Von Panama nach … Chile

Auch wer am Pazifikstrand lebt braucht mal Urlaub und in Chile ist gerade Frühling. Also nix wie hin. Mit Copa gibt es täglich mehrere Direktflüge nach Santiago.

6 Stunden von Panama nach Santiago vergehen ziemlich schnell. Uns fällt nur auf, dass Copa keinen Kaffee mehr serviert – und das als Airline des Kaffeelandes Panama.

In Santiago sind wir am Abend, checken in eines der Flughafenhotels ein und am nächsten Morgen geht es um 7 Uhr früh mit Sky in 3 Stunden bis hinunter nach Punta Arenas. Das Fluggerät ist ein Airbus 320, Sitze mit nicht verstellbarer Rückenlehne. Viel Platz für die Beine, weil am Notausgang, aber ansonsten ungemütlich.

Egal, die Aussichten am frühen Morgen machen das wett. Und wir haben natürlich die Sitze A/C mit Blick auf die Anden ausgewählt. Sehr beeindruckend, was da an vereisten Bergen, Felstürmen, Gletschern und Seen aufgebaut ist.

 

Dann kommen die Magellanstraße und Feuerland ins Bild. Optisch jetzt nicht so toll, aber was für eine Historie:

Portugal und Spanien waren um 1500 die großen Weltmächte und hatten sich in einem Vertrag darauf geeinigt, dass Portugal sozusagen die östliche Hemisphäre ab den Kanaren zustand, Spanien die westliche Hemisphäre. Und damit schien Spanien der Weg zu den Gewürzinseln und damit zu wichtigen Handelsgütern abgeschnitten.

Der Portugiese Magellan vertrat die These, dass man, wegen der Kugelform der Erde, auch über West dorthin gelangen könnte. Für sein Heimatland war das nicht interessant, für die Spanier schon.  Und so wurde er angeheuert und bekam eine kleine Flotte. Dann ging es quer über den Atlantik, an der südamerikanischen Küste entlang nach Süden – alles mit Sextant statt GPS. Und mit dem italienischen Blogger Bigafetta, der alles minutiös niederschrieb. Kann man heute noch nachlesen.

Irgendwie konnten die Leute damals schon den Rio de la Plata als Fluss und die spätere Magellanstraße als etwas anderes identifizieren. Denn da fuhren sie hinein, pausierten auf Höhe des heutigen Punta Arenas und sandten ein Schiff zur Erkundung aus. Kurz vorher hatte es noch eine Meuterei gegeben und eines der Schiffe war nach Spanien zurückgesegelt.  Die Victoria allerdings erreichte den Pazifik, kehrte nach Punta Arenas zurück und überbrachte die sensationelle und erlösende Nachricht.

Für die Siedlung Punta Arenas begann damit ein steiler wirtschaftlicher Aufstieg, der bis zur Eröffnung des Panamakanals anhielt. Von da an ging es bergab – und das sieht man heute noch.

Ein kleiner Verein hat die Victoria, das Flagschiff der Magellan Flottille weitgehend original nachgebaut und am Ufer aufgestellt. Unbedingt einen Besuch wert. Man kann in alle Ecken kriechen und bekommt einen guten Eindruck, wie die Seeleute damals gelebt haben müssen.

Zwei Tage später fliegen wir 1000 km nach Norden, nach Puerto Montt, wo wir einen Mietwagen übernehmen. Quartier beziehen wir im „Bellavista“ in Puerto Varas.  Das Hotel liegt direkt am Llanquihue-See und dahinter ragen zwei Vulkane, Osorno und Calbuco, in den Himmel. Ein herrliches Bild.

osorno

Der Osorno (links im Bild) wird gleich am ersten Tag erkundet, bis hoch zur Schneegrenze auf ca. 1500 Meter. Und von da oben ist der Ausblick über den See wiederum großartig.

Am nächsten Tag fahren wir an einem Fjord entlang südwärts und sehen wo die chilenischen Lachse gezüchtet werden. Klar, dass die auch sofort verkostet werden. Wirklich gut, besonders in Kombination mit einem chilenischen Wein.

Nächste Etappe: 300 km weiter liegt Pucon, ein Touristenstädtchen am Villarrica-See und mit dem gleichnamigen Vulkan (2.847 m) im Hintergrund. Der gibt Lebenszeichen in Form von weißem Rauch, aber die Vulkan-Ampel im Ort steht auf grün. Also fahren wir auch dort bis auf 1500 Meter hinauf.

Von hier unternehmen wir eine größere Tour, bis zum Vulkan Lanin (3.747 m), den sich Chile und Argentinien teilen. Dazwischen liegt noch der unscheinbare Quetropillan.

