Unter Wind nach Venezuela

Am 22. Januar 2008 setzte die Beluga SkySails im wahrsten Sinne des Wortes Segel und schipperte von Bremen nach Venezuela. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung, konnte man doch jetzt mit Windkraft-Nutzung Schweröl sparen, massiv die Kosten senken und nebenbei noch das Weltklima retten.

 

skysail-beluga-kite-ship

 

Aus Umweltschützer-Sicht klingt das toll, aus dem Blickwinkel eines Ingenieurs eher nicht so sehr.

Die Berichterstattung über die Jungfernfahrt war begeisternd, aber seitdem habe ich nichts mehr von dieser wegweisenden Idee gehört und im Panamakanal habe ich auch noch kein einziges Frachtschiff hinter einem Kite-Segel gesehen.

Heute nun lese ich bei n-tv etwas über Beluga und ich erinnere  mich dass da was war. Keine Erfolgsmeldung dieses Mal:

 

beluga_ntv

 

Die Reederei ist seit 2011 insolvent: Scheinumsätze, Bilanzfälschung etc.

Mir egal.

Nicht egal ist, dass es wohl keinen einzigen Journalisten mehr gibt, der sich solche aufgeblasenen Klimaretter-Geschichten mal auf „Wiedervorlage in 5 Jahren“ legt und berichtet, wie es weiterging. Klar gab es in 2011 überwiegend regionale Zeitungsmeldungen zur Insolvenz und in 2016 im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Beluga-Manager auch überregional. Kein einziger der Artikel die ich diesbezüglich gesichtet habe, erwähnt das SkySail-Thema auch nur am Rande.

Wer als Journalist damals Jubelmeldungen geschrieben und später nicht über das Scheitern berichtet hat, hat einfach seinen Beruf verfehlt.

Mir persönlich ist die Begeisterung für Retro-Energiegewinnung mittels Segel und Windmühlen, ob am Boden, auf See oder in der Luft verankert, von Anfang an völlig unverständlich gewesen. All diese Konzepte sind nichts anderes als Verbrennen von Geld, das anderswo nützlich angelegt werden könnte und Verschwendung von F/E-Kapazität. Wer es nicht weiß, das Zauberwort zum Verständnis heißt „Energiedichte“.

Während man in Deutschland Segel zum Kraftstoffsparen entwickelt, hat man in den USA die Öl- und Gasgewinnung zum Hightech-Verfahren gemacht, die Weltmarktpreise halbiert und ganz nebenbei dank dem verstärkten Einsatz von Erdgas den CO²-Ausstoß reduziert.

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