Ein Fall für den Staatsanwalt?

Vorgestern abend habe ich mal wieder eine Stunde Lebenszeit dem deutschen Fernsehen geopfert, konkret der Anne-Will-Talkshow.

Fangen wir mal mit dem harmlosen Teil an, den ich als Volksverdummung bezeichnen will. Der LINKE-EU-Abgeordnete Fabio de Masi, Finanzexperte (!) seiner Fraktion, erzählt dort mit wichtigem Gesicht von seinem investigativen Selbstversuch.

Zu einem Zeitpunkt, als alle Welt auf Mossack Fonseca schaut, ruft er anonym dort an und erzählt dass er 2,5 Mio aus einer Quelle die er nicht nennen kann und die auch ein bißchen kriminell sei, in einer panamesischen Briefkastenfirma verstecken will.

Der Gesprächspartner bei Mossack Fonseca sichert ihm erwartungsgemäß zu, dass das überhaupt kein Problem sei und auch von Seiten der panamesischen Regierung (!) keine Einmischung zu erwarten sei.

Keiner der Teilnehmer in der Runde verzieht eine Miene und das Publikum ist angemessen entsetzt. Niemand lacht ihn aus, niemand meldet Zweifel an.

Es gibt nun 2 Möglichkeiten: Die Story ist erstunken und erlogen, was ich mal nicht unterstellen will. Wahrscheinlicher ist, dass Mossack Fonseca in diesen Tagen von vielen selbsternannten Aufklärern in dieser Weise kontaktiert wird und beschlossen hat, sie so zu behandeln, wie man mit Spinnern eben umgeht:

„Aber natürlich Herr Sowieso, kein Problem dass wir ihre Millionen verstecken. Nein, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Wir machen das doch jeden Tag und wir können Ihnen auch den Herrn Putin als Referenz nennen. Kommen Sie einfach mit Ihrem Geldkoffer hier vorbei. Wir schaffen das. Einen schönen Tag, hasta luego.“

Kein Wunder, dass sich nun der Ton in der Runde verschärft: Offshorefirmen sind gleichbedeutend mit Terrorfinanzierung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Panamesische Anwälte, Banken und selbst die Regierung halten sich offensichtlich an keinerlei Regeln und haben keine Moral. Dementsprechend sind entschiedene Maßnahmen angesagt und Panamesen dürften eigentlich überhaupt nicht mehr nach Deutschland einreisen.

Für mich kaum zu glauben, in welch arroganter Weise hier auf Basis von Halbwissen und Vorurteilen über die Bürger und Institutionen eines souveränen Staates geredet wird.

Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, … die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe … beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. (StGB §130, Volksverhetzung)

Zwischendurch kommt noch die Frage, warum relativ wenige US-Bürger in den Panama Papers enthalten sind. Aber schnell sind sich die anwesenden Fachleute einig: Die müssen ja nicht nach Panama. Die hinterziehen doch ihre Steuern mit einer Delaware-Firma.

OMG

 

 

Über jaypacific
Verbringe dein Leben in einer ewigen Glückseligkeit der Vorfreude, etwas zu erhoffen, zu erwarten, zu planen oder zu erträumen. ... Könnte von mir sein, ist aber von Kai Krause in "Das Wissen von morgen"

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