It’s 5 o’clock somewhere

Die Uhr im Restaurant The Dock geht offensichtlich falsch.

Wir sitzen bei Mittagshitze im Freien, schattig und schauen auf mindestens 100 Segelboote, die hier an der Shelter Bay ihren Liegeplatz haben, sich gemächlich im Wasser wiegen. Zum Essen, Tintenfisch nach karibischer Art, gibt es deshalb auch Papaya-Limonade, keine Margarita.

 

 

Wir sind schon gegen 8:30 in Panama City aufgebrochen, am Flughafen Gelabert und den beiden Pazifikschleusen vorbei auf der Schnellstraße nach Colon gefahren. Obwohl Sonntag vormittag herrscht hier ungefähr so viel Verkehr wie auf der Thüringer- Wald-Autobahn südlich des Suhler Dreiecks. Also wenig.

In Colon angekommen, passieren wir die Freihandelszone und folgen den nagelneuen Wegweisern zum Besucherzentrum der Esclusa Agua Clara. Das ist die neue, erweiterte Schleuse an der Atlantikseite des Kanals. Auch dort ruhiger Betrieb, kaum mehr als 20 Besucherautos.

Wir sind knapp zu spät: Ein überdimensionaler Containerfrachter der Evergreen Reederei hat gerade die Schleuse verlassen und macht sich auf den Weg in Richtung Pazifik. Die Ever Legion ist 335 m lang und 46 m breit, vollgepackt.

 

 

Da gerade kein weiteres Schiff für die neue Schleuse in Sicht ist, wollen wir uns mal die andere Seite der Küste, westlich der Kanaleinfahrt, anschauen. Sie heißt die „obere Küste“, warum auch immer. Dazu müssen wir eine der beiden Fähren nutzen, die abwechselnd hin und her fahren. Das wird nur noch ca. 2 Jahre nötig sein, denn unweit der Anlegestelle recken sich schon die Pfeiler der neuen Kanalbrücke in die Höhe. Das wird ein ebenso beeindruckendes Bild, wie wir es schon von der Pazifikseite kennen und ein neues Kennzeichen der Atlantikeinfahrt in den Panamakanal.

Diese Brücke wird irgendwann 250 km Karibikküste westlich von Colon bis kurz vor Almirante durch eine Autostraße erschließen.

Noch bevor diese Brücke in Betrieb geht, wird man auf der Pazifikseite mit den Arbeiten für die vierte Kanalbrücke beginnen, um die altehrwürdige Puente de las Americas zu entlasten und abzulösen. Weiterhin also viel Arbeit für Bauunternehmen in Panama.

 

Imagen-boceto-quedaria-obra_LPRIMA20151007_0133_32

Quelle: La Prensa

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die meisten Infrastruktur-Aufträge unter Präsident Martinelli (2009 bis 2014) an die brasilianische Odebrecht-Gruppe gingen. Deren Chef sitzt inzwischen wegen Bestechung im brasilianischen Gefängnis. Ex-Präsident Ricardo Martinelli hat, völlig unabhängig davon, Panama in 2015 fluchtartig verlassen.

Von Shelter Bay aus blickt man hinüber zur Stadt Colon mit ihren alles überragenden Hafenkränen. Ein toller Blick, den ein Foto nicht so gut wiedergeben kann.

Aktuell gibt es für die Stadt Colon ein dringend notwendiges Modernisierungsprogramm. Wenn das ähnlich funktioniert, wie in der Altstadt von Panama City, wird aus dem Aschenputtel bald eine Goldmarie.

Oder waren das zwei verschiedene Märchen?

 

 

Vom Pazifik zur Karibik in 30 Minuten + Bonus

28 MInuten Flugzeit für 46 Seemeilen, sagt meine Flugplanung.  Genau so weit ist es vom Flugplatz Chame, der nur wenige Kilometer von der Pazifikküste bei Coronado entfernt ist, nach Colon an der Küste des Karibischen Meeres, einem Randmeer des Atlantik.

Colon, da war doch was …

Richtig, die atlantische Einfahrt in den Panamakanal, mit der Gatunschleuse und damit die Gelegenheit, mal zu schauen wie die Kanalerweiterung dort aussieht.  Das als Bonus für meine Leser 🙂

Start in Chame und wir fliegen über Coronado kurz entlang der Pazifikküste, drehen über Punta Chame nach Norden.  Gute Sicht heute, aufgelockerte Bewölkung.

IMG_6040

 

 

IMG_6043

Zuerst über Bergland, und dann sehen wir schon die ausgedehnte und zerfranste Wasserfläche des Lake Gatun.  Sieht nicht so aus, ist aber ein künstlich aufgestauter See und liegt 26 Meter über Meeresspiegel,  Bestandteil des Panamakanals.

LakeGatun_6119

Im See sind einige Schiffe unterwegs, mehr davon liegen vor Colon vor Anker und warten darauf, an die Reihe zu kommen.

LakeGatun_Route_5414

Colon beherbergt auch einen Containerhafen, Terminal und Tanks für Ölprodukte sowie die zweitgrößte Freihandelszone der Welt. Und ist nördliche Endstation der Panama Canal Railway.

Colon_5408

Viel spannender ist aber die Gatunschleuse, eine von 3 Schleusensystemen des Kanals. Parallel dazu werden 2 neue Anlagen gebaut, die es wesentlich größeren Schiffen erlauben, den Kanal zu benutzen. Kapazität und Einnahmen werden sich ab 2015 verdoppeln. Nur 2 neue Anlagen deshalb, weil auf der Pazifikseite ein neues Schleusensystem sich über die beiden alten Schleusen von Miraflores und Pedro Miguel erstreckt.

GatunLocks_best_6088

Der Neubau ist ein riesiges Vorhaben wie man schon optisch an den Größenverhältnissen der alten und der neuen Schleusenanlage erkennen kann. Gleiches passiert parallel auf der Pazifikseite des Kanals.

In der alten Schleuse befindet sich gerade ein ziemlich großer weißer Autotransporter.  Einfach anklicken zum Vergrößern.

Die Tore der neuen Schleusen sehen so aus:

lockgates

Quelle: http://eandt.theiet.org

Den Fortgang kann man hier beobachten.

Zurück geht es über La Chorrera nach Chame. Ein kurzer Ausflug, trotzdem viel gesehen.

LaChorrera_5403

 

Wenn Ihnen der Ausflug gefallen hat, lassen Sie Freunde teilhaben und verschicken den Artikel. Danke dafür.

%d Bloggern gefällt das: