Mehr Optimismus, bitte

„Das Ende des Export-Weltmeisters“ hieß mein voriger Post und Peter Zeihans Kernthese „Die deutsche Industrie wird in eineinhalb Jahren am Ende sein“ dürfte vielen zu pessimistisch gewesen sein. Mir auch.

Tauchen wir also mal tiefer ein und Geschichte ist immer ein guter Ausgangspunkt.

Aufgewachsen bin ich im Landkreis Schmalkalden, am Südhang des Thüringer Waldes, einer Gegend, wo über Jahrhunderte Eisen zu nützlichen Werkzeugen verarbeitet wurde. Die Herstellung von Korkenziehern geht dort bis in das Jahr 1826 zurück, wobei das zugrundeliegende Patent schon 1795 interessanterweise von einem Pfarrer in Oxford angemeldet wurde.

Über Generationen produzierten Familienunternehmen dort ein breites Sortiment an Gebrauchsgegenständen, Beschlägen, Handwerkzeugen und zunehmend auch Präzisionswerkzeugen. In den 1970er Jahren waren diese privaten Unternehmen der DDR-Staatsführung ein Dorn im Auge. Nach zwangsweiser staatlicher Beteiligung wurden sie später „volkseigenen Kombinaten“ untergeordnet. Das endete in 1990.

Es kam die Stunde der ehemaligen Familienunternehmer und ihrer Nachkommen. Firmen wurden privatisiert, reaktiviert und gegründet. Neuansiedlungen konnten auf hochqualifiziertes Personal zurückgreifen.

Diese bewahrte und gelebte Tradition erhielt die Region nach dem Ende der DDR wirtschaftlich am Leben. Und bevor ich zum eigentlichen Thema zurückkomme, will ich stellvertretend zwei Personen namentlich erwähnen, die daran einen maßgeblichen Anteil hatten:

  • Mein Vater, Rolf Schlenzig, der über 30 Jahre eine Betriebsberufsschule führte, Generationen von Facharbeitern und Meistern ausbildete.
  • Mein Schulkamerad, Dr. Siegmar Reumschüssel, der als Geschäftsführer von Sandvik Schmalkalden maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Metallindustrie dort nach 1990 nicht unter den Hammer kam.

Zurück zur Prognose von Peter Zeihan: Geografie, Demografie und Energie als Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg.

Geografie: Zeihan denkt im Kontext von Nationen. Ich breche die Geografie, mit Blick auf das absehbare Scheitern der EU, lieber auf Regionen herunter. Und Deutschland besteht aus einer Vielzahl Regionen mit reicher handwerklicher und industrieller Tradition. Das kann man durch hirnlose Politik torpedieren, aber nicht ausrotten. Es wird also immer Regionen geben, die sich besinnen und erheben, neu erfinden und wieder erfolgreich werden. Tradition, Erfahrung, Bildung und Technologie werden die Pfeiler sein, auf denen diese Regionen prosperieren. Und das sind auch die zuverlässigen Gegenmittel gegen Wokeness aller Art.

Macht hat in solchen Gemeinschaften und Regionen nur, wer was schafft. Und natürlich wissen sich solch wirtschaftlich starke Gemeinschaften auch zu wehren gegen Druck von außen, werden sich vernetzen mit Gleichartigen und Bestand haben. Die Dummschwätzer werden nichts mehr zu sagen haben.

Demografie: Zeihan sieht mittelfristig den Bedeutungsverlust von stark alternden Gesellschaften, wozu er neben China und Russland auch Deutschland zählt. Es fehlen Produzenten und Konsumenten für stabiles wirtschaftliches Wachstum. Mag sein.

Ich gebe jedoch zu bedenken, dass wir uns in einer Epoche exponentieller technologischer Entwicklung befinden. Roboter bauen Autos, werden selbst Autos. Und beim Tesla AI Day am 30. September wird mit dem Optimus ein weiterer Meilenstein präsentiert werden.

Die produktive Gesellschaft, die ich im vorigen Abschnitte skizziert habe, wird wieder Kinder zeugen und aus schmerzhafter Erfahrung den unproduktiven Anteil klein halten.

Energie: Das ist nur da ein akutes Problem, wo der #GrüneWahn zeitweilig übernommen hat, mit Deutschland an der Spitze. Die Zukunft sind dezentrale modulare Kernkraftwerke, die Unternehmen, Städte, Regionen zuverlässig versorgen. Wo das keinen Sinn macht, werden die Dächer mit Solarschindeln gedeckt sein, mit gesteuerten Batterieblöcken ein virtuelles Kraftwerk (VPP) bilden. Frau Baerbock hat es ja schon ausgerechnet,

Schlussfolgerung: Ich denke, dass Deutschland vor einem dramatischen Wandel steht, gegen den die Wende in 1989 nur eine leichte Brise war. Und ich kann jeden verstehen, der das nicht durchmachen will, lieber Koffer packt und nach Panama auswandert, oder anderswohin.

Ich bin aber auch zuversichtlich, dass danach aus der verbrannten Erde wieder Keime sprießen werden, es einen Neuanfang und eine starke positive Entwicklung geben wird, so wie immer.

Mein pessimistischer Beitrag von gestern hat nicht viel Zustimmung gefunden. Besser heute?

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