Koffer weg – Tipps für Flugpassagiere

Nachdem im Juni 2015 unser gemeinsamer Koffer von Condor verschlampert wurde und ich hier schon den Abschluss postuliert hatte, kommen noch ein paar nützliche Tipps, damit auch meine Leser ggf. zu ihrem Recht kommen:

Für Flugverspätungen gibt es ein eingespieltes System und Anwaltsfirmen, die sich spezialisiert haben, dieses im Interesse der Passagiere reibungslos abwickeln. Einfach zu finden.

Bei Gepäckverspätung und -verlust gibt es ein solches Standardverfahren nicht; dazu sind die Fälle zu unterschiedlich gelagert.

 

broken suitcase thanks to tsa

Quelle: economicalmommy.worpress.com

Der erste Schritt ist natürlich die Regeln der Airline einzuhalten, also Verlust pünktlich zu melden und Schaden bestmöglich nachzuweisen.

Wenn das nicht hilft, meistens also, dann eine Beschwerde an die Schlichtungsstelle Öffentlicher Personenverkehr (SÖP) richten. Das funktioniert ohne Kosten, online und mit den Unterlagen, die man schon bei der Airline gebraucht hat.

Die SÖP hat in unserem Fall einen guten Job gemacht, aber die Condor hat den Vergleich leichtfertig abgelehnt. Zum Glück, denn das hat uns am Ende deutlich mehr gebracht.

Wenn die Airline den Vergleich ablehnt, ist die SÖP am Ende und man bleibt auf dem Schaden sitzen, was die Airline möchte, oder sucht einen Anwalt.

Wichtig dabei ist, eine Kanzlei zu wählen, die auf Basis Gebührenordnung arbeitet und nicht mit vereinbarten Sätzen. Bei denen kann man sich am Ende den Sieg nämlich nicht leisten. Und Sonderhonorare sagen noch nichts über die Qualifikation, wie man gleich sehen wird.

Wir sind zunächst auch auf eine Kanzlei reingefallen, die in Sachen Suchmaschinenoptimierung perfekt ist, jeden Tag Referenzen posten lässt, allerdings das Reiserecht weniger kannte, als ich selbst. Man wusste z.B. nicht, dass wenn 2 Personen einen gemeinsamen Koffer haben, beide Anspruch auf Schadenersatz gemäß Montrealer Übereinkommen haben. Eine auf Reiserecht spezialisierte Kanzlei!

Nicht genug, man kam bei einem Schaden von mehr als €3.000 ernsthaft mit einem Condor-Angebot über €200 zurück. Als daraufhin der Auftrag gekündigt werden sollte, meinte man noch ein ganz besonderes As im Ärmel zu haben:

Es stellte sich heraus, dass diese Kanzlei den Fall hinter unserem Rücken bei der SÖP einreichte, statt uns über diese außergerichtliche Problemlösung aufzuklären.

Als Antwort auf die längst verdiente Kündigung schickte uns die Kanzlei Bartholl in Berlin dann umgehend eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Keine gute Idee.

Schließlich fanden wir eine kompetente und engagierte Kanzlei, mit der wir den Fall erfolgreich zu Ende bringen konnten. Danke dafür.

 

 

 

VW trickst beim Diesel – Condor trickst bei Fluggastrechten

Man kann wenige Leute eine lange Zeit betrügen oder viele Leute eine kurze Zeit. Viele Leute für eine lange Zeit funktioniert nicht, wie VW gerade schmerzlich erfahren muss.

Condor steht diese Erkenntnis noch bevor. Sie tricksen ihre Fluggäste im Fall von Gepäckverlust oder -verspätung eiskalt aus und alle schauen zu. Mal sehen, wie lange noch.

Nachdem unser Koffer ja am 6. Juni 2015 nach einem Direktflug mit Zwischenstopp nicht in Panama City ankam dachten wir noch, dass man einfach einen Anwalt einschalten muss und zu seinem Recht kommt. Falsch gedacht und wieder was dazu gelernt.

Vor einigen Tagen teilte uns der beauftragte Anwalt mit, dass man nach einem lächerlichen Vergleichsangebot der Condor über 200 Euro nun alle Möglichkeiten einer außergerichtlichen Einigung erschöpft habe. Da wir den Auftrag keineswegs darauf beschränkt hatten, kam es zu einem Gespräch mit der Kanzlei in dem wir einiges dazulernten.

Wenn man vor Gericht gegen die Condor gewinnt, so aufgrund der klaren Rechtslage ja die Denke der Kläger, trägt die Condor auch die Anwaltskosten. Das ist so, allerdings nur ein Honorar gemäß Streitwert – und dafür arbeiten die Anwälte nicht, sondern vereinbaren abweichende Stundensätze.

Wenn es der Airline also mit allerlei Tricks und Verzögerungstaktik gelingt das Verfahren in die Länge zu ziehen und den Anwalt damit zu beschäftigen, wird der sich eines Tages beim Kläger, also bei uns, melden und Bescheid geben, dass nun die Anwaltskosten die Höhe der Entschädigung erreicht hätten und fragen, ob man trotzdem weitermachen will. Ökonomisch natürlich sinnlos.

Das ist eine Situation, die wohl jeder außer uns kennt, und worauf die Airline ihre Strategie aufbaut. Die Entschädigungspflichten laut Montrealer Abkommen werden damit einfach unterlaufen. Legal, illegal, scheißegal.

Was uns unser Anwalt natürlich nicht erzählt hat, ist dass es eine Schlichtungsstelle Öffentlicher Personenverkehr gibt, die seit 2013 auch für den Flugverkehr zuständig ist und kostenlos arbeitet – hoffentlich nicht umsonst. Das scheint im Moment die beste Lösung zu sein.

www.soep-online.de

Und Condor, unser nächster Flug ist schon gebucht – aber nicht mit euch.

finger

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