Panamakanal Atlantik-Einfahrt

Es ist Faschingssonntag in Panama, ein Großereignis. Seit Freitagnachmittag sind zehntausende Autos und hunderttausende Passagiere auf dem Weg westwärts, aus der Hauptstadt in die närrische Provinz, vorzugsweise um Las Tablas.  Als Faschingsmuffel bleiben wir da meist zu Hause … oder agieren gegen den Strom.

Für diesen Sonntag haben wir beschlossen, mal wieder in Richtung Colon zu fahren, den Betrieb der Agua-Clara-Schleuse und den Fortgang der Arbeiten an der Atlantikbrücke zu erkunden. Und verkehrstechnisch sollte das funktionieren, da alle immer in die andere Richtung wollen.

Sonntag früh um 9 Uhr, nach kurzem Frühstück geht es auf die Inter-Americana in Richtung Feuerland. Und es passt: die Gegenrichtung ist voll und immer wieder kommt es zu Staus, wohingegen wir freie Fahrt haben. Über die Centenario-Brücke geht es zum Corridor Norte und von dort auf die Schnellstraße nach Colon, also Richtung Norden. Und auch da ist kaum Verkehr, ganz anders als an Wochentagen.

Wir steuern direkt das Besucherzentrum der Agua-Clara-Schleuse an und sehen schon von weitem, dass da ein großer Fisch im Netz ist: die Caribbean Princess, ein Kreuzfahrtschiff mit 209 m Länge, unglaublichen 19 Decks und bis zu 3.142 Passagieren an Bord.

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Kaum hat die Prinzessin die „Badewanne“ (lies: Schleusenkammer) verlassen, wird das „Badewasser“ sogleich für den nächsten Transit genutzt. Die Ever Liberal der Evergreen Reederei liegt schon bereit und wird nun von drei Schleppern sorgfältig in die Schleuse bugsiert.

Mit knapp 335 m Länge und 46 m Breite und 8.432 TEU (20-Fuß-Container-Äquivalent) ist auch das ein Schiff, welches nur durch die neuen Schleusen passieren kann. Es ist auf dem Weg von Asien nach Savannah /Georgia an der US-Atlantikküste.

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Sieht so aus, als ob wir für unseren heutigen Besuch genau den richtigen Zeitpunkt erwischt haben. Wir verlassen das Besucherzentrum und beschließen zum Fort Sherman zu fahren, auch das eine ehemalige US-Militäreinrichtung zum Schutz des Kanals.

Unterwegs gelingt dieses Bild von einem Autotransporter, der Glovis Chorus, auf dem Weg nach Santo Domingo, bei der Durchfahrt unter der halbfertigen Atlantikbrücke. Den Baufortschritt kann man gut hier sehen, als ich diese Baustelle im August 2017 überflogen hatte.

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Auf dem Weg nach Fort Sherman müssen wir dieses Mal noch die Fähre nehmen, um die Kanaleinfahrt zu passieren. Die dortige Shelter Bay Marina (Video) ist ziemlich voll ausgelastet und wir betrachten das Treiben von der Terrasse des Restaurants „The Dock“. Die Speisekarte sieht verlockend aus und während meine Frau sich mit Fish & Chips zufrieden gibt, entscheide ich mich für Seebarsch mit reichlich Knoblauch- und Shrimpsauce, sowie das obligatorische Glas Weißwein. Superlecker.

Wir beschließen, beim nächsten Besuch eine Übernachtung zu buchen, die Gegend und die Colon Free Zone mal ausführlich zu erkunden.

Die 200 km lange Heimfahrt verläuft wiederum unspektakulär, allerdings mit einer Menge Verkehr – in der Gegenrichtung.

Ein wirklich cooler Faschingssonntag.

 

Photos (C) besserpanama.com

 

It’s 5 o’clock somewhere

Die Uhr im Restaurant The Dock geht offensichtlich falsch.

Wir sitzen bei Mittagshitze im Freien, schattig und schauen auf mindestens 100 Segelboote, die hier an der Shelter Bay ihren Liegeplatz haben, sich gemächlich im Wasser wiegen. Zum Essen, Tintenfisch nach karibischer Art, gibt es deshalb auch Papaya-Limonade, keine Margarita.

 

 

Wir sind schon gegen 8:30 in Panama City aufgebrochen, am Flughafen Gelabert und den beiden Pazifikschleusen vorbei auf der Schnellstraße nach Colon gefahren. Obwohl Sonntag vormittag herrscht hier ungefähr so viel Verkehr wie auf der Thüringer- Wald-Autobahn südlich des Suhler Dreiecks. Also wenig.

In Colon angekommen, passieren wir die Freihandelszone und folgen den nagelneuen Wegweisern zum Besucherzentrum der Esclusa Agua Clara. Das ist die neue, erweiterte Schleuse an der Atlantikseite des Kanals. Auch dort ruhiger Betrieb, kaum mehr als 20 Besucherautos.

Wir sind knapp zu spät: Ein überdimensionaler Containerfrachter der Evergreen Reederei hat gerade die Schleuse verlassen und macht sich auf den Weg in Richtung Pazifik. Die Ever Legion ist 335 m lang und 46 m breit, vollgepackt.

 

 

Da gerade kein weiteres Schiff für die neue Schleuse in Sicht ist, wollen wir uns mal die andere Seite der Küste, westlich der Kanaleinfahrt, anschauen. Sie heißt die „obere Küste“, warum auch immer. Dazu müssen wir eine der beiden Fähren nutzen, die abwechselnd hin und her fahren. Das wird nur noch ca. 2 Jahre nötig sein, denn unweit der Anlegestelle recken sich schon die Pfeiler der neuen Kanalbrücke in die Höhe. Das wird ein ebenso beeindruckendes Bild, wie wir es schon von der Pazifikseite kennen und ein neues Kennzeichen der Atlantikeinfahrt in den Panamakanal.

Diese Brücke wird irgendwann 250 km Karibikküste westlich von Colon bis kurz vor Almirante durch eine Autostraße erschließen.

Noch bevor diese Brücke in Betrieb geht, wird man auf der Pazifikseite mit den Arbeiten für die vierte Kanalbrücke beginnen, um die altehrwürdige Puente de las Americas zu entlasten und abzulösen. Weiterhin also viel Arbeit für Bauunternehmen in Panama.

 

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Quelle: La Prensa

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die meisten Infrastruktur-Aufträge unter Präsident Martinelli (2009 bis 2014) an die brasilianische Odebrecht-Gruppe gingen. Deren Chef sitzt inzwischen wegen Bestechung im brasilianischen Gefängnis. Ex-Präsident Ricardo Martinelli hat, völlig unabhängig davon, Panama in 2015 fluchtartig verlassen.

Von Shelter Bay aus blickt man hinüber zur Stadt Colon mit ihren alles überragenden Hafenkränen. Ein toller Blick, den ein Foto nicht so gut wiedergeben kann.

Aktuell gibt es für die Stadt Colon ein dringend notwendiges Modernisierungsprogramm. Wenn das ähnlich funktioniert, wie in der Altstadt von Panama City, wird aus dem Aschenputtel bald eine Goldmarie.

Oder waren das zwei verschiedene Märchen?

 

 

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