmel sah es auch eher nach Planänderung aus. Allerdings war es nicht eine kompakte tiefhängende Wolkenschicht, die es von Anfang an hätte vermasseln können, sondern mehrere Schichten nicht zusammenhängender Wolkenfelder, broken wie das in der Meteorologensprache heißt.

Der Plan ist, in Chame zu starten, einen Wegpunkt namens VUMAN kurz vor der Karibikküste westlich von Colon anzufliegen, von dort an der Küste entlang Richtung West bis zum Wegpunkt OSUNI, dann Richtung Süden über das Gebirge nach Santiago und von dort ostwärts geradewegs zurück nach Chame zu fliegen. Gesamtlänge 208 nautische Meilen, oder 385 km. Das wird ca. 2 Stunden und 15 Minuten dauern, rund 40 Liter Treibstoff verbrauchen. An Bord habe ich doppelt so viel.

Als Reiseflughöhe werden 7.500 Fuß geplant, also 2.500 Meter, wobei das wegen der Wolken nur ein Richtwert ist. Von Chame aus in Richtung Norden sieht der Himmel ganz gut aus, ich muss aber nach Nordwesten und da ist kein Blau zu sehen. Egal, die beste Wetterbeobachtungsstation ist allemal der Platz im Cockpit.

Schwacher Wind aus Nord und los geht es von Piste 01 in Chame, Kurs 318 und steigen. Es geht über die Berge und jetzt kann man Wolkenstrukturen und -schichtung gut sehen. Direkt über VUMAN, dem ich mich planmäßig auf 7.500 Fuß nähere, liegt aber eine dicke weiße Wolke und lässt mich 3 Meilen vorher abdrehen auf den neuen Kurs 255.

Zwischen den Wolken kann ich stellenweise die Küste und das Karbische Meer sehen, allerdings sehe ich auch, dass 7.500 Fuß über die 43 Meilen bis OSUNI nicht ausreichen werden. Stückweise geht es höher und am Ende bin ich auf 9.580 Fuß, über den Wolken. Da sind es nur noch 11°C statt der gewohnten 30°C. Brrrr …

Und wer sich auskennt, sieht natürlich, dass das Instrumentenbild schon nach dem Abdrehen in Richtung Santiago mit Kurs 144 geschossen wurde.

VFRonTop9000_7623

EFIS9580_7638

Auf dem Weg nach OSUNI gibt es rechtzeitig einen Ausblick nach unten und da befinden sich Verladehafen und Kraftwerk der Kupfermine, über die ich hier schon geschrieben habe.

LaMinaPort_7617

Beim Kurswechsel in Richtung Santiago kann ich einen Blick auf die neue Straße erhaschen, die von Santiago über Santa Fe an die Karibikküste führt.

santafe_7628

Diese Strecke wird demnächst durchgängig durch eine eindrucksvolle Gebirgslandschaft führen und die Bewohner von Santiago immer neu vor die Frage stellen: Fahren wir zum Baden nun 50 km an den Pazifikstrand oder 80 km an die Karibikküste?

Von nun an wird Sinkflug eingeleitet und es geht über bekanntes Gelände:

Windpark bei Penonome

WindparkPenonome_7649

Rio Hato und Playa Blanca Resort mit Lagune

RioHatoPlayaBlanca_7653

Scarlett Martinez Airport, Isla Farallon, Royal Decameron Resort, Playa Blanca Resort.

MPSM3000_7655

Genau nach 2 Stunden und 15 Minuten setze ich zufrieden in Chame auf, verstaue den Flieger wieder im Stall. Hat Spaß gemacht.

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