Durch den Kanal in der Luxusyacht

Panama City Freitag früh um 9 Uhr verlassen, nach vollständiger Kanalpassage am Samstag früh gegen 3 Uhr morgens in der Flamenco Marina angekommen. Aber eines nach dem anderen.

Immer mal wieder, wenn wir gemütlich beim Frühstück sitzen und den Verkehr in der Pazifikeinfahrt des Kanals beobachten, kommt einer von uns auf die Idee „Lass uns doch heute mal wieder an der Karibikküste Mittag essen“.

Und so kam es, dass wir am vergangenen Mittwoch im Restaurant der Shelter Bay Marina, wie immer, vorzüglich speisten. Neben den vielen Allerwelts-Booten lagen auch einige ansehnliche Yachten vor Anker, denn in der Karibik hat die Hurrican-Saison begonnen und die panamaische Karibikküste liegt ausserhalb des Hurrican-Gürtels. Am Kai sitzt ein braungebrannter Seemann in Arbeitskleidung, mit dem wir ins Gespräch kommen. Mit Blick auf die 48 Meter lange und blitzblank gepflegte E.Motion stimmen wir darin überein, dass das ein sehr komfortables und richtig teures Schiff sei. Heimathafen Georgetown, Cayman Islands. Und dann stellt sich heraus, dass die daneben liegende „nur“ 32 Meter lange JC seine Yacht war.

JC und E.Motion

Vor 2 Wochen hatte Rod dieses 30 Jahre alte Schiff in Mississippi gekauft und war nun mit einer kleinen Crew auf dem Heimweg nach Seattle im Nordwesten der USA. Der Weg bis Panama war schon ereignisreich gewesen: Motorschaden wegen Falschbetankung, leichte Kollision mit einem Abschlepper sowie mit der kolumbianischen Marine. Jetzt war der Plan, durch den Kanal in den Pazifik zu wechseln und dann entspannt Richtung Norden.

Das Schiff ist insgesamt ungepflegt, aber technisch in Schuss. Rod hat das Boot in diesem Zustand für einen guten Preis bekommen. Mit ordentlicher Aufbereitung hätte das deutlich teurer sein können. Wie für ihn gemacht, denn solche Arbeiten macht er selbst und wird damit den Wert deutlich steigern.

Das Schiff soll dann für Ausflugsfahrten kleiner Gruppen im nordischen Sommer genutzt werden und im Winter in wärmere Gefilde wechseln. Wir verabreden, uns in 1 oder 2 Tagen in Panama City zu treffen und über einen möglichen Einsatz in Panama zu reden. Rod meint, dass es nicht um Profit ginge, sondern um Spaß zu haben und dabei die Unterhaltskosten einzuspielen. Ein sympathischer Kerl.

Auf der Heimfahrt kam uns die Idee, ihn bei der Kanalpassage zu begleiten, denn in voller Länge hatten wir das in den ganzen Jahren hier noch nicht geschafft. Also gleich angefragt: „Könnten wir nicht mit Dir durch den Kanal fahren?“ Antwort: „Natürlich.“ Nächste Frage: „Könnten wir noch ein paar Freunde mitbringen, wenn ja, wie viele und was kostet es?“ Die Antwort: „Maximal 6, bringt ein paar Büchsen Coca Cola für die Besatzung und Kanalarbeiter mit.“

Dann kam schon der Freitag und wir sollten gegen 11 Uhr in der Shelter Bay Marina sein. Zu sechst ging es dann am Freitag morgen um 9 Uhr in Panama City los, bei Regenwetter. Komfortabler Kleinbus mit Chauffeur natürlich. Und Coca Cola.

Kurz vor Colon hört der Regen auf und es bleibt auch trocken. Das Schiff ist noch nicht so weit und deshalb erstmal Frühstück auf der Restaurant-Terasse. Gegen meine Gewohnheit beginne ich den Tag mit Burritos und Bloody Mary, passend zum Motto des Restaurants: „It’s 5 o’clock somewhere“.

Hier ist die Musik.

Gegen 14 Uhr holt uns der Captain im Restaurant ab und gibt eine Einführungstour durch das Schiff. Erstaunlich, was da an Platz verfügbar ist. Die Mastersuite mit Kingsize-Bett ist voll verspiegelt und unser Capitan stellt klar, dass das nicht seine Idee war. Daneben gibt es weitere Schlafzimmer mit Dusche und WC, sowie Mannschaftsquartiere, die weniger komfortabel sind. Insgesamt Platz zum Schlafen für bis zu 12 Gäste. Und genug Raum, um bis zu 50 Passagiere zu platzieren und zu bewirten.

