Business- statt Steuer-Oasen

„Für Steueroasen gibt es nur drei Gründe: das Motiv der Steuervermeidung, die Verheimlichung der eigenen Zahlungsfähigkeit gegenüber Dritten bzw. Gläubigern oder die Verschleierung von kriminellen Geschäftsaktivitäten.“

Das habe ich heute nicht etwa in einem Rundschreiben des Bundesfinanzministers gelesen, sondern im deutschen Bitcoin-Journal. Wie peinlich.

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Ich kann den Autor beruhigen: Für all das braucht man nicht notwendigerweise eine „Steueroase“. Das funktioniert auch mit der guten alten deutschen GmbH und mitten in Europa:  Landesbanken die bei Cum-Ex-Geschäften im großen Stil dabei sind und eine Legislative, die seit Jahrzehnten den EU-weiten Umsatzsteuerbetrug nicht verhindern kann. Die gleichen Leute und Institutionen schimpfen aber über „Steueroasen“. Gab es da nicht diesen altmodischen Spruch mit Steinewerfen im Glashaus?

Schlimm, dass das BitCoin Journal diesen Unfug völlig unkritisch nachplappert und auch Dinge vermischt, die getrennt zu betrachten sind: Steueroasen und Briefkastenfirmen.

Steuer-Oase ist eigentlich ein positiver Begriff, ein Ort wo man weniger Steuern zahlen muß als anderswo. Ebenso gibt es Infrastruktur- und Bürokratie-Oasen auch wenn die keine Schlagzeilen machen.

Wer sein Unternehmen global ansiedeln kann, wird viele Kriterien bei seiner Standortwahl berücksichtigen. Länder, die hohe Steuern mit schlechter Infrastruktur und überbordender Bürokratie kombinieren, werden zu Recht als Unternehmensstandort ausgesondert. So ist umgekehrt der US-Staat Delaware völlig legal zum bevorzugten Sitz vieler Unternehmen geworden.

Ist das verwerflich? Nein, denn ohne Steuerwettbewerb würden Staaten darin wetteifern wie man dem Steuerzahler sein Geld am schnellsten aus der Tasche ziehen kann. Wettbewerb ist bei Steuern genauso sinnvoll wie bei Infrastruktur, Bürokratie, Recht, Bildung, Banken und anderen Themen.

Helmut Schmidt, seinerzeit SPD-Mitglied, Bundeskanzler und Bundesfinanzminister: „Wer die Pflicht hat Steuern zu zahlen, hat auch das Recht Steuern zu sparen.

Das kann man schon durch geeignete Standortwahl innerhalb Deutschland (siehe hier) oder innerhalb Europas tun und wer sein Unternehmen global ansiedeln kann, wird natürlich auch außer-europäische Standorte in Betracht ziehen.

Wir sollten deshalb eher anerkennend von Business-Oasen statt abwertend von Steuer-Oasen reden. Und wer will dann noch Business in der Wüste machen?

„Briefkastenfirma“ ist der nächste abwertende Begriff, der in Vorzeiten seine Berechtigung hatte. Diese Zeiten sind vorbei.

Längst können Leute mittels beliebiger Endgeräte online kommunizieren und kooperieren, physische Produkte und immaterielle Services online vermarkten. Dazu braucht es eine registrierte Firma und ein Bankkonto, aber weder Büroräume noch Gewerkschaften, noch nicht einmal einen eigenen Briefkasten.

Offshore corporation statt Briefkastenfirma. Und wenn der Eigentümer eines solchen Unternehmens deutscher Steuerbürger ist, wird er seine Beteiligung und Einnahmen daraus dem Finanzamt gegenüber transparent deklarieren.

Wer das wegen des erheblichen bürokratischen Aufwands legal vermeiden will, kann unter sorgfältiger Beachtung des deutschen Außensteuergesetzes seinen Wohnsitz verlagern.

Last but not least zum Begriff der Scheindirektoren, die eigentlich nominee directors heißen.

Nehmen wir an, Paul Mustermann kauft mit seinem wohlverdienten versteuertem Geld ein Ferien-Apartment an Panama’s Pazifikküste. Entweder weil er sich das an Nord- oder Ostsee nicht leisten kann (siehe hier), oder weil er sich im deutschen Winter an tropischen Stränden sonnen will. Oder beides.

Sollte er das als Privatmann tun? Natürlich nicht. Er gründet stattdessen eine offshore-Firma in Panama und diese Firma kauft das Appartment. Allein schon deswegen, weil der Verkauf von Firmenanteilen einfacher ist, als der einer Immobilie und in Panama zudem steuerfrei. Sinnvoll und legal? Ohne Zweifel.

Sollte er sich selbst als Direktor dieser Firma eintragen lassen? In einem Rechtssystem das er auch nicht ansatzweise kennt? In einem Land, 9000 km entfernt, wo er für jede Satzungsänderung persönlich beim Notar erscheinen muss? Das wäre grober Unfug und zudem fahrlässig.

Stattdessen werden die obligatorischen Direktorenposten für eine geringe Gebühr von Angestellten der Anwaltskanzlei besetzt, die gemäß der Weisungen des Eigentümers Dokumente unterschreiben, aber auch jederzeit ohne jede Konsequenz gefeuert werden können. Sinnvoll und legal? Ohne Zweifel.

So wie an den meisten Flughäfen heutzutage jedermann als potentieller Terrorist behandelt wird, so werden in vielen Industrieländern Unternehmer als potentielle Steuerhinterzieher angesehen. Das ist unerträglich.

Wer nichts zu verbergen hat, sollte sich aber gerade nicht im vorauseilenden Gehorsam selbst beschränken, sondern den noch bestehenden Freiheitsraum legal und konsequent ausschöpfen.

 

 

 

Über jaypacific
Verbringe dein Leben in einer ewigen Glückseligkeit der Vorfreude, etwas zu erhoffen, zu erwarten, zu planen oder zu erträumen. ... Könnte von mir sein, ist aber von Kai Krause in "Das Wissen von morgen"

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