Wenn zwei eine Reise tun

Über die Reisevorbereitungen hatte ich ja hier schon berichtet. Gestern abend sind wir nach 20 Tagen Deutschland-Urlaub wieder zu Hause angekommen … und heute kommt auch unser Koffer an.

Es gibt also einiges zu berichten, über die technischen Details der Reise und auch darüber, wie wir Deutschland erlebt haben.

Gebucht hatten wir ja Panama – Amsterdam – Frankfurt, alles mit KLM. Wir hatten nicht online eingecheckt, weil wir nach intensiver Diskussion vorhatten, die Strecke AMS – FRA sowie FRA – AMS zu streichen, in Amsterdam ein Auto zu mieten und dies auch wieder in Amsterdam abzugeben.

Als wir das am Schalter vortrugen, schien es erstmal schwierig zu sein. Bis zu drei Leute diskutierten hin und her, nach 10 Minuten stieg weißer Rauch auf. Alles war geklärt, auf dedizierte Nachfrage auch für den Rückflug.

Schneller Vorlauf: am Vorabend des Rückflugs schickt die KLM eine Mail und lädt zum Einchecken. Geht auch einfach, wie immer, bis zum Ausdrucken der Bordkarte. „Wir können leider keine Bordkarte ausstellen, wegen Unstimmigkeiten …“

Wir also rechtzeitig vor dem Abflug zum Priority Check-in, die uns zum Travel Service schicken. Als wir nach fast einer Stunde endlich an der Reihe sind, fragt die KLM-Angestellte, was unser Grund für die Änderung war. „Ich brauche einen triftigen Grund, weil ich Ihnen sonst für die Umbuchung €500 abnehmen muss.“

„Natürlich der Streik heute in Frankfurt“, sage ich. „Aha, und das haben Sie vor drei Wochen schon gewusst?“ meint sie und reicht die neuen Bordkarten herüber. „Guten Flug“.

Ich habe schon bei drei Airlines Gold- bzw. Platinstatus gehabt, aber die KLM ist ohne Zweifel die #1. Da passt alles, auch wenn diesmal unser Koffer nicht mitgekommen ist. Noch am Band stehend werde ich aufgerufen und erfahre, dass ich nicht länger warten muss. Heute früh kam dann die Nachricht, dass unser Koffer mit der heutigen Maschine unterwegs ist.

Das Personal, die Kabine, die Kulinarik, alles passt. Und vor Abflug konnte ich sogar noch ein Viertelstündchen mit den Piloten im Cockpit fachsimpeln.

Zeitsprung zurück. Nach Landung in AMS ging es zum Sixt-Schalter, wo das bestellte Auto eine Kategorie aufgewertet und in Empfang genommen wurde. Hatte auch schon 30.000 km auf der Uhr, aber ansonsten ohne Vorschäden und auch auf unseren 2.700 km passierte exakt nichts.

Zwei Fahrer für knapp 600 km auf der Autobahn, sonntags kein Problem. Wir sind 2 Stunden eher am Ziel, als mit dem Frankfurt-Flug. Auch die Rückfahrt verläuft stressfrei, kann man also wieder machen.

Einige Tage später funktioniert meine deutsche Visakarte nicht mehr, gleich zwei Mal hintereinander. Bevor ich dort zur Klärung anrufe, checke ich den Kartenstatus und bin überrascht: da steht eine frische Buchung bei WizzAir Budapest für 1.900 Euro. Nicht von mir.

Hat die Bank das schon als verdächtig geflaggt und die Karte prophylaktisch gesperrt? Ein Anruf bei der Betrugsabteilung und man fragt sogleich, ob denn die Belastung von Hertz auch Betrug wäre. Ich bin schon wieder überrascht und erkläre kurz, dass es zwei unterschiedliche Arten von Irregularität sind. Hertz hat nicht nur den Betrag der Originalreservierung unberechtigt eingezogen, sondern gleich noch ein paar hundert Euro mehr.

Die Wizz Air Buchung hat mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Sixt in Amsterdam zu tun, da ich die Karte in den 8 Tagen zwischen Einreise und Wizz-Buchung nicht verwendet habe. Interessanterweise zeigt die Buchung auf der Kreditkarte auch den Buchungscode des Fluges. Den werde ich mit einer Beschwerde an Sixt übermitteln, so dass man dort vielleicht das schwarze Schaf finden kann. Wegen Erstattung muss ich nicht streiten, das hat die Bank schon erledigt.

Der eigentliche Grund der Reise war eine spektakuläre Familienfeier und so waren die Unannehmlichkeiten schnell vergessen. Auch wenn man via whatsapp nahezu täglich mit der Familie in Verbindung steht, ist es doch ganz was anderes, mal wieder gemeinsam am Tisch zu sitzen.

Wir waren gespannt, wie das Leben ein Jahr nach unserem letzten Aufenthalt und angesichts der multiplen Krisen sich verändert haben würde. Kurz gesagt, auf den ersten Blick fast garnicht. Volle Supermarktregale, volle Gaststätten, Betriebsamkeit auf den Straßen.

Auf den zweiten Blick macht man sich Sorgen wegen der steigenden Energiepreise und Gasversorgung generell. Öfen werden angeschafft oder reaktiviert und im Wald wird Holz gemacht für den Winter. Über die verfehlte Energiepolitik, über Inflation und den Krieg in der Ukraine wird, zumindest in der oberen Mittelschicht, ebenso wenig geredet, wie über die Coronakrise.

Zwischen all den gut gestylten jungen Männern, die während der normalen Arbeitszeit in der Erfurter Innenstadt entspannt flanieren, fällt mir ein Mann im Rentenalter auf, der unauffällig die Müllbehälter in der Erfurter Angerstraße inspiziert. Offensichtlich sucht er etwas, um seine Finanzen aufzubessern. Er ist zweckmäßig gekleidet, nicht sommerlich. Vollbart, aber nicht ungepflegt. Er hat ganz offensichtlich ein Arbeitsleben hinter sich und ist trotzdem in Not. Mich macht das betroffen. Ich spreche ihn freundlich an und drücke ihm einen Geldschein in die Hand, was ihn sichtlich überrascht. „Das gibt es doch nicht!“.

Deutschland im Jahr 2022, ein reiches Land. Wirklich?

Wiedereinreise nach Panama mit Antigentest und Online-Registrierung, erzeugt QR Code der bei Immigration abgefragt wird.

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