Über Steuern

Zwei Zeitungsmeldungen sind mir diese Woche besonders aufgefallen:

„Frankreich streicht Panama von der Liste der Steuerparadiese“ ist die erste und soll wohl eine positive Nachricht sein.

Das Gegenteil von Paradies ist ja die Hölle und dafür gibt es, steuertechnisch gesehen, einen Anwärter:

„Deutsche Auslandsrentner in der Steuerfalle“ meldet Welt Online diese Woche und spricht von hunderttausenden Auslandsrentnern, die betroffen sind. Wer denkt schon, nachdem er Deutschland legal verlassen und sich ordnungsgemäß abgemeldet hat, dass dort mit Renteneintrit seine beschränkte Steuerpflicht auflebt?

Und wer denkt weiter, dass dafür keine Freibeträge gelten, sondern auch kleinste Renten vom ersten Euro an besteuert werden und man, obwohl im Ausland lebend, einen deutschen Steuerberater beschäftigen und jährlich Steuererklärungen abgeben muss?

„… Die Regeln für Rentner, die im Ausland leben, weichen jedoch teilweise deutlich von jenen ab, die für hiesige Ruheständler gelten. Und diese Regeln sind äußerst kompliziert und für Normalsterbliche kaum verständlich. So kommt es, dass Tausende Auslandsrentner falsche Bescheide erhalten und zu Nachzahlungen aufgefordert werden, obwohl sie gar keine Steuern zahlen müssen. Im Alter von 80, 90 oder 100 Jahren müssen sie sich mit den Untiefen des deutschen Steuerrechts auseinandersetzen.“

Bei allen möglichen Transferleistungen des deutsche Staates kann man sich das notfalls vorstellen, aber die Rente ist ja wohl keine staatliche Wohltat, sondern die Rückzahlung eigener bereits versteuerter Beiträge, nachdem das Rentensystem sie lange genug nutzen konnte. Ein schlechter Witz und ein riesiger bürokratischer Aufwand.

Interessant ist, dass Auslandsrentner bezüglich Freibeträge schlechter gestellt werden, als im Inland wohnende. Ist das eine neue Methode um das Auswandern zu verhindern? Ich habe eine ganze Weile in einem Staat gewohnt, der das mit Mauer und Stacheldraht getan hat. Jetzt wird das eleganter gehandhabt.

Natürlich hat der Gesetzgeber, die Volksvertreter im Bundestag, einen Ausweg. Man braucht sich nur freiwillig der unbeschränkten Steuerpflicht zu unterwerfen und bekommt dann die Freibeträge wieder angerechnet. Nachteile? Überlegen Sie selbst.

Ich bin sicher, dass die überbordende deutsche Bürokratie für viele Auswanderer ein wichtiges Argument gewesen ist. Und genau diese Bürokratie holt jetzt viele wieder ein. Wohlgemerkt die, die nicht mehr in Deutschland leben, aber lange genug ihren Beitrag geleistet haben.

Was sagt uns das? Mit Blick auf die Verpflichtungen die Deutschland im Rahmen der sog. Eurorettung übernommen hat, kann das nur noch schlimmer werden. Kann man jungen Leuten noch guten Gewissens empfehlen, ihr Leben in Deutschland zu planen, ein Haus zu bauen, eine Wohnung zu kaufen, in Renten- und Lebensversicherung einzuzahlen? Da werde selbst ich als geborener Optimist skeptisch.

Ebenso skeptisch bin ich bezüglich der USA, wohin ich noch vor einigen Jahren ohne Nachdenken ausgewandert wäre. Nicht mehr so. Hochverschuldet, überbürokratisiert, obwohl immer noch mit besserer Perspektive als Deutschland. In meinen Augen.

Und was hat all das mit der ersten Meldung vom Steuerparadies zu tun?

Nun, es gibt Länder, die wenig verschuldet sind, nicht für andere sorgen müssen, ihr Wachstum managen statt Krisen, wo die bürokratischen Spielregeln überschaubar sind, wo der Bürger sieht, wofür er Steuern zahlt.

Wo haben Menschen wohl die bessere Perspektive?

Über jaypacific
Verbringe dein Leben in einer ewigen Glückseligkeit der Vorfreude, etwas zu erhoffen, zu erwarten, zu planen oder zu erträumen. ... (Kai Krause in "Das Wissen von morgen")

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