 

villanin

Quelle: tripadvisor.co.uk

Am nächsten Tag fahren wir mehr als 400 km bis in die Nevados de Chillan, wovon wir uns in einem Thermalbad in den Bergen schnell erholt haben. Bis Valparaiso ist es uns am Stück zu lang, deshalb machen wir auf dem Weg spontan Pause in Rancagua, eine ziemlich große Stadt, umgeben von Bergen und Weinfeldern.

Die Ruta 5/Interamericana ist eine Autobahn-ähnliche Schnellstraße, auf der man 120 km/h fahren kann. Die Carabinieri kontrollieren das immer mal. Im Süden geht es gemütlich zu, wenig Verkehr. Je näher man der Hauptstadt kommt, umso mehr und schnellere Fahrer sind unterwegs. Benzin kostet um CLP79,000 was ca. 1,20 USD sind.

Wir sind früh in Valparaiso und ich habe von dem lauschigen Fischerort Vina del Mar gehört, gleich um die Ecke. Also zuerst dorthin.

„Lauschig“ und „Fischerort“ war mal vor 100 Jahren. Heute stehen dort unzählige Apartmentblocks und der Übergang nach Valparaiso ist fließend. Insgesamt wohnen dort wohl 1 Mio. Menschen. Und wir haben unseren Pazifik wieder.

Valparaiso ist am Hang gebaut, es geht steil auf und abwärts. An manchen Stellen helfen uralte Aufzüge. Und es ist die Welthauptstadt der Graffitimaler. Das sind hier aber keine Schmierereien, sondern richtige Kunstwerke.

 

Für die letzten zwei Tage haben wir das Maipo-Tal südöstlich von Santiago ausgewählt – eine bekannte Weingegend. Statt Hotel dieses Mal Airbnb und ein sehr schönes Ferienhaus. Die freundliche Gastgeberin gibt sogleich einen Tip und wir machen uns am frühen Freitagnachmittag auf den Weg: Immer weiter im Maipo-Tal nach Süden, am Rio Maipo. Die halbe Strecke ist asphaltiert, dann wird es Schotterpiste, die wir uns mit Schwerlastern teilen müssen. Dort in den Bergen wird Kupfer und alles mögliche andere abgebaut. Wir erreichen nach mehr als 2 Stunden das Ziel:

Termas Valle de Colinas Cajon del Maipo

Kochheiße Quellen in provisorische Becken geleitet, auf 2.700m, mitten in der Wildnis, umgeben von bis zu 6.000 m hohen Vulkanen.

banoscolinapano

Das war wohl der Höhepunkt der Reise, neben der Magellanstraße und dem Wildschwein-Steak in einem urigen Landgasthof in Pirque am nächsten Tag.

Wir hatten auf der Reise keinen einzigen Regentag, die Temperaturen im Süden lagen bei 10°C, um Santiago und Valparaiso bei ca. 20°C. Sehr angenehm.

Und beim Abflug steht auf dem Flughafen von Santiago eine Qantas 747 – vielleicht ein dezenter Hinweis auf den nächsten Trip?

 

„Schwimmt nicht zu weit raus!“

Beim Blick über den Pazifik denkt man unwillkürlich an die Entdecker im Mittelalter:  an Kolumbus, Magellan oder Balboa.

Kolumbus landete 1492 auf den Bahamas, entdeckte den amerikanischen Kontinent.

Balboa durchquerte 1513 die Landenge von Panama und blickte als erster Europäer auf den Pazifik. Sein Denkmal steht heute an der Avenida Balboa, der  von Hochhäusern flankierten Uferstraße in Panama City.

Und das beste Bier Panamas heißt Balboa.

balboabeer

Magellan, den ich durch ein Kinderbuch frühzeitig kennenlernte, segelte auf einer Expedition als erster vom Atlantik in den Pazifik. Er nannte letzteren den Stillen Ozean. Seine Expedition umrundete als erste die Erde, wobei Magellan selbst aber auf den Philippinen ums Leben kam. Die Meerenge an der Südspitze Südamerikas ist nach ihm als Magellan-Straße benannt.

Mit Google Earth ist das Entdecken heute leichter.  Hier ist ein Beispiel:

Wie weit kann man von Panama aus mit einem Schiff maximal geradeaus fahren (also auf einem Großkreis) bevor man wieder Land erreicht?

PA_IN_23000km

Das Bild zeigt das mittlere Segment der Reise. Von Panama aus in Richtung Südwest, zwischen Australien und Antarktika durch in den Indischen Ozean und dort nach 23.000 km auf das indische Festland treffen.

Der Landepunkt ist unweit von Visakhapatnam, einem der größten indischen Häfen. Ob das eine praktikable Frachterroute von Indien via Panama an die US-Ostküste ist, kann ja vielleicht einer meiner Leser herausfinden und als Kommentar übermitteln.

Danke im voraus.

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