Zur Zeit seiner Inbetriebnahme vor 30 Jahren muss das eine der luxuriösesten Yachten auf dem Wasser gewesen sein. In all diesen Jahren hat sich natürlich vieles geändert und die neben uns liegende E.Motion ist nur ein Beispiel.

Der Himmel ist bedeckt, kein Regen und so wird das Oberdeck unser Aufenthaltsort, statt der klimatisierten Innenräume. Abfahrt um 15 Uhr und die Gatun-Schleusen sind ja nicht weit weg. Auf dem Weg dahin passieren wir die mächtige Atlantik-Brücke, über die uns schon der Weg nach Shelter Bay geführt hat. Die E.Motion ist 15 Minuten vor uns in Shelter Bay gestartet und unser Captain, ehemaliger Hobby-Rennfahrer, setzt sich das Ziel, sie auf dem Weg zum Pazifik zu überholen, irgendwie.

Es geht los

Dann schaukeln wir einige Kilometer vor der Gatunschleuse und warten auf die Erlaubnis zur Einfahrt. Links kommen die ganz großen Pötte aus der Agua Clara Schleuse, rechts die etwas kleineren aus der alten Gatunschleuse. Der Lotse kommt an Bord und als es endlich weitergeht, ist es bereits 17 Uhr. Mit uns laufen die E.Motion, ein schnelles Motorboot und der Frachter Coherence in die Schleuse. Diese 4 Schiffe werden dann bis zum Ausgang der Pazifikschleuse zusammen in einer Schleusenkammer bleiben.

Einfahrt Atlantikschleuse

Als wir gegen 18:40 die Gatun-Schleusen verlassen, in den Lago Gatun einfahren, zieht schon Dunkelheit auf und wenig später ist es rabenschwarz. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, dass wir einen Großteil der Strecke bei Tageslicht erleben, aber der Blick zum inzwischen sternenklaren Nachthimmel lässt mich das vergessen. Unter dem Glanz der Sterne gleitet unsere Yacht leise brummelnd über das spiegelglatte Wasser. Vor uns und hinter uns sehen wir die beleuchteten Navigationshilfen und die Lichter anderer Schiffe auf dem Weg. Eine friedliche und entspannende Atmosphäre – und ein Privileg, das genießen zu dürfen.

In den Lago Gatun

Auf Höhe Gamboa werden es schon mehr Lichter, der Lotse geht von Bord und für das letzte Segment kommt ein neuer an Bord. Alles entspannt. Wir sitzen alle direkt hinter der oberen Brücke, erleben das Navigieren und die Gespräche direkt mit. Nach Gamboa kommt die engste Passage der ganzen Strecke, es geht durch den Gaillard Cut, den man seinerzeit mit viel Aufwand aus dem Berg herausgesprengt hat und wo immer wieder der Hang nachrutschte, die Arbeit von Wochen, sowie Arbeiter und Gerätschaften unter sich begrub. Am Ende führt die um das Jahr 2000 erbaute Centenario-Brücke über den Kanal und wir befinden uns vor den Pedro-Miguel-Schleusen. Rechts, in der Einfahrt der neuen Cocoli-Schleusen liegt ein Post-Panamax-Containerfrachter und vor uns wird ein Panamax-Frachter in die für uns vorgesehene Kammer eingefädelt. Das dauert.

Transit durch die Pedro-Miguel- und Miraflores-Anlage und dann sind wir im Pazifik. Unser Capitan freut sich wie ein Kind, sein heimatliches Meer wieder unterm Kiel zu haben. Und wir haben die E.Motion überholt, irgendwo auf dem Lago Gatun.

Vorbei an den geradezu weihnachtlich erleuchteten Hafenanlagen von Balboa und Rodman, unter der Puente de Las Americas hindurch geht es zur Boje 8, gegenüber von unserer Wohnanlage und da wird immer der Lotse von Bord geholt. Das dauert heute auch ewig und ich stehe ständig im Kontakt mit unserem Chaufffeur, der seit 22 Uhr an der Flamenco Marina wartet. Als wir dann dort anlegen, ist es 3:30 Uhr morgens.

Unterm Strich, ein erlebnisreicher Tag. Dank an Rod, unseren Captain.

Wenn Du gerade mal hier bist, dann besuche doch meine kleine Bibliothek, die edition besserpanama, mit noch mehr Information über dieses schöne Land und ein freies Leben.

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