Keine Sternstunde des Journalismus

Stellen Sie sich vor, jemand geht heute zum Notar und gründet eine GmbH.

Nachdem ihm die Registrierungsunterlagen vorliegen, begibt er sich zum Sitz des Notars und verkündet den anwesenden Mitarbeitern, dass dies ja nun sein Büro sei und er mit dem Notar über seine weiteren geschäftlichen Absichten reden wolle.

Als die ihm verständnislos die Tür weisen, ist für ihn klar, dass so eine GmbH-Gründung nichts anderes als ein großer Schwindel und außerdem gefährlich ist.

Sie denken ich halluziniere? Niemand käme auf so eine abwegige Idee?

Doch, wenn man beim NDR den Beitrag „Im Schatten der Offshore-Firmen“ produziert.

Der investigative Journalist wollte es genau wissen.

Er ordert in Panama eine Firmengründung. Nachdem ihm die Registrierungsunterlagen vorliegen, reist er dorthin und sucht die angegebene Adresse der Gründungskanzlei auf, wo er sein neu registriertes Unternehmen zu finden hofft.

Er wandert zunächst durch benachbarte leere Büroräume und ist enttäuscht. Seine Recherche hatte ergeben, dass da 6.000 Firmen ihren Sitz haben.

Dann wird es ganz peinlich:

Am Empfangstresen der Anwaltskanzlei erklärt er der jungen Frau, „Das hier muss doch meine Firma sein, is this my company, ich habe alle Unterlagen dabei.“

Auch als die junge Frau ihm freundlich erklärt, dass dies nur die lokale Registrierung sei, bleibt er hartnäckig: „Ich habe es hier schriftlich. Ich bin der Eigentümer. I want to talk with somebody about the business, what can we do, what are the next steps.“

Jetzt weiß ich wie Fremdschämen sich anfühlt.

Seine umwerfende Schlussfolgerung: „In einer leeren Etage, eine Briefkastenfirma, mit der ich die schlimmsten und profitabelsten Sachen machen könnte, ohne dass das zu Hause einer merkt.“

Da kann einem wirklich Angst werden.

P.S. Den Film findet man in der ARD Mediathek.

 

Über jaypacific
Verbringe dein Leben in einer ewigen Glückseligkeit der Vorfreude, etwas zu erhoffen, zu erwarten, zu planen oder zu erträumen. ... (Kai Krause in "Das Wissen von morgen")

One Response to Keine Sternstunde des Journalismus

  1. Pingback: Steuern sparen beim NDR | besserpanama

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