Vom Meer ins Hochgebirge, in 1 Stunde

Wer immer nach Panama kommt, hat gelesen, dass er Boquete besuchen muss. Grund genug für uns in fast 8 Jahren noch nie dort gewesen zu sein. Aber jetzt …

Boquete ist eine Kleinstadt auf 1200 Meter ü.M. am Südosthang des Vulkan Baru, mit 3475 Meter der höchste Berg Panamas. Wer also in den Tropen leben will ohne zu schwitzen, ist hier genau richtig. Nichts für uns, aber anschauen kann man das mal. Wir kennen schon die Westseite des Baru, haben Freunde in Cerro Punta.

Von uns zu Hause sind es bis David, der Provinzhauptstadt von Chiriqui, schon 330 km, also keine Tour die man an einem Tag hin und zurück fährt. Auch nicht, wenn die Pan-Americana hier in ca. 2 Jahren durchgängig 4-spurige Schnellstraße sein wird.

Wir planen eine kombinierte Meer-Gebirgsreise. Südlich von David liegt das Las Olas Resort, von dem wir immer mal Werbung gesehen haben. Das soll unser erstes Ziel sein. Am nächsten Tag dann hoch nach Boquete, von dort wieder ans Meer nach Bocas del Mar und am dritten Tag zurück nach Hause. Ca. 800 km insgesamt.

Am Dienstag vor 2 Wochen haben wir uns auf den Weg gemacht. Eine Stunde auf der 4-spurigen Pan-Americana bis Santiago. Dort beginnen dann die Baustellen. Es sieht so aus, als ob die neue Trasse zu 75% fertig ist, aber kein einziges Stück ist freigegeben. Immerzu heißt es Seite wechseln und Gegenverkehr. Zum Glück sind nicht allzu viele Leute unterwegs und es gibt Gelegenheit den 270 Pferden unter der Haube beim Überholen mal die Sporen zu geben. Was die nicht gewohnt sind, denn normalerweise sind wir zwischen zu Hause und Panama City gemächlich und gleichmäßig zwischen 80 und maximal 110 km/h unterwegs.

David erreicht, drehen wir nach Süden. Kurz hinter David’s Internationalem Flughafen liegt das Fischerdorf Pedregal, inmitten einer Wasserwelt: Meer, Flussarme, Inseln, Mangroven. Genau zur Mittagszeit sind wir dort. Touristisch sieht es nicht besonders erschlossen aus, aber die Kellnerin reicht uns auf Nachfrage einen Flyer für Schiffsrundfahrten und später finden wir noch das Angebot, diese Welt per Kajak zu erkunden.

Dann geht es über schlechte Straßen weiter Richtung Südwest zum Las Olas Resort. Ein zweistöckiger Gebäudekomplex, direkt am Strand gelegen. Kräftiger Wellengang und weiter draußen liegen 2 Tanker, die wohl am Petroterminal von Charco Azul anlegen wollen.

Der ganze Komplex wurde an einer Stelle erbaut, wo sich über Jahrzehnte eine der größten Rinderfarmen befand, Fleisch und Milch produziert wurden. In den 80ern haben die Besitzer dann beschlossen, daraus ein Strandressort zu machen. Die ganze Story steht in der Speisekarte des Restaurant Abigail. Dort ist abends elegant eingedeckt, Speisen und Service sind ausgezeichnet. Ansonsten sieht man dem Resort an, dass seine besten Zeiten vorbei sind. Nichtsdestotrotz ist Las Olas sicher ein beliebtes Wochenendziel für Familien aus David und Umgebung, sowie für die Expats aus Boquete.

Las-Olas-Beach-Resort-Panama-Slider1

Nach einer Nacht im nicht so bequemen Bett und bei zu lauter Klimaanlage gibt es als Entschädigung am Morgen ein reichliches Frühstück, und schon sind wir wieder auf der Straße. Irgendwie führt uns die sonst sehr zuverlässige Echtzeit-Navigations-App Waze über Umwege nach David, oder führt uns damit um Staus herum. David hat immerhin 100.000 Einwohner, gefühlt ebenso viele Autos plus eine Menge Verkehr aus und nach Costa Rica.

Nach Boquete führt eine 4-spurige Autostraße, schönes Wetter und sehr angenehmes Fahren, immer mit Blick auf den Vulkan Baru. Dann sind wir in Boquete. Für uns der typische Gebirgstouristenort, wie wir schon viele gesehen haben. Also nicht aufhalten, sondern eine der Straßen nehmen, die weiter hoch führen. Irgendwo muss es doch eine Straße auf diesen Vulkan geben.

Stattdessen landen wir in einer der zahlreichen Kaffeeplantagen, mitten im Grünen. Vögel zwitschern, der Kaffee duftet – life is good.

 

 

Wir beschließen talwärts zu fahren. Kurz nach Boquete meint meine Frau ein Hinweisschild zum Vulkan himself gesehen zu haben. Das wär’s. Also scharf rechts abbiegen und wieder steil bergauf. Schicke Anwesen rechts und links der säuberlich asphaltierten und markierten Straße. Und ein Schild: Volcano 15 km. Wir werden geradezu euphorisch. Für 1,5 km.

Die Asphaltstraße endet und geht übergangslos in eine Art Steinwüste über: steil, schmal und staubig. Wie zum Hohn zeigt ein Schild genau da hoch: Volcano 13,5 km.

Es ist nicht so, dass unser SUV da nicht hochkommt und für 2 oder 3 km hätten wir nicht lange überlegt. Aber für 13,5 km und ohne zu wissen was da noch kommt? Nein.

 

 

Wir sind auf 2000 Meter, neugierig steige ich den Weg 200 Meter zu Fuß hoch und stehe am Eingang des Nationalparks Vulkan Baru. Hier ist eine Rangerstation und die Schilder verbieten es, allein weiterzugehen. Alles abgeschlossen, die Rangers sind wohl gerade auf Tour. Zu Fuß wollen wir uns das ganz bestimmt nicht antun. Ich bin vor zwei Jahren mal 14 km um Erfurt gewandert und war danach ziemlich platt, bei einem Höhenunterschied von vielleicht 200 Meter. Hier sind es 1.500 und dünne Luft. Nichts für Untrainierte.

Wir erfreuen uns an der Aussicht und machen uns wieder auf den Weg ins Tal. Von David geht es ein Stück auf der Pan-Americana Richtung West, dann drehen wir nach Süden ab. 20 km sind es von hier bis nach Bocas del Mar, einer kleinen feinen Hotelanlage gegenüber der Insel Boca Chica. Dort waren wir schon zwei Mal und es gefällt uns jedes Mal sehr gut. Jedes Zimmer ist ein eigener geräumiger Bungalow, mit Glasfront vom Boden bis zur Decke über die ganze Breite. Von außen natürlich verspiegelt. Kingsize-Bett mit Ausblick, Schreibtisch mit Minbar, kleine Sitzecke innen und auf der Terasse, geräumiges Bad und die Wanne scheint auch mitten im Garten zu stehen.

 

Im Zentrum die Reception, Restaurant mit Bar, alles offen und direkt am Pool. Wenn es in Boquete schon life is good hieß, dann ist life jetzt perfect.

Herrliches Bett, flüsterleise Klimaanlage, wir schlafen wie die Engel.

Exzellentes Frühstück am Pool und dann geht es wieder auf die Heimreise.

 

Über jaypacific
Verbringe dein Leben in einer ewigen Glückseligkeit der Vorfreude, etwas zu erhoffen, zu erwarten, zu planen oder zu erträumen. ... (Kai Krause in "Das Wissen von morgen")

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