“Der Netzwerk-Staat” – ein spannender Ansatz?

Angesichts der zunehmenden Dysfunktionalität politischer Systeme, nicht nur in der  Dritten Welt, ist es kein Wunder, dass immer wieder neue Konzepte erdacht und diskutiert werden. Mit “The Network State” von Balaji Srinivasan liegt nun ein bereits vieldiskutiertes Werk vor, das auf Online-Netzwerken und Cryptotechnologie basiert. 

Website und Buch sind derzeit nur in Englisch verfügbar.

Wer ist der Autor und lohnt es sich überhaupt, Zeit in das Buch zu investieren?

Balaji Srinivasan hat an der Stanford University als Bachelor und Master in Electrical Engineering abgeschlossen, in diesem Feld promoviert (PhD) und anschließend noch einen Master-Abschluss in Chemical Engineering angehängt.

  • In 2007 war er MItgründer des Genetiktest- Unternehmens Counsyl, später von Myriad Genetics für $375 Mio. übernommen.
  • In 2013 wurde er Partner von Andreesen Horowitz, eine seit 2009 im Silicon Valley etablierte und höchst erfolgreiche Venture Capital Unternehmung.
  • In 2018 gründete er mit Partnern die Job-Suchmaschine Teleport
  • Bereits in 2013 mitgründete er ein Bitcoin-Mining Unternehmen, das scheiterte, in earn.com umstrukturiert und
  • in 2018 für mehr als $100 Mio. von der Cryptocurrency-Plattform Coinbase übernommen wurde. 
  • Mit der Übernahme wurde Balaji Srinivasan Entwicklungschef (CTO) von Coinbase.

Was für eine Karriere! Und ja, wenn solche Leute ein Buch schreiben, lohnt sich das Lesen allemal.  

“Der Netzwerk-Staat” überträgt die Ideen von Ayn Rand (Galt’s Gulch) in “Der Streik”, von Paul Romers Charter Cities, sowie Titus Gebels “Freie Privatstädte” in die aktuelle Epoche der Online-Netzwerke und Blockchains.

Dankenswerterweise eröffnet der Autor sein Buch mit der Definition des Netzwerk-Staats in einem Satz und in einem Bild, was schnell Einblick gibt und Neugier weckt.  

Der eine Satz, frei übersetzt und zwecks Anschaulichkeit strukturiert, lautet: 

Ein Netzwerkstaat ist 

  • eine hochgradig zweckorientierte Online-Gemeinschaft 
  • mit der Fähigkeit zu kollektivem Handeln, 
  • die mittels Crowdfunding Territorium auf der ganzen Welt erwirbt und 
  • schließlich von anderen Staaten diplomatisch anerkannt wird.

Was ist zu den Punkten zu sagen? 

Eine zweck-orientierte Online-Gemeinschaft – das ist, auf niedrigem Niveau, schon jede Facebook- oder Whatsapp-Gruppe. Hier kommt der Netzwerk-Gedanke ins Spiel. 

Fähigkeit zum kollektiven Handeln – das kennen viele aus der Lockdown-Zeit, wo Projekte und Unternehmen effektiv und effizient mittels Zoom-Konferenzen gesteuert wurden.

Neben dem Online-Netzwerk als physische Grundlage der Kommunikation kommt nun   Blockchain-Technologie als unverzichtbare Komponente hinzu. Sie dient der sicheren Verifizierung von Teilnehmern und Investitionen, sowie zur manipulationsresistenten Aufzeichnung von Geschäftsvorgängen aller Art.

Mittels Crowdfunding Territorium auf der ganzen Welt erwerben – der Text sagt dann aus, dass es, statt mit Territorium, zunächst mit Apartments, Häusern, Siedlungen beginnen wird. Eine Online-Gemeinschaft bringt also Mittel auf, um sich im Gemeinschafts- oder Eigentum einzelner Mitglieder, persönlich treffen, sowie zeitweise oder permanent niederlassen zu können. Für Erwerb und Verwaltung solcher Objekte wird wiederum  Blockchain-Technologie genutzt.

Als Netzwerkstaat diplomatisch anerkannt werden – was nun wirklich nach Zukunftsmusik klingt, aber deswegen nicht zwandsläufig unrealistisch sein muss. 

Die Beschäftigung mit der Historie von Staaten macht einen wichtigen Teil des Buchs aus und so wird der Netzwerkstaat als Alternative zum oder Nachfolger des Nationalstaats betrachtet.

Warum faziniert mich dieses Buch und das Thema? 

Unter dem Arbeitstitel Libertado habe ich mich schon seit einigen Jahren damit befasst, wie eine zweckorientierte Community in Panama oder andernorts eine neue Heimat aufbauen könnte. Permanente Residenz, persönliche und finanzielle Freiheit erlangen, einen Gemeinschaftszweck wie #langbesserlebigkeit verfolgen können. Frei von Lockdowns und anderen Zwängen. 

Es geht um weitgehende Handlungsfreiheit, innerhalb eines existierenden staatlichen Rahmens, wobei die Handlungsfreiheit durch Gegenleistungen auszuweiten sein sollte.     

Mein Anspruch bewegt sich also unterhalb dessen, was Romer, Gebel und Srinivasan anstreben, weil deren Konzepte aufwändige Verhandlungslösungen mit staatlichen Institutionen erfordern.

Wenn es ausreichend Interesse an einem solchen Projekt gibt, werden weitere Schritte in Erwägung gezogen.

Einfach durch Zustimmung signalisieren. Danke.

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Hier gibt es die aktualisierte und erweiterte Version meines eBooks Mehr Leben leben – der 120-Jahre-Plan gratis als pdf-Download. Der Link kann gern geteilt werden.

Eine Antwort zu „“Der Netzwerk-Staat” – ein spannender Ansatz?”.

  1. […] sich solch wirtschaftlich starke Gemeinschaften auch zu wehren gegen Druck von außen, werden sich vernetzen mit Gleichartigen und Bestand haben. Die Dummschwätzer werden nichts mehr zu sagen […]